Innovative Konzepte
Anleger suchen Alternativen

Anlageklassen mit geringer Korrelation zu den traditionellen, populären Investmentformen Aktien und Anleihen gewinnen immer stärker an Bedeutung. Zumindest ausländische Großinvestoren erhöhen immer mehr den Anteil an Alternativ-Investments.

HB FRANKFURT. Dazu gehören Hedge-Fonds, Private Equity, Rohstoffe, Immobilien, ABS, Kreditderivate, Farmland, Kunst, Sammelobjekte. Deutschland hängt bei diesem Trend jedoch noch „um Lichtjahre hinter den angelsächsischen Ländern her“, wie Kritiker erklären. Dies hat nicht zuletzt regulatorische Gründe. Denn trotz des seit Anfang 2004 geltenden Investmentmodernisierungsgesetzes treffen Anbieter von Alternativ-Investments in Deutschland auf hohe Hürden.

Bei der Einbeziehung von alternativen Investmentformen sind die USA eindeutig führend in der Welt. Dort haben Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen im Durchschnitt nicht selten mehr als 20 Prozent der verwalteten Gelder in Alternativ-Investments (AI) investiert. Bei den institutionellen Investoren in Deutschland wie Versicherungen und Pensionskassen liegt dieser Anteil nach Angaben von Achim Pütz, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes Alternative Investments (BAI), etwa bei 5,0 bis 7,5 Prozent. Innovativer sind die deutschen „Family Offices“, also die Verwalter großer Familienvermögen. Nach Schätzung von Pütz haben sie ihren AI-Anteil in jüngster Zeit auf bis zu 25 Prozent aufgestockt.

Auf die in den vergangenen Monaten verstärkt im Rampenlicht stehenden Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds entfallen nach Angaben von Dirk Söhnholz, geschäftsführender Direktor von Feri Institutional Advisors in Bad Homburg gerade einmal 0,3 Prozent bzw. 0,5 Prozent der Gelder institutioneller Anleger.

Insgesamt bleibt Deutschland auch klar hinter Großbritannien zurück, wo die Pensionskassen ihren Anteil an Hedge-Fonds und Private Equity nach einer Studie von Mellon Analytical in den vergangenen drei Jahren von 0,3 Prozent auf 1,0 Prozent mehr als verdreifacht haben. Aktuelle Untersuchungen von Feri haben indes gezeigt, dass die Institutionellen hier zu Lande ihren AI-Anteil bis zum Jahr 2007 weiter aufstocken wollen. Auf Private Equity sollen dann 1,0 Prozent des Gesamtportfolios entfallen, auf die Hedge-Fonds 0,9 Prozent und auf Immobilien 4,6 (nach derzeit 4,3) Prozent.

Vor dem Hintergrund der niedrigen Renditen an den globalen Anleihemärkten und der nach mehrjährigem Kursaufschwung mit Aktien-Investments verbundenen Risiken seien die deutschen Versicherungen einfach gezwungen, sich dem Thema Alternativ-Investments stärker zu öffnen, sagt Matthias Schellenberg von Pioneer Investments in München. In Europa seien die Länder Skandinaviens, die Schweiz und die Niederlande bei der Einbeziehung von Alternativ-Investments in die Anlagepolitik den deutschen Akteuren weit voraus, so Schellenberg. „Dies hat vor allem auch historische Ursachen, weil man sich in diesen Ländern bereits sehr viel früher mit dieser Materie beschäftigt hat“, sagt der Experte.

Die Gründe für das geringe Interesse an risiko-reduzierenden alternativen Anlageklassen liegen für Dirk Söhnholz klar auf der Hand. „Es gibt in Deutschland nicht genügend Vorreiter, die diese Idee ins Land hinaus getragen haben.“ Jene, die diesen Versuch in der Vergangenheit starteten, hätten sich damit bei den Aufsichtsbehörden nur Probleme eingehandelt. Während die Aufsicht in Deutschland das Prinzip „Sicherheit durch Kapitalgarantie“ zur Leitlinie und zum Nonplusultra gemacht habe, liege die Antwort für die in ihrer Kapitalanlage wesentlich erfolgreicheren Institute in den USA vor allem in der Maxime „Risikoreduzierung durch Diversifikation“. Bei der Umsetzung dieses Prinzips fänden die dortigen Anleger durch eine fach- und sachkundige Aufsichtsbehörde eine wesentlich bessere Unterstützung.

Wie man einen solchen gesamtheitlichen Portfolio-Ansatz unter Einbeziehung von Alternativ-Investments zur Risikoreduzierung fahren könne, zeigten die Geldverwalter der amerikanischen Universitäts-Stiftungen Sie hätten nicht selten mehr als ein Drittel ihres Kapitals in Hedge-Fonds, Private Equity, Immobilien, Rohstoffe, Farmland, Kunst und andere exotische Investments investiert, sagt Söhnholz.

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