Index-Manipulation
„Flash-Boy” darf Gefängnis verlassen

Vor fünf Jahren soll er den US-Index Dow Jones zum Absturz gebracht und Millionen eingestrichen haben. Jetzt kann der Händler Navinder Sarao die Untersuchungshaft verlassen. Das Gericht hatte die Kautionssumme gesenkt.
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LondonDer britische Börsenhändler, der 2010 den US-Leitindex Dow Jones zum Absturz gebracht und dabei Gewinne in Millionenhöhe gemacht soll, wird nach fast vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Denn ein Londoner Gericht entschied am Freitag, dass die ursprünglich geforderte Kaution von gut fünf Millionen Pfund (umgerechnet knapp sieben Millionen Euro) deutlich gesenkt wird.

Navinder Sarao muss jetzt nur noch eine Sicherheitsleistung von 50.000 Pfund hinterlegen. Zudem wird sein Vermögen von etwa 30 Millionen Pfund, das er dem Gericht offenlegte und das offenbar größtenteils auf Konten in der Schweiz liegt, eingefroren.

Der 36-Jährige Brite war im April im Haus seiner Eltern in einem Londoner Vorort verhaftet worden. Die US-Justiz wirft ihm Marktmanipulation und Betrug vor. Seine Geschäfte seien der wesentliche Auslöser dafür, dass der US-Leitindex Dow Jones im Mai 2010 so schnell und tief wie nie zuvor abstürzte. Zeitweise wurde durch den „Flashcrash“ bis zu eine Billion Dollar an Börsenwert vernichtet.

Die US-Justiz fordert Saraos Auslieferung. Doch der Brite will das verhindern. Ob er damit durchkommt, wird ein Londoner Gericht voraussichtlich Ende September entscheiden.

Bereits bei der Anhörung über die Kautionsbedingungen am Freitag zeichnete sich teilweise ab, wie seine Verteidiger dann gegen die Auslieferung argumentieren werden. Sie werden wohl darauf verweisen, dass Sarao unter dem Asperger-Syndrom leidet - einer psychischen Entwicklungsstörung, die seine Fähigkeit zu Kommunikation und sozialer Interaktion beeinträchtigt. Dies sei bei einer Voruntersuchung bei Sarao diagnostiziert worden, sagte sein Anwalt am Freitag vor Gericht.

Eine ähnliche Diagnose ist zuletzt auch im Skandal um Zinstricksereien gestellt worden: bei Tom Hayes, einem ehemaligen UBS- und Citibank-Händler. Ein Londoner Gericht verurteilte ihn Anfang August wegen der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor zu 14 Jahren Gefängnis.

Navinder Sarao drohen in den USA bis zu 380 Jahre Gefängnis. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe und beteuert seine Unschuld: Er habe nichts falsch gemacht, er sei einfach nur gut in seinem Job, sagte er bei einem Gerichtsauftritt im Mai, als er zunächst vergeblich für eine niedrigere Kautionssumme kämpfte.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • X_TRADER darf wieder raus?
    Ojeh, dann geht es hier wieder los....

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