Inflationsgefahren steigen
Anleger ignorieren die Zinspolitik der Notenbanken

Die Zinsen steigen, doch Experten gehen davon aus, dass sich die Börsen davon nicht negativ beeinflussen lassen. Starke Firmengewinne und einmalige Sonderfaktoren verhinderten den Kursrutsch, der üblicherweise auf wiederholte Zinsschritte der Notenbanken folgt, so die Argumentation.

DÜSSELDORF. „Die niedrige Bewertung des Aktienmarktes spricht für eine Fortsetzung des gegenwärtigen mittelfristigen Trends“, sagt Tammo Greetfeld von der Hypo-Vereinsbank. Selbst eine überraschende Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank in naher Zukunft, wie sie seit einigen Tagen ins Visier der Marktteilnehmer rückt, stellt sein Sechs-Monats-Ziel von 5400 Punkten für den Deutschen Aktienindex nicht in Frage.

So wie Greetfeld argumentieren die meisten Analysten in diesen Tagen. Unter Experten ist zwar unbestritten, dass sich steigende Zinsen längerfristig negativ auf Aktienkurse auswirken. Das belegen schließlich Statistiken. Doch Anleger ignorieren bislang die elf Zinserhöhungen in den USA ebenso wie die rasant steigenden amerikanischen Verbraucherpreise in den USA und die warnenden Stimmen zur Inflation von Notenbankern.

Seit dem ersten US-Zinsschritt am 30. Juni 2004 legte der Deutsche Aktienindex um 21 Prozent, der amerikanische S&P-500 um sechs Prozent zu. Eine positive Reaktion ist anfangs zwar durchaus üblich. Schließlich drehen Notenbanker gewöhnlich an der Zinsschraube, weil die Inflation in Folge einer guten Konjunktur anzieht. Zinserhöhungen gehen also mit positiver Stimmung und steigenden Firmengewinnen einher. Ungewöhnlich ist aber, dass sich die Börsen diesmal so lange resistent zeigen. Untersuchungen der BayernLB belegen, dass in der Vergangenheit bereits um einen Prozentpunkt höhere Zinsen deutlich fallende Aktienkurse zur Folge hatten: Durchschnittlich 8,8 Prozent nach einem Jahr und 12,7 Prozent nach zwei Jahren. Diesmal ist es umgekehrt: Knapp ein Jahr, nachdem die US-Zinsen um 100 Basispunkte geklettert sind, notiert der Dax 18 Prozent im Plus.

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