Index-Neulinge
Der Fluch des Dax-Aufstiegs

Der Dax ist am deutschen Aktienmarkt das Maß aller Dinge. Für Unternehmen ist die Mitgliedschaft in der Top-Börsenliga ein Ritterschlag. Für Anleger lohnt sich die Wette auf Dax-Kandidaten aber nur, wenn sie die Aktie rechtzeitig vor dem Aufstieg kaufen. Auch die jüngsten Neulinge im deutschen Leitindex machen da keine Ausnahme.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Einmal Dax-Konzern zu sein - für viele Unternehmen ist das ein unerfüllbarer Wunsch. Zwar hat es in den vergangenen Monaten im deutschen Leitindex so viel Bewegung gegeben wie nie zuvor - seit September hat die Börse gleich fünf der 30 Dax-Werte ausgetauscht. Ein Blick auf die Index-Zusammensetzung seit 1988, als der Index erstmals berechnet wurde, zeigt aber, wie elitär der Club der deutschen Top-Werte nach wie vor ist. Insgesamt konnten sich in gut zwei Jahrzehnten gerade einmal 50 Unternehmen mit dem Titel "Dax-Mitglied" schmücken.

Für die Unternehmen ist die Zugehörigkeit zum Dax nicht nur mit einem Imagegewinn verbunden. Auch für Investoren werden sie deutlich interessanter. Weil zahlreiche Fonds, insbesondere passive Indexfonds, den Dax abbilden und die Aktien von Neulingen zukaufen, steigt die Liquidität dieser Titel nach einer Aufnahme in den Leitindex deutlich an. Für Investoren, die hohe Summen anlegen und meist größere Aktienpakete kaufen, ist das eine wichtige Voraussetzung. So gibt es ihnen die Sicherheit, die Papiere im Ernstfall problemlos wieder abstoßen zu können.

Aus Sicht der Anleger ist der Dax-Aufstieg eines Unternehmens hingegen ein zweifelhaftes Signal. Denn die Mitgliedschaft im Leitindex ist kein Indiz für überdurchschnittliche Kursgewinne. Im Gegenteil: Viele Dax-Neulinge haben die hohen Erwartungen der Investoren in der Vergangenheit enttäuscht. Von den Unternehmen, die im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte in den Club der 30 deutschen Top-Werte aufgestiegen sind, konnten zwei Drittel den Dax seit ihrer Aufnahme nicht schlagen.

Besonders deutlich wird dies in der Phase nach Bekanntgabe und nach der Umsetzung des Aufstiegs. Der folgt in der Regel zwei bis drei Wochen nach der Bekanntgabe. Während die Kurse der Aufstiegskandidaten in den Tagen vor den beiden Terminen jeweils überdurchschnittlich ansteigen, scheint anschließend für viele Anleger die Luft raus zu sein. "Vor der Indexentscheidung steigen die aktiven Vermögensverwalter ein, vor der Umsetzung ihre Kollegen von der passiven Seite", sagt Uwe Streich, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Im Gegensatz zu ihren aktiven Kollegen bilden passive Fonds allein einen Index ab, müssen somit nachkaufen, wenn ein Wert in ein Aktienbarometer aufsteigt.

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