Hohe Nachfrage nach Outperformance-Produkten - Rendite der Discounter sinkt
Niedrige Kursschwankung animiert Anbieter zu neuen Zertifikaten

Die Anbieter von Zertifikaten freuen sich über die seit längerem an den Märkten herrschende niedrige Volatilität. Denn dadurch haben sie die Möglichkeit, ihre Papiere attraktiver zu gestalten.

BERLIN. Seit Monaten bewegen sich die Kurse an den Börsen nur wenig. Der VDax, der die Kursschwankungen (Volatilität) des Deutschen Aktienindex Dax abbildet, notiert mit 12,8 Punkten nur knapp über seinem historischen Tief von 10,9 Punkten. Doch genau darüber freuen sich die Anbieter von Zertifikaten. Denn dadurch haben sie die Möglichkeit, ihre Papiere attraktiver zu gestalten.

„Die Volatilität ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für den Preis von Optionen, die bei der Strukturierung der meisten Zertifikate zum Einsatz kommen“, sagt Wolfgang Gerhard vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Ist die Volatilität niedrig, sind auch Optionen billiger. Es sei daher sinnvoll, Zertifikate, die den Kauf einer Option beinhalten, zu kreieren.

Vor allem den einfach und transparent strukturierten Produkten komme die niedrige Volatilität zugute, sagt Heiko Weyand, Zertifikateexperte von HSBC Trinkaus & Burkhardt. In erster Linie profitiert das Genre der Outperformance-Zertifikate. Allein im Februar ist nach den Zahlen des Deutschen Derivateforums der Umsatz mit diesen Papieren um 33 Prozent auf 118 Mill. Euro gestiegen, das ausstehende Volumen erhöhte sich um 14 Prozent auf 982 Mill. Euro.

„Das Umfeld für diese Papiere ist sehr attraktiv“, sagt Stefan Armbruster von der Deutschen Bank. Outperformance-Zertifikate profitieren gleich doppelt: von der niedrigen Volatilität und den derzeit hohen Dividendenrenditen. Bei diesen Papieren behält der Emittent die Dividenden und finanziert damit den Kauf von Kaufoptionen, um eine überproportionale Partizipation an den Kursgewinnen des Basiswertes darstellen zu können. Je billiger also die Option und je höher die Dividendenrendite, desto mehr Optionen kann der Emittent kaufen und desto stärker profitiert der Anleger von den Kursgewinnen des Index oder der Aktie, die dem Zertifikat zu Grunde liegen. Die Emittenten überschlagen sich mit neuen Produkten, vor allem auf den Euro Stoxx 50 und auf dividendenstarke Einzelwerte, wie die Deutsche Telekom oder Daimler-Chrysler.

So haben Barclays Capital und Rhein Asset Management vergangene Woche ein neues Outperformance-Zertifikat aufgelegt, das den Anleger mit 200 Prozent an den Kursgewinnen des europäischen Leitindex beteiligt (Partizipationsrate). Am Laufzeitende erhält der Anleger für jedes Prozent, das der Index über dem Anfangsniveau notiert, zwei Prozent zurück. An Kursverlusten ist der Anleger nur eins zu eins beteiligt – er trägt daher das normale Aktienrisiko.

Die Deutsche Bank bietet Papiere auf die Telekom mit einer Partizipationsrate von 233 Prozent, auf die MDax-Parfümerie Douglas mit 195 Prozent und selbst auf den dividendenschwachen japanischen Index Nikkei mit 163 Prozent feil. Sal. Oppenheim verkauft Outperformer mit kürzeren Laufzeiten, auf die Telekom mit einer Partizipationsrate von 185 Prozent oder auf die Daimler-Aktie mit 180 Prozent. Und auch HSBC Trinkaus & Burkhardt emittiert demnächst erstmals Outperformance-Papieren. Derart hohe Gewinnbeteiligungen seien erst durch die extrem niedrige Volatilität möglich geworden, sagt Christian Kratz von Rhein Asset. Bei einer durchschnittlichen Volatilität von 15 bis 20 Prozent läge die Partizipation nur bei 130 bis 140 Prozent.

Und Partizipationsraten von 200 Prozent und mehr taugen vortrefflich als Verkaufsargument: „Outperformance-Zertifikate sind sexy. Die Produkte sehen wegen der hohen Gewinnbeteiligung optisch gut aus“, sagt Markus Koch von UBS. „Die Anbieter vergessen aber, dass die niedrige Volatilität letztlich nur ein Abbild geringerer Renditeerwartungen am Markt ist. Die Leute haben nach wie vor Angst“, sagt er. Koch rät deshalb zu Papieren, die zusätzlich mit einem Sicherheitspuffer ausgestattet sind, auch als Protect-Outperformer oder Bonus-Plus-Papiere bekannt. Bei dem Bonus-Plus-Zertifikat von UBS auf die Aktie der Telekom zum Beispiel ist das Geld des Anlegers trotz der hohen Partizipationsrate von 200 Prozent geschützt, solange die T-Aktie nicht mehr als 30 Prozent verliert.

Völlig anders sieht es beim Verkaufsschlager Discount-Zertifikate aus. Die Jahresrenditen der Papiere, deren Rabatt die Emittenten mit dem Verkauf einer Kaufoption finanzieren, sind zusammengeschmolzen - bei Papieren, die sich auf Indizes beziehen, um fast die Hälfte auf sechs bis sieben Prozent. Die Rabatte sind einfach nicht mehr so üppig wie vor zwei drei Jahren, sagt Weyand. Schuld ist die niedrige Volatilität.

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