In unsicheren Zeiten lassen deutsche Privatinvestoren ausländische Aktien links liegen –Experten warnen vor Herdentrieb
Kleinanleger bevorzugen heimische Werte

In unsicheren Zeiten wendet sich der Mensch gern Vertrautem zu. Das gilt auch für die Geldanlage: Deutsche Privatanleger haben in diesem Jahr verstärkt deutsche Aktien und Aktienfonds geordert, wie Analysten und Absatzstatistiken belegen. Der Rückgriff auf das Bekannte ist zwar verständlich; doch Fachleute warnen, dass dabei die notwendige Risikostreuung zu kurz kommen kann.

FRANKFURT/M. Im Oktober registrierten die nach Fondsabsatz 2003 führenden Fondshäuser, die Deutsche-Bank- Tochter DWS und die genossenschaftliche Union Investment, bei Aktienfonds eine vergleichsweise hohe Nachfrage nach Deutschlandfonds. Bereits seit Januar setzen Aktiensparer vorwiegend auf Deutschlandfonds. Von 1,6 Mrd. Euro an Netto-Zuflüssen bis Ende September blieb nach Angaben des Fondsverbands BVI eine gute Milliarde Euro in Deutschland.

Bei Aktien zeichnen Bankexperten ein ähnliches Bild. „Deutsche Anleger kaufen am liebsten das, was sie kennen und bewerten können“, sagt Silke Tummescheit, Aktienstrategin der Commerzbank. Diese ohnehin ausgeprägte Neigung verstärke sich in unsicheren Zeiten, ergänzt Harald Norbisrath, Vertriebsleiter Privatkunden bei der Frankfurter Sparkasse (Fraspa).

Viele Investoren wollten allerdings auch den fahrenden Zug der Kurserholung nicht verpassen, erklärt Norbisrath weiter. Hat doch der Deutsche Aktienindex (Dax) in diesem Jahr mit knapp einem Viertel deutlich stärker zugelegt hat als etwa der Euro Stoxx 50 mit gut 6 %. Anleger verhielten sich damit erneut prozyklisch, sagt der Fraspa-Mann. Dazu passt, dass auch japanische Aktienfonds gut laufen, seit die Kurse dort massiv klettern.

Trotz der jüngsten Kurserholung hielten viele Anleger deutsche Aktien noch für unterbewertet, sagt auch Tummescheit. Dies vor allem im Vergleich mit US-Titeln, die in der Baisse weniger stark abgerutscht sind. Während der Dow Jones-Index 2001 und 2002 erst 7 % und dann 17 % verlor, brach der Dax in den beiden Jahren 20 % und schließlich weitere 44 % ein. Und trotz der jüngsten Erholung liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dax auf Basis der Gewinnschätzungen für 2003 bei zwölf, was noch niedriger als der historische Durchschnitt von 15 ist. Das durchschnittliche KGV des Dow auf Basis der Gewinne der letzten vier Quartale ist mit 22 klar höher.

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