HVB-Experte Stefan Kolek im Interview: Nachgefragt: "Ökonomische Risiken sind gering"

HVB-Experte Stefan Kolek im Interview
Nachgefragt: "Ökonomische Risiken sind gering"

Die Wachstumsaussichten in Mittelosteuropa sind gut, die Währungen haben Aufwärtspotenzial, meint Stefan Kolek, Stratege für Emerging Markets bei der Hypo-Vereinsbank.

Seit dem Euro-Beitritt haben Anleger, die Anleihen der großen mittelosteuropäischen Länder halten, zum Teil deutliche Währungsgewinne eingefahren. Können sie auch in Zukunft damit rechnen?

Die kurze Antwort ist "ja". Die Wachstumsaussichten für die betreffenden Volkswirtschaften sind gut, der Konvergenzprozess dürfte weiter vorankommen. Mit Ausnahme von Ungarn sind die Leistungsbilanzdefizite moderat und sehr solide durch ausländische Direktinvestitionen finanziert. Positiv ist auch, dass die Zinsaufschläge für Fremdwährungsanleihen der Emerging Markets stark geschrumpft sind.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Währungskurse wieder den Rückwärtsgang einlegen?

Die ökonomischen Risiken in den mittelosteuropäischen Ländern sind relativ gering, Daher dürften die Investoren auf der Suche nach Rendite zunehmend bereit sein, Währungsrisiken einzugehen und in Lokalwährung zu investieren. Das würde die Wechselkurse tendenziell nach oben treiben.

Welche Währungen haben das größte Aufwärtspotenzial unter den größeren Beitrittsländern?

Die tschechische und die slowakische Krone sind für uns die primären Aufwertungskandidaten. Aber auch die Aussichten für den polnischen Zloty sind gut.

Vom ungarischen Forint sollte man also besser die Finger lassen?

In der Tat hat sich Ungarn von einem Musterschüler zu einem Konvergenznachzügler gewandelt. Die Defizite im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz sind hier besonders hoch. Nur ein geringer Teil des Leistungsbilanzdefizits ist über Direktinvestitionen finanziert. Das macht Ungarns Währung abhängig von kurzfristigen und notorisch volatilen Kapitalzuflüssen. Der Forint ist daher besonders anfällig für stärkere Kursschwankungen, auch nach unten.

Gibt es unter den kleinen Währungen in Mittelosteuropa interessante Kandidaten?

Durchaus. In Rumänien wird demnächst der Geldmarkt für ausländische Anleger geöffnet. Diesen winken dort noch zweistellige Zinsen im kurzen Laufzeitbereich. Aufgrund dieser attraktiven Situation besteht die Aussicht, dass Anlagemittel aus dem Ausland angezogen werden und die Landeswährung Lei dadurch beträchtlichen Auftrieb erhält.

Die Fragen stellte Norbert Häring.

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