Hohe Zinsen als Köder
Grauer Markt lockt kleine Sparer

In den vergangenen fünf Jahren haben deutsche Sparer nach Berechnungen von Anlegerschützern 250 Mrd. Euro auf dem Grauen Kapitalmarkt verloren.

BERLIN. „Dies sind zehn Prozent des Nettogeldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland“, sagte der Chef des Instituts für Anlegerschutz (DIAS), Volker Pietsch, in Berlin. Der Erfolg der „grauen“ Kapitalmarktprodukte mit oft unrealistisch hohen Renditeversprechen sei nur möglich, weil quer durch alle Schichten der Bevölkerung Kenntnisse das Wissen über Geldanlage fehle. Hinzu komme das niedrige Zinsniveau bei normalen Anlageformen.

„Viele Anleger empfinden die niedrigen Zinsen als äußerst unbefriedigend“, sagte Pietsch. Die Sparer seien deshalb für falsche Versprechungen empfänglich. Ausgeweitet hat sich der Kreis der Opfer. Während früher Gutverdiener durch Steuersparmodelle um ihr Vermögen gebracht worden seien, sprächen unseriöse Firmen heute alle Schichten an, sagte Pietsch. Denn viele Bürger suchten lukrative Angebote für ihre Altersvorsorge.

Die neueste Masche sind nach Beobachtung der Anlegerschützer zweifelhafte, nicht börsennotierte Unternehmensanleihen. Sie würden unter Bezeichnungen wie Order- oder Inhaberschuldverschreibung, Anleiheobligation sowie Privatdarlehen oder Kapitalanleihe angeboten. Die Verkäufer locken mit hohen Zinsen aus Investitionen in Sachanlagen wie Solarparks, Immobilien oder Kunstobjekten. Den meisten Anlegern sei nicht bewusst, dass sie damit unbekannten Firmen Kredite mit hohem Risiko gewährten, erklärte das Institut.

In diesem Jahr hat es nach Angaben des Instituts eine nie gekannte Serie von Firmenzusammenbrüchen auf dem grauen Kapitalmarkt gegeben, bei denen Anleger mehr als eine halbe Milliarde Euro einbüßten. Neun Anbieter führt das Institut auf einer Warnliste auf, die auf der Internetseite der Verbraucherschützer veröffentlicht wird. (» www.dias-ev.de). „Sicherheitsorientierte Anleger sollten einen weiten Bogen um diese Firmen machen“, rät Pietsch.

Anlegerschützer fordern besseren gesetzlichen Schutz der Sparer. „Wir brauchen eine Verstärkung der Markttransparenz“, sagte Jürgen Kessler, Professor an der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. Die Bundesaufsicht BaFin prüft derzeit nur formale Kriterien, nicht aber, ob die Versprechen stimmig sind. Das Risiko müsse leichter erkennbar sein, so Kessler. Er plädiert für die Einteilung der Anlageofferten in Risikoklassen. Zudem müssten die Anbieter ihre Verwaltungs- und Vertriebskosten offen legen. Auch müsse der Umgang mit Geld mehr an den Schulen gelehrt werden.

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