Im Sog der Bankenkrise
Fondsmanager taktieren mit Aktien

Fondsmanager und Vermögensverwalter stellen sich nach den heftigen Kursschwankungen der letzten Tage auf einen Paradigmenwechsel ein: Traditionelle Fundamentaldaten wie Bewertungen, Gewinnprognosen oder Dividendenrenditen treten für eine ganze Weile in den Hintergrund. Vor allem Kurse auf Panikniveau reizen derzeit zu Käufen.

FRANKFURT. Statt den traditionellen Fundamentaldaten werden volkswirtschaftliche Kennzahlen und der hohe Cash-Bedarf etlicher Finanzinstitute wohl noch einige Wochen dazu führen, dass hohe Tagesschwankungen zum gewohnten Bild gehören. So wie am Donnerstag: Nach dem Kurssturz vom Vorabend an der Wall Street verlor der Deutsche Aktienindex (Dax) gleich zu Handelsbeginn knapp sieben Prozent, hatte diesen Verlust zwei Stunde später auf weniger als zwei Prozent reduziert, um dann am Nachmittag ins Plus zu drehen.

Eine Analyse der Lage erschwert nach Ansicht der Experten die einmalige Verquickung dreier Faktoren: Auf der einen Seite stehen die Angst vor einer wie auch immer gearteten Rezession und die Finanzkrise mit nur allerersten Anzeichen auf Stabilisierung. Auf der anderen Seite locken extrem günstige Bewertungen und Dividendenrenditen über dem Niveau von Staatsanleihen.

Die großen Fondshäuser und Vermögensverwalter haben für solche Tage ihre eigene Strategie. Sie gehen oftmals mit sehr niedrigen Kauforders an den Markt und hoffen darauf, damit in einem sehr günstigen Moment zum Zug zu kommen. Frei nach der alten Handelsweisheit, dass der Profit im Einkauf liegt, versuchen viele Fondsmanager ihre Bestände zu "verbilligen". Das heißt, sie fügen den in früheren Phasen teuer gekauften Aktien jetzt die gleichen Papiere für weitaus weniger Geld hinzu. Das alles in der Hoffnung, bei wieder anziehenden Märkten das zwischenzeitliche Minus schneller ausgleichen zu können.

Man kaufe im Moment vorsichtig und nur sehr selektiv, hieß es in den letzten Tagen beispielsweise bei Allianz Global Investors (AGI) und der DWS. Bei der DWS hat man bereits Ende vergangener Woche den extremen Kursrutsch zum Kauf genutzt, andere Gesellschaften haben in dieser Woche nachgezogen.

Kurios dabei: Nahezu alle großen deutschen Fonds gingen in den letzten Tagen dazu über, Aktien in ihren Portfolios überzugewichten. Grund dafür sind die immensen kurzfristigen Chancen, die die aktuellen Marktschwankungen mit sich bringen. Victor Moftakhar, Leiter der Aktienfonds bei der zu den Sparkassen gehörenden Deka, spricht offen von einem taktischen Übergewicht. Da die Marktschwankungen aber extrem sind, kann sich das auch rasch wieder ändern. Gleichwohl ist er sich sicher, dass die Unsicherheit solange bestehen bleiben wird, bis erkennbar sei, wie stark und anhaltend der globale Wirtschaftsabschwung infolge der Finanzkrise ausfallen wird.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken ab. Max Holzer, Leiter der Asset Allocation dort, rät ebenfalls zum leichten übergewichten von Aktien, um die sehr günstigen Bewertungen derzeit auszunutzen. Hintergedanke ist dabei, wie bei seinen Kollegen, die Hoffnung auf eine baldige Stabilisierung der Finanzsysteme durch das Engagement der Regierungen und Notenbanken. Auf nachhaltige Impulse von Konjunkturseite zu setzen, halten die Experten indes noch für allzu vermessen.

Das Hauptaugenmerk der Anlageexperten gilt im Moment dem Kreditmarkt unter den Banken. "Wenn der wieder in Fahrt kommt, könnte das für die Aktienmärkte einen dauerhaften Boden bedeuten", sagt Bob Doll, Investmentchef des Vermögensverwalters Blackrock. Damit rechnet er allerdings eher Mitte 2009, als schon im vierten Quartal dieses Jahres. Die Anleger sollten sich seiner Ansicht nach deshalb vorsichtig dem Aktienmarkt annähern.

Zwei Gruppen von Aktien erscheinen den Experten dabei besonders interessant: Zum einen Titel, die in den vergangenen Wochen und Monaten stark - ihrer Ansicht nach zu stark - gelitten haben. Zum anderen die Titel, die dem allgemeinen Abwärtstrend wohl weitgehend entrinnen können. In der Summe bedeutet das, dass die Anleger jetzt auf Marktschwergewichte und auf Wachstumstitel setzen sollten. Finanzaktien zählen da trotz heftiger Verluste noch immer nicht dazu. "Wir glauben nicht, dass für die Finanzwerte das Schlimmste schon vorüber ist", sagt Bob Doll. In einem sind sich die Experten ebenfalls sicher: In der jetzigen Phase lässt sich an der Börse trotz riesiger Verluste auch sehr viel Geld verdienen. Davon wollen sie ein Stück abhaben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%