Im Sechs Fragen an: Klaus Wellershof
„Meilenweit von Rezession entfernt“

Klaus Wellershof ist Chefökonom der Schweizer Großbank UBS. Im Handsblatt-Interview spricht er über die aktuelle Börsenkrise und warum sie nicht mehr als nur ein Ausrutscher ist.

Stecken die Aktienmärkte in einer Dauerkrise, oder ist es nur ein Ausrutscher?

Analysten sind immer schlecht im Vorhersagen von Rezessionen. Deswegen ist natürlich Vorsicht angebracht. Ich glaube aber, das Glas ist nicht halb leer, sondern mindestens drei Viertel voll. Das letzte Drittel der Aktienrally steht uns noch bevor. Wir sind meilenweit von einer Rezession entfernt.

Wieso?

Erstens, weil die Unternehmensgewinne stärker als die Aktienkurse gestiegen sind. Und zweitens, weil ich die Unsicherheit über die Entwicklung in den USA für einen überschätzten Faktor halte. Die USA tragen nur ein Fünftel zum Wachstum der Weltwirtschaft bei, Asien und Europa jeweils ein Drittel. Und hier sehe ich nach wie vor eine stabile Konjunktur.

Warum hat die Börsenkrise dann in Asien begonnen?

Internationale Investoren beobachten nicht einzelne Märkte, sondern die ganze Welt. Wenn dann auf einem einzelnen Markt ein mittleres Beben stattfindet, hat das eben Auswirkungen auf das Risikobewusstsein der Anleger.

Und das ist geschärft wegen der Zahlen aus den USA . . .

. . . ja, es ist natürlich alarmierend, wenn der Wohnbau praktisch zusammenbricht. Das zieht die Immobilienpreise nach unten und kann auf den Konsum drücken. Solange Beobachter dann nicht den Eindruck haben, dass die US-Notenbank durch eine expansivere Geldpolitik gegensteuert, scheint vielen die Weltwirtschaft verletzlich.

Rechnen Sie mit einer Änderung der Zinspolitik?

Wir erwarten, dass die Notenbanken der Industrienationen vorsichtiger in ihrer Gangart und vielleicht in Richtung Expansion der Geldpolitik umschalten werden.

Der Mechanismus ist immer gleich: Alle reden vom Abschwung, dann kommt er und Beobachter sagen: Eigentlich ist er nicht gerechtfertigt. . .

. . . stimmt. Das Problem ist, dass unsere Analyseinstrumente zwar nicht schlecht sind. Wir wissen zum Beispiel genau, wann Märkte überbewertet sind. Daraus aber zu schließen, dass jetzt eine Abwertung folgt, ist viel schwieriger.

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