Inflationsdaten lassen die Finanzmärkte aufatmen – Mittelfristig muss die US-Geldpolitik aber deutlich straffer werden
Greenspan jagt keine Angst mehr ein

Erleichtert haben die Finanzmärkte gestern auf die jüngsten Inflationszahlen in den USA reagiert. Aktien- und Anleihemärkte verzeichneten Kursgewinne, nachdem die Preissteigerungen im Mai hinter den Befürchtungen der Investoren zurückblieben. Die meisten Händler rechnen jetzt offenbar damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Ende Juni die Leitzinsen nur um 0,25 Prozentpunkte (25 Basispunkte) anheben wird. Zurückgegangen sind die Erwartungen auf einen größeren Zinsschritt.

tor/rez NEW YORK. Ein Grund zur Entwarnung sind die Inflationszahlen jedoch nicht: Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise im Mai um 3,1 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs seit drei Jahren. Dass die Märkte dennoch positiv reagierten, liegt vor allem daran, dass die Kerninflation (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) im Monatsvergleich nur um 0,2 Prozentpunkte zulegte. „Das nimmt etwas die Furcht aus der Rechnung – zumindest für Juni“, sagte Stephen Gallagher, Chefökonom der französischen Bank Société Générale in New York, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Fed ist von der Rückkehr der Inflation offenbar überrascht wor-den. Mehrere Notenbanker hatten in den vergangenen Wochen gewarnt, dass sie bei einer wachsenden Inflationsgefahr nicht an ihrer Ankündigung festhalten würden, die Zinsen nur schrittweise zu erhöhen. „Wir sind bereit, alles Notwendige zu tun, um die Preisstabilität zu sichern“, hatte Fed-Chef Alan Greenspan zuletzt vor dem amerikanischen Kongress versichert. In ihrer Erklärung von Anfang Mai hatte die Notenbank noch angekündigt, die Zinsen nur in „mäßigen“ Schritten anzuheben.

Seitdem hat sich jedoch der Arbeitsmarkt in den USA weiter erholt, und die Unternehmen haben nach den Worten Greenspans „ihre Preismacht zurückgewonnen“. Cary Leahey erwartet dennoch ein maßvolles Vorgehen der Fed: „Ich rechne mit einem Zinsanstieg von 25 Basispunkten im Juni“, sagte der Ökonom der Deutschen Bank in New York. Leahey ist vor allem besorgt, dass die stark gestiegenen Ölpreise den privaten Verbrauch abwürgen könnten. „Steigt der Ölpreis um zehn Dollar, so verlieren die US-Verbraucher 50 Mrd. Dollar für den Konsum“, warnte der Ökonom. Zugleich können anhaltend hohe Energiekosten aber auch die Inflation in die Höhe treiben. Bis November werde die Notenbank deshalb weitere 50 Basispunkte (einen halben Prozentpunkt) auf den Leitzins aufschlagen, sagte Leahey.

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