Hummler im Interview

„Anleger sollten sich gegen einen Crash absichern“

Wer sein Geld in Staatsanleihen anlegt, ist auf der sicheren Seite. Das war früher einmal - doch seit der Finanzkrise gilt das nicht mehr. Dem Anleihemarkt droht ein Crash, befürchtet der Schweizer Privatbankier Konrad Hummler. Vor allem die Lage in den USA bereitet ihm Sorgen. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er, wie Anleger ihr Portfolio umschichten sollten.
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Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber von Wegelin & Co. Privatbankiers, warnt vor "Verzerrungen im System". Quelle: Reuters

Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber von Wegelin & Co. Privatbankiers, warnt vor "Verzerrungen im System".

(Foto: Reuters)

Die US-Notenbank kauft Staatsanleihen auf und pumpt damit noch mehr Liquidität in die Märkte. Beunruhigt Sie das?

Konrad Hummler: Die Fed glaubt, dass sie auf diese Weise den Konsum anregen kann. Aber das wird nicht gelingen. Das Unbehagen der Bürger ist so groß, dass sie ihr Geld lieber sparen, als es auszugeben, selbst wenn es dafür kaum Zinsen gibt. Die negativen Folgen dieser Politik sind weit größer als der stimulierende Effekt.

Was sind die Folgen?

Das Bedrohlichste ist aus meiner Sicht, dass sich unter Berücksichtigung von Quantitative Easing 2 beinahe die Hälfte der ausstehenden amerikanischen Staatsschulden in der Hand der US-Notenbank oder von staatsnahen Agenturen befindet. Der Schuldner ist gleichzeitig auch Gläubiger. Das führt zu großen Verzerrungen im System.

Halten Sie einen Crash am Anleihemarkt für möglich?

Niemand weiß, was die Schulden der Amerikaner in Wahrheit wert sind. Es ist gut möglich, dass es eines Tages zu einer großen Wertberichtigung kommt. Die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe darf nicht unterschätzt werden.

Das klingt beunruhigend. Ihre Kunden werden das nicht gerne hören.

Die meisten wollen nur, dass ihr Geld sicher ist. Viele halten unglaubliche Mengen an Cash - aus Ratlosigkeit, weil sie nicht wissen wohin damit.

Was sollten Anleger tun?

Sie sollten Vorkehrungen für den Fall eines Anleihecrashs treffen. Wenn Sie damit rechnen, dass ihr Haus in den nächsten zwei Jahren abbrennt, dann werden Sie eine Feuerversicherung abschließen.

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7 Kommentare zu "Hummler im Interview: „Anleger sollten sich gegen einen Crash absichern“"

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  • Churchill - Hitler
    Thatcher - Kohl
    Cameron - Merkel

    Compare the comtemporaries.

    Na, wer hat jeweils für das Land am meisten erreicht?

    @SayTheTruth
    Stimme ihnen vollkommen zu. Habe einen Teil meiner Franken in GbP angelegt und auch eine Direktinvestition zu günstigen Konditionen abgeschlossen. Die Fluchtwährung CHF wird wieder auf Normalniveau zu GbP kommen. Und UK mit seiner gesunden bevölkerungsentwicklung performt sicher besser als ein überalterndes Deutschland.

    Der Vorteil einer eigenen Währung, die nicht noch andere Volkswirtschaften, berücksichtigen muss, ist nicht zu unterschätzen. Cameron macht einen guten Job.

  • Der "Rettungsschirm" ist zunächst einmal nichts anderes, als das Gestatten eines bruchs der grundsätzlichen Vereinbarungen. Es ist nichts als koordinierte Umbuchungen; kein Versteigern staatlicher Schuldpapiere mehr, sondern nun ein Verteilen der Schuldpapiere auf die Länder, die es wünschen.
    Sie müssen nicht; sie dürfen eigentlich nicht - nun aber wünschen sie es sich alle plötzlich.

  • Wer glaubt, daß die Gesetze einer gesunden Haushaltsführung noch lange unberücksichtigt bleiben können, irrt sich. Die Gerüchte, daß der "Rettungschirm" in Anspruch genommen werden könnte - von wem auch immer - hat den Euro deutlich in bewegung gebracht. Keiner fragt, was dann passoert, wenn der "Rettungsschirm" aufgebraucht sein wird, schon jetzt nimmt das Käuferpotential von Staatsanleihen ab. 2012 wrid ein interssantes Jahr...

  • zu "Great britain"
    Allein die Zusammensetzung des biP ist ein Traum.
    Oder eher traumatisch ?
    10% aus der industrie aber lockere 20% aus der Finanzindustrie (Wo kommt eigentlich das Wort her - LACH).
    gegenüber D hat die insel ein Handeldefizit von ca. 500 Mrd. Euro.
    Ob. D überhaupt noch durchsieht wo die Kohle ist ?
    Die briten sind bilanztechnisch mausetot.
    Aber Miterfinder der Geldschöfung aus dem NiCHTS.

  • Gold ist (noch) verdammt billig.

  • [1] SayTheTruth
    Tja wenn heute der 1.April wäre, dann könnte ich ihren Kommentar einigermaßen zuordnen.
    Vielleicht hilft ihnen Literatur aus der Wirtschaftspresse weiter:

    "Die Totenglocke wird geläutet"
    http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,681591,00.html

    Der Schuldenmeister Europas sitzt nicht in Athen, sondern in London.
    Den Tomys geht es noch schlechter, als den PiiGS zusammen. Das Weltfinanzbetrugssystem wurde in der Londoner City erfunden.
    in den vergangenen zwölf Monaten hat die bank von England schon 200 Milliarden Pfund auf den Markt geworfen, weil sie mit ihrem auf 0,5 Prozent gesenkten Leitzins nicht mehr weiterkam, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Der Großteil des frischen Geldes ging direkt in den Aufkauf neuer Staatsschulden, die so schnell wuchsen wie in keinem anderen großen industrieland. Die britische Staatsverschuldung sei mindestens so dramatisch wie die griechische.

    Dies geschieht alles im stillen Kämmerlein, nicht in der Weltöffentlichkeit.

  • ich denke das britische Pfund (GbP) ist als eigenständige Währung mit einer anpackenden konservativen Regierung die beste Wahl nach dem Schweizer Franken, der schon mittlerweile zu hoch gestiegen ist.
    Das GbP kommt bestimmt wieder zurück zu alter Stärke, wie vor 2008 !!

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