Insider-Barometer
Insider machen satte Gewinne

Wer sich in den letzten Monaten an den Aktienkäufen so genannter Insider – das sind Vorstände, Aufsichtsräte sowie deren Angehörige – orientiert hat, hat seinen Einsatz um fast die Hälfte steigern können. Aus 10 000 Euro wären so abzüglich Transaktionskosten 14 900 Euro geworden. Doch auch in diesem Jahr lagen einige Top-Manager voll daneben.

FRANKFURT. Das geht aus den Berechnungen des Forschungsinstituts für Asset Management (Fifam) an der RWTH Aachen hervor. Die Fifam berechnet seit Anfang Juni alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking exklusiv für das Handelsblatt das so genannte Insider-Barometer. Daran lässt sich zum einen abschätzen, bei welchen Aktien die Insider wegen ihrer Käufe und Verkäufe besondere Chancen bzw. Risiken sehen. Zum anderen zeigt sich aus dem Verhältnis von Käufen zu Verkäufen, ob diese Gruppe für den Gesamtmarkt mit steigenden oder fallenden Kursen rechnet. Ausgangspunkt ist die Vorstellung, dass Insider deutlich früher als gewöhnliche Aktionäre Entwicklungen in ihrem Unternehmen absehen können.

„Das Ergebnis zeigt, dass ein Investor, der direkt nach Erscheinen des Handelsblatts am jeweiligen Montag die Aktien der Top-Kauf-Liste erworben und diese nach 25 Tagen wieder verkauft hätte,, durchschnittlich eine Rendite von 3,4 Prozent erzielt hätte“, sagt Olaf Stotz von der Fifam. Bis zum Jahresende wäre bei jeweiliger Wiederanlage inklusive der Zinseszinsen eine Rendite von 49 Prozent dabei herausgekommen. Zugute kommt der Theorie, dass die vier als Basis dienenden Indizes Dax, MDax, TecDax und SDax ebenfalls stark gestiegen sind. Der Dax legte beispielsweise 24 Prozent zu.

Aber auch für Anleger, die nicht pausenlos umschichten wollten, waren die Listen der Insiderkäufe eine Hilfe. 58 Prozent aller vorgestellten Käufe haben sich im Anschluss besser als der Dax entwickelt. Top-Gewinner war der im SDax gelistete Hamburger Call-Center-Betreiber d+s Europe, dessen Aktie seit den Insider-Käufen im Juni über 43 Prozent an Wert gewonnen hat. Dass nicht nur kleine und damit marktenge Werte nach Insiderkäufen gefragt sind, beweist die Kursentwicklung von Lanxess (+ 37 Prozent) und von Bilfinger Berger (+ 32 Prozent).

Eine Garantie auf steigende Kurse sind Insiderkäufe jedoch nicht. Auch in diesem Jahr lagen einige Top-Manager „voll daneben“. Um ein Viertel ging es beispielsweise seit Juni mit der Aktie des Solar-Unternehmens Solon nach unten, als die Beteiligungsgesellschaft Mithril eingestiegen ist.

Für das kommende Jahr sind die Insider skeptischer als die Mehrheit der Banken, die mit steigenden Kursen rechnen. Aktuell ist das Insider-Barometer auf 104 Punkte gefallen und damit zum ersten Mal seit Mitte Juni wieder in den neutralen Bereich. Diese Zone, in der sich Käufe und Verkäufe etwa die Waage halten, liegt zwischen 90 und 110 Punkten. „Sowohl Anzahl als auch Volumen der Insiderverkäufe haben zuletzt stärker zugenommen als bei Insiderkäufen“, sagt Olaf Stotz.

Auffällig war zuletzt ein Verkauf beim Automobilzulieferer Elring Klinger. Dort hat Aufsichtsrat Walter Lechler Aktien für 5,2 Mill. Euro verkauft. Gewinnmitnahmen waren der Grund. Der Kurs hat in den letzten vier Jahren fast 600 Prozent zugelegt. Die größten Käufe gab es bei Douglas, wo die dem Aufsichtsratschef Jörn Kreke nahe stehende Kreke Immobilien KG für knapp 1,9 Mill. Euro Aktien kaufte. „Douglas könnte auf Grund der Deutschlandlastigkeit ein Profiteur der geplanten Steuerreform werden“, sagen Experten der Commerzbank.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%