Insider-Barometer
Top-Manager trotzen der Baisse

Vorstände, Aufsichtsräte und deren Familienmitglieder kaufen wieder verstärkt Aktien der eigenen Firma. Auch die Insider der börsennotierten US-Firmen blicken wieder optimistischer in die Zukunft.

HB FRANKFURT. Ungeachtet der massiven Verluste an den Weltbörsen rechnen die deutschen Top-Manager mit einer baldigen Kursstabilisierung. So genannte Unternehmensinsider – das sind Vorstände, Aufsichtsräte sowie deren Familienmitglieder – kaufen wieder verstärkt Aktien ihrer jeweiligen Unternehmen. Das geht aus dem Insider-Barometer des Forschungsinstituts für Asset Management (FIFAM) an der RWTH Aachen hervor, das das Handelsblatt in Kooperation mit Commerzbank Private Banking erstmals veröffentlicht. Das Anlageverhalten von Unternehmensinsidern gilt in den USA schon seit Jahres als wichtiger Kursindikator.

„In den letzten Tagen haben bei den tiefen Indexständen die Insider-Käufe zugenommen“, sagt der Aachener Professor Rüdiger von Nitzsch. Das Insider-Barometer hat bis Mittwoch wieder die 100-Punkte-Marke überwunden, bei der sich Käufe und Verkäufe die Waage halten. Noch vor einem Monat, als der Dax auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren notierte, lag die Zahl bei 70. Dies bedeutete, dass die Top-Manager ihre Bestände an Aktien der eigenen Firma deutlich reduzierten – und stellte damit auch ein Verkaufssignal für andere Anleger dar.

Die Unternehmensinsider müssen Transaktionen mit den jeweiligen Firmenaktien an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) melden. Aus den Transaktionen seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2002 haben die FIFAM-Experten ein Stimmungsbarometer errechnet, das den Anlegern deutliche Renditevorteile verschafft. „In den 25 Tagen nach Veröffentlichung der Kauftransaktion liegt die Überrendite durchschnittlich bei drei Prozent“, sagt FIFAM-Experte Olaf Stotz. Aufs Jahr betrachtet, könne sogar eine zusätzliche Rendite von deutlich mehr als 30 Prozent erreicht werden. Das Handelsblatt wird das Insider-Barometer alle zwei Wochen am Montag veröffentlichen.

Auch die Insider der börsennotierten US-Firmen blicken wieder optimistischer in die Zukunft. Das zeigt die monatliche Statistik der Finanzagentur Thomson: „Das Verhältnis von gekauften zu verkauften Aktien liegt auf dem höchsten Wert seit mehr als einem Jahr“, sagt Jaseem Hasib, führender Research-Analyst bei Thomson. Zu den eifrigsten Käufern gehörte Michael Dell, der Gründer des gleichnamigen Computergiganten, der 70 Mill. Dollar für zusätzliche eigene Titel ausgab.

Der Optimismus der Insider steht in starkem Kontrast zur aktuellen Lage an den Börsen. Der Dax und andere europäische Leitindizes verloren gestern ebenso wie der japanische Nikkei rund drei Prozent. Der Dow hatte bereits am Vortag die wichtige Marke von 11 000 Punkten unterschritten. „Alle großen Indizes der Welt sind technisch gesehen nach unten ausgebrochen“, sagte Chefhändler Art Hogan vom US-Broker Jefferies in Boston, „bis jetzt ist noch kein Boden in Sicht.“

Aus fundamentaler Sicht dürfte sich vor allem der US-Aktienmarkt schwer tun, sich dauerhaft zu erholen, glaubt Tim Hayes vom angesehenen, unabhängigen US-Research Institute Ned Davis. „Der Konjunkturzyklus ist dort in einer reifen Phase, höhere Zinsen treffen die Wirtschaft besonders empfindlich.“ Europa und Japan befänden sich jeweils in einer früheren Konjunkturphase und hätten damit bessere Chancen, bald wieder aus dem Tal herauszukommen.

Tatsächlich äußern sich deutsche Analysten optimistischer. „Es besteht kein Anlass zur Panik“, sagt Frank Schallenberger von der LBBW. „Die Aktien sind derzeit fundamental so billig, dass sich Anleger überlegen sollten, ob sie nicht demnächst in den Markt einsteigen.“ ank/drz/hus/pep/scc

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