Im Gespräch mit "Rohstoff-Guru" James Rogers
„Das ist nur eine Korrektur“

James Rogers war Pionier bei Rohstoffanlagen und hat einen eigenen Rohstoffindex aufgelegt. Mit dem Handelsblatt sprach er über die steigenden Rohstoffpreise und die soe bedingende Faktoren.

Herr Rogers, die Rohstoffpreise fallen seit einigen Monaten drastisch. Stephen Roach, der bekannte Ökonom von Morgan Stanley, hat schon das Ende der Hausse ausgerufen. Wie sehen Sie die Situation?

Manche Ökonomen konnten vor einigen Jahren das Wort Rohstoffe noch nicht einmal buchstabieren. Deshalb haben sie die Hausse verschlafen. Was soll man von solchen Prognostikern halten? Diese Frage mag jeder selbst beantworten. Natürlich bewegen sich Commodities nicht in einer Einbahnstraße nach oben. Das gilt für alle Kapitalmärkte. Wir erleben eine gesunde Korrektur.

Wäre Absturz nicht das bessere Wort, wenn viele Rohstoffpreise seit dem Frühjahr um ein Viertel gefallen sind?

Das ist doch kein Absturz! Der Goldpreis versiebenfachte sich in den 70er Jahren, fiel dann um 50 Prozent, um sich anschließend fast zu verzehnfachen – es ist alles im grünen Bereich. In den letzten 200 Jahren gab es mehrere große Aufschwünge, die zwischen 15 und 23 Jahren dauerten. Selbst von den 15 Jahren haben wir noch nicht einmal die Hälfte der Strecke hinter uns. Von einer Blase, wie das die Herren Roach und Co glauben, kann also wirklich keine Rede sein. Ich habe noch keine Blase erlebt die geplatzt ist zu einem Zeitpunkt, als die Preise noch 90 Prozent unter ihrem All-Time-High lagen – inflationsbereinigt. Genau da befinden wir uns jetzt bei Commodities. Selbst zu nominalen Werten liegen Agrarprodukte wie Zucker, Baumwolle, Mais 50 bis 70 Prozent unter ihren historischen Höchstständen.

Es gibt noch ein Bärenargument: Die Flut an neuen Rohstoff-Anlageprodukten. Ist das nicht ein prozyklisches Signal?

Von einer Flut kann keine Rede sein. Es kamen weit mehr neue Aktien oder auch börsengehandelte Indexfonds an den Markt als Rohstoffanlageprodukte. Das Gros dieser Art von Produkten wird erst noch kommen.

Wer soll die alle kaufen?

Vor 35 Jahren wussten viele Verbraucher – gerade in Deutschland – nichts von Investmentfonds oder von Aktien. Wie wir alle wissen, hat sich das mit der Wertpapierhausse über zwei Dekaden langsam geändert hat. Das gleiche werden wir bei den Rohstoffen erleben. Rohstoffe bewegen sich meist entgegengesetzt zu Wertpapieren. Das haben wir in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder erlebt. Heute haben die Anleihemärkte ein langfristiges Top ausgebildet. Bonds werden tendenziell fallen. Aktien in den westlichen Industrieländern sind in jeder Hinsicht teuer, egal ob man Kurs-Gewinn-Verhältnisse, Dividendenrenditen oder andere Bewertungszahlen betrachtet. Sie werden sich höchstens seitwärts bewegen, ähnlich wie in den sechziger und siebziger Jahren.

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