In Argentinien ist für weitere entwicklung auch der politische Faktor entscheidend
Boom an Südamerikas Börsen hält an

Analysten erwarten in Brasilien und Argentinien trotz rasanter Kursgewinne weitere Zuwächse. Sie setzen vor allem auf Unternehmen, die von der Erholung der Binnenkonjunktur profitieren dürften.

SÃO PAULO/BUENOS AIRES. Die Analysten in Brasilien sind vorsichtig geworden. Der Grund: Seit Oktober schlägt der Aktienindex Ibovespa fast im Wochenrhythmus ihre Prognosen. „Selbst die chronischen Optimisten sind von der Börse weit übertroffen worden“, stellt die Wirtschaftszeitung „Valor Economico“ fest. In Dollar legte der Index in diesem Jahr bereits rund 122 % zu. Im benachbarten Argentinien ist das ähnlich: In Buenos Aires gewann der Merval-Aktienindex dieses Jahr in Dollar etwa 140 %. An beiden Börsen überschritten die Kursbarometer damit die historische Punktmarken von 1000 (Merval) bzw. 20 000 (Ibovespa). Trotz der erstaunlichen Erholung sind die „Rekorde“ in Dollar gemessen jedoch noch weit von den Höchstständen der Vergangenheit entfernt: In Argentinien hat die Börse heute etwa ein Drittel des Wertes vom Höchststand im Juni 1992, als der Peso noch 1:1 an den Dollar gekoppelt war. Auch in Brasilien hat die Börse erst rund die Hälfte des Wertes von 1997 erreicht, als der Real fast einen Dollar Wert war.

Dennoch rechnen die Analysten in der Region mit weiterem Kurspotenzial. „Solange das Zinsniveau und der Dollar stabil bleiben, wird die Börse moderat weitersteigen“, meint Miguel Daneri von Boston Securities in Buenos Aires. „Konservativ geschätzt dürften die Aktien bis Ende 2004 noch um 15 bis 20 % in Dollar steigen.“ Auch in Brasilien haben die verbesserten Aussichten für das Länderrating durch die Agentur Standard & Poor’s sowie eine verbesserte Schuldensituation der Unternehmen die Aktienkurse steigen lassen. Vor allem ausländische Investoren investieren erstmals seit drei Jahren wieder in São Paulo: Für etwa 2 Mrd. $ haben sie dieses Jahr Aktien bereits gekauft.

Dennoch fällt es den Analysten zunehmend schwer, Aktien mit Kurspotenzial zu entdecken. Denn die Wertsteigerungen im bisherigen Jahresverlauf sind enorm. So legte der größte Chemiekonzern Lateinamerikas, die brasilianische Braskem, um 520% zu, der Stahlherstellern Usiminas um 545 % und dessen argentinischer Konkurrent Acindar um 300 %. Bisher haben die Investoren in beiden Ländern vor allem Exportunternehmen bevorzugt, dann Unternehmen, die ausreichende Kapazität haben, um ohne teure Importe auszukommen. Zudem legten Unternehmen stark zu, die ihre Schulden in den Griff bekamen. Das gilt besonders in Argentinien, wo sechs der 13 Merval-Unternehmen im Verlauf der Krise 2002 ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt hatten. Inzwischen sind noch vier Unternehmen im Zahlungsverzug.

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