Hypothekenkrise Anleger retten sich ins Gold

In einer fulminanten Rally ist der Goldpreis aus seiner bisherigen Handelsspanne nach oben ausgebrochen. Doch das Edelmetall profitiert nicht nur vom steigenden Dollar. Im Zusammenhang mit der Hypothekenkrise in den USA gilt Gold als sicherer Hafen. Und inzwischen gibt es neue Anlageinstrumente, die Anlegern direkte Investitionen in das Edelmetall ermöglichen.
  • W. Drechsler und R. Palm
Goldbarren: Anleger müssen das Edelmetall nicht unbedingt physisch kaufen. Foto: dpa

Goldbarren: Anleger müssen das Edelmetall nicht unbedingt physisch kaufen. Foto: dpa

KAPSTADT / DÜSSELDORF. In London kostete Gold am gestrigen Montag rund 705 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). In Marktkreisen wird nun zunächst mit einem Test des 27-Jahreshochs von 730 Dollar gerechnet; diesen Stand hatte das Edelmetall im Mai 2006 erreicht. Erste Experten sehen den Preis aber bereits bei 800 Dollar. Noch Mitte August war Gold weniger als 650 Dollar wert.

Ausgelöst wurde der Preissprung durch mehrere Faktoren. Besonders profitiert Gold zurzeit von der Abschwächung des US-Dollars. Traditionell bewegen sich die Kurse von Dollar und Gold entgegengesetzt. Die US-Währung war schon am Freitag durch unerwartet schlechte Arbeitsmarktdaten unter Druck geraten; es war der erste Rückgang der Beschäftigung in den USA seit Oktober 2003.

„Interessant dürften jetzt die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA am Donnerstag werden“, meint Mark Augustynak, Edelmetallhändler bei Natixis in London. Zudem stünden am Freitag mit Daten zur Industrieproduktion, zu den Einzelhandelsumsätzen und zum Verbrauchervertrauen weitere wichtige US-Wirtschaftsindikatoren an. Diese Daten könnten den Dollar weiter unter Druck bringen. „Der starke Verlust des US-Dollars gegenüber den wichtigsten Leitwährungen gab dem Goldpreis den entscheidenden Schub, um die 700-Dollar-Marke zu überwinden“, unterstreicht auch Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank.

„In Verbindung mit einem sehr festen Ölpreis hat dies auf dem Goldmarkt massive Käufe ausgelöst“, hat Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von der Heraeus Metallhandelsgesellschaft beobachtet. Damit wird Gold einmal mehr seiner Rolle als „sicherer Hafen“ gerecht. Denn die hohen Rohölnotierungen schürten Sorgen über die Inflation. Dies wiederum ist positiv für Gold, da es als Absicherungsinstrument gegen Inflation gilt.

Als sicherer Hafen gilt Gold zudem im Zusammenhang mit der Hypothekenkrise in den USA. „Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben zu einer Umschichtung in Staatsanleihen und Edelmetalle geführt“, kommentiert Eberhardt Unger vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch die Entwicklung. Er sieht als nächstes Preisziel nun die Marke von 800 Dollar je Feinunze.

Wegen der Verunsicherung vieler Investoren im Zuge der Subprime-Krise und dem damit einhergehenden Rückschlag an den Börsen suchen private wie institutionelle Anleger nach mehr Sicherheit. So gibt es immer mehr Fonds, die einen Teil ihrer Anlagegelder in den Goldmarkt überführen. Unterstützt wird dieser Trend dadurch, dass für Engagements in Edelmetallen – allen voran für Gold – inzwischen neue Anlageinstrumente zur Verfügung stehen, etwa die populären Exchange Traded Funds (ETF). Sie erlauben auch Privatanlegern eine direkte Investition in das Edelmetall. „Die Chancen, dass Gold aus der gegenwärtigen Krise als Sieger hervorgeht, sind deshalb hoch“, glaubt Markus Bachmann vom Craton Capital Precious Metal Fund in Johannesburg. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund fallender amerikanischer Realzinsen.

Auch Weinberg rechnet mit steigenden Notierungen: „Die Aufwärtsdynamik ist derzeit so stark, dass weitere starke Preisschübe wahrscheinlich sind.“ Dies gelte nicht zuletzt, weil das „Interesse kurzfristig orientierter Spekulanten geweckt“ worden sei. Marktkreisen zufolge hat am Montag vor allem eine starke, zum Teil spekulative Nachfrage asiatischer Investoren den Preis gestützt.

Es fehlt daher auch nicht an warnenden Stimmen. „Der Handel ist sehr nervös und schwankungsanfällig“, sagt Natixis-Experte Augustynak. Dies habe sich allein am Freitag in einer Schwankungsbreite der Notierungen von 16 Dollar gezeigt. Mit einiger Vorsicht sieht er zudem die Geschwindigkeit des Preisanstiegs. „In der letzten Woche wurde Gold gekauft, als gäbe es in dieser Woche keines mehr“. Natixis rechnet für Gold in Verbindung mit einem weiter gedrückten Dollar bis zum Jahresende mit Spitzenpreisen von 725 Dollar.

Auch der kanadische Goldspezialist Martin Murenbeeld ist vorsichtig optimistisch. Er hat den Preis für Gold in den letzten Jahren gleich dreimal hintereinander zielsicher vorausgesagt. Für das laufende Jahr prophezeit er nun einen durchschnittlichen Goldpreis von 680 Dollar. Eine zentrale Annahme ist auch für seine Prognose, dass der Dollar an Wert verliert.

Laut Murenbeeld ist Gold aber trotz seiner Sonderstellung unter den Metallen auch Teil des allgemeinen Rohstoffbooms, der noch anhalten werde. „Eine historische Analyse des Goldpreises zeigt, dass die Mindestdauer eines Goldbooms bei zehn Jahren liegt. Wir sind derzeit im siebten Jahr einer Aufwärtsbewegung – und ich denke, dass dieser Zyklus noch nicht vorüber ist“, sagt Murenbeeld.

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