Immobilien laufen Lebensversicherungen als beliebteste Anlageform den Rang ab
Bundesbürger meiden Anlageform Aktie

Die Aktie sinkt in der Gunst der Anleger immer weiter. Nur noch jeder zehnte Bundesbürger hält diese Anlageform für eine gute Geldanlage. Das bedeutet im Vergleich zu 2003 eine Verschlechterung um zwei Prozentpunkte. Das ermittelte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

BERLIN/DÜSSELDORF. Selbst unter Anlegern, die mit der Aktienanlage gut vertraut sind, genießen Dividendenpapiere derzeit einen schlechten Ruf: Nach einer aktuellen Sentix-Umfrage bei 1 500 Investoren ist ihre Aktienquote auf 36 Prozent gefallen. So niedrig war das Niveau zuletzt während des Irak-Konflikts, als der Dax auf 2 200 Punkte abgestürzt war.

Waren im Jahr 2000, als der Technologieboom den Dax auf über 8 000 Punkte getrieben hatte, noch 31 Prozent der Deutschen Aktionäre, sind es laut Ausweis des gestern vom DSGV vorgestellten Vermögensbarometers 2004 nur noch 26 Prozent. Unverändert ist das Interesse der Bundesbürger hingegen an Investmentfonds. Konstant 17 bzw. acht Prozent halten diese Anlageform für ideal. Die selbst genutzte Immobilie halten Bundesbürger allerdings am besten dafür geeignet, das Vermögen zu mehren. So urteilten 48 Prozent der Befragten, was einen Anstieg um fünf Prozentpunkte darstellt. Damit wurde die Lebensversicherung an der Spitze der Wertschätzung abgelöst. Wohnten zur Jahrtausendwende lediglich 39 Prozent der Bundesbürger in einer eigenen Immobilie, so stieg der Anteil bis 2004 auf 49 Prozent an.

Werden die Bundesbürger nach bereits realisierten Maßnahmen zur Verbesserung der Vermögenssituation befragt, schließen mit 66 Prozent Lebensversicherungen immer noch am besten ab. „Der Spitzenreiter der Vorsorgemaßnahmen, die Lebensversicherung, verliert aber bereits moderat an Akzeptanz“, urteilt DSGV-Vorstandsmitglied Christoph Schulz. Bei der Frage, welche Vorsorge geplant sei, belegt die Lebensversicherung mit neun Prozent nur einen der hinteren Plätze. Begründet wird dies auch mit dem teilweisen Wegfall des Steuerprivilegs für Versicherungen.

Unisono rechnen die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen- Finanzgruppe in Deutschland mit einem moderaten Anstieg der Sparquote. Sie beträgt derzeit elf Prozent nach 10,8 im Vorjahr. Vehement wandte sich DSGV-Präsident Dietrich Hoppenstedt allerdings dagegen, die Sparanstrengungen als Konjunkturbremse oder als „Angstsparen“ zu bezeichnen. Zum Vergleich: In den USA fiel die ohnehin geringe Sparquote zuletzt auf 0,9 Prozent. „Allein zur Deckung der Versorgungslücke im Alter ist eine Sparleistung von rund zehn Prozent des monatlichen Nettoeinkommens erforderlich“, sagte Hoppenstedt. Die Sparneigung der privaten Haushalte in Deutschland sei im europäischen Vergleich weder außergewöhnlich hoch, noch sei sie in der Vergangenheit deutlich niedriger gewesen. Anfang der 90er-Jahre lag die Sparquote in Deutschland bei 13 Prozent, ohne dass eine Nachfrageschwäche zu verzeichnen gewesen wäre.

Laut Ausweis des Vermögensbarometers schauen immer mehr Menschen skeptisch in die Zukunft. Rechneten 2003 noch 29 Prozent der Befragten mit einer Verschlechterung ihrer finanziellen Situation, so stieg der Anteil jetzt auf 31 Prozent. Fast jeder zweite schränkte in den vergangenen zwölf Monaten seinen Konsum ein.

Die Ursachen für den gestiegenen Pessimismus und die Abkehr von der Aktie sind vielfältig. Aktuell tragen der steigende Ölpreis und die Existenzkrisen bei Opel und Karstadt-Quelle zur Suche nach Sicherheit bei. So ermittelte die Sentix-Umfrage des Frankfurter Investmentstrategen Manfred Hübner, dass besonders Privatanleger Kurse bei 4 000 Dax-Punkten genutzt haben, um die „riskante Anlage Aktie“ zu reduzieren. Wöchentlich werden im Internet institutionelle und private Anleger zu Geldanlagethemen befragt.

Dabei zeigt sich, dass die Abneigung gegenüber Aktien seit Jahresanfang kontinuierlich gestiegen ist. Inzwischen ist ein Niveau erreicht, das es zuletzt während des Irak-Konflikts im März 2003 gab. Damals hatten Panikverkäufe privater und institutioneller Anleger die Börsen weltweit auf mehrjährige Tiefstände gedrückt. Davon ist die Stimmung jetzt weit entfernt. Die Sentix-Umfrage sagt auch aus, dass Fondsmanager und Vermögensverwalter in den letzten vier Wochen die schlechten Börsen dazu nutzten, Aktienpositionen aufzubauen.

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