Hohe Sicherheit bei Tages- und Festgeld
Anleger zeigen Auslandsbanken die rote Karte

Auslandsbanken in Deutschland spüren die Finanzkrise besonders deutlich. Sparer heben ihr Geld von den einst beliebten lukrativen Tages- und Festgeldkonten der Auslandshäuser ab und bringen es zu Sparkassen, Volksbanken und privaten Instituten. Verbraucherschützer raten indes davon ab, Geld von ausländischen Häusern mit begrenztem Einlagenschutz solider EU-Staaten abzuziehen.

FRANKFURT. "Ohne in die Finanzkrise direkt verwickelt zu sein, sind wir betroffen durch die allgemeine Unsicherheit der Menschen gegenüber ausländischen Banken", sagt eine Vertreterin der türkisch-niederländischen Akbank. In den vergangenen zwei Wochen seien die Auszahlungen von den Akbank-Konten deutlich gestiegen, sagt sie. Andere Institute bestätigen dies, wollen aber nicht namentlich genannt werden.

Die ausländischen Banken sind in den Sog der überschuldeten isländischen Bank Kaupthing geraten. Deren deutsche Anleger bangen um ihre Einlagen, weil der Staat Island droht, nicht aus der eigentlich zuständigen isländischen Einlagensicherung zu zahlen. In der großen Sorge um das eigene Ersparte differenzieren die Menschen offenbar nicht mehr danach, welcher Einlagenschutz hinter welchem Institut steht. Der für die Akbank zuständige niederländische Einlagenschutz wurde zuletzt auf 100 000 Euro aufgestockt, der dahinter stehende EU-Staat ist in keinster Weise vergleichbar mit dem kleinen, bankrotten Island. "Die Erhöhung des Einlagenschutzes werde von Anlegern nicht beachtet", sagt die Akbank-Vertreterin.

Auch zahlreiche Direktbanken verlieren Gelder, wie es am Markt heißt. Am ehesten vertrauen die Sparer offenbar noch heimischen Geldhäusern, sagt Thomas Bieler, Leiter Finanzberatung bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Besonders die Sparkassen mit ihrem mehrstufigen Einlagenschutz scheinen die Menschen zu überzeugen und nutzen dies zum Teil bereits zu Werbezwecken. Doch nur etwa die Hälfte der Milliarden-Zuflüsse sind alte Spareinlagen. Beim Rest handelt es sich Marktkreisen zufolge um Erlöse aus dem Verkauf von Wertpapieren. Auch private Banken profitieren. "Jede Woche gewinnen wir in Deutschland zurzeit rund 11 000 neue Kunden", sagt Commerzbank-Privatkundenvorstand Achim Kassow. "Seit Beginn der Finanzmarktkrise haben wir über 26 Mrd. Euro an Kundeneinlagen eingesammelt." Ein Fünftel davon alleine im dritten Quartal. Die HVB kam in den vergangenen vier Wochen auf rund 400 Mio. Euro.

Bei einer rationalen Betrachtung des Kontensparens besteht kaum Anlass zur Sorge. Durch die Staatsgarantie der Bundesregierung seien die Einlagen bei Geldinstituten, die einem deutschen Einlagensicherungsfonds angehören, quasi so sicher wie Staatsanleihen, sagt Bieler. Das gilt auch für einige ausländische Banken wie die indische ICICI Bank, die Mitglied im Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken ist. Der Verbraucherschützer rät denn auch davon ab, Geld von ausländischen Häusern mit begrenztem Einlagenschutz solider EU-Staaten abzuziehen. "Wer nicht mehr als die geschützte Summe bei einer Bank anlegt, die in Luxemburg, den Niederlanden oder Österreich abgesichert ist, braucht sich keine Sorgen zu machen", sagt er (siehe "Sichere Sache: Fest- und Tagesgeldkonditionen). Das Beispiel Kaupthing lehre zu schauen, welcher Staat hinter einer Bank stehe.

Anleger machten daher nichts falsch, wenn sie eines dieser Top-Angebote bei Tages- oder Festgeld mit deutlich über fünf Prozent Zinsen im Jahr auswählten, sagt auch Sigrid Herbst vom Finanzdienstleister FMH.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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