Insiderbarometer
Manager kaufen weniger Aktien

Der stark gestiegene Dax und die Angst vor weiteren Zinsschritten lassen Insider vorsichtig werden. Das Handelsblatt-Insiderbarometer ist von 110 auf 99 Punkte gefallen. In den vergangenen Wochen gab es nur vier Aktienkäufe durch Vorstände oder Aufsichtsräte bei Firmen der Dax-Familie.

FRANKFURT. Seit der Dax vor einer Woche die Marke von 7 500 Punkten übersprungen hat, werden Deutschlands Top-Manager bei Käufen von Aktien des eigenen Unternehmens vorsichtig. Das zeigt das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der RWTH Aachen alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking für das Handelsblatt berechnet. „Die hohen Indexstände scheinen die Insider vorsichtig werden zu lassen“, sagt Fifam-Experte Olaf Stotz.

Notierte das Insider-Barometer noch vor Wochen knapp vor der Marke von 110 Punkten und zeigte damit Kaufsignale, so ist es zuletzt mit einem Stand von 99 Punkten in den zweistelligen Bereich gefallen. Käufe wie Verkäufe halten sich damit etwa die Waage und signalisieren so für die nächsten drei Monate eine Seitwärtsbewegung an den Märkten. Schuld daran sei beispielsweise der enorme Kurssprung des Deutschen Aktienindexes (Dax) seit der Korrektur im März, heißt es bei der Fifam. Inzwischen hat der Index der deutschen Top 30 in der Spitze über 16 Prozent an Wert gewonnen. Sorgen machte zuletzt auch die mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartende Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juni und vielleicht sogar eine weitere Zinsanhebung im Anschluss. „Solche Aussichten sind grundsätzlich schlecht für die Märkte“, heißt es bei der Postbank.

Entsprechend hat die Handelsaktivität der Insider gerade auf Käuferseite in den letzten beiden Wochen deutlich abgenommen. Nur vier Käufe gab es in diesem Zeitraum bei Vorständen, Aufsichtsräten sowie deren nahen Familienangehörigen in den 160 Unternehmen des Dax, MDax, TecDax und SDax. Und deren Volumina waren zudem nicht allzu hoch, was der größte Kauf verdeutlicht. Aufsichtsrat Gerhard Schick vom schwäbischen IT-Unternehmen Bechtle hat für über 167 000 Euro Aktien seines Unternehmens geordert.

An zweiter Stelle auf Käuferseite folgt Dax-Wert BASF, was gewöhnlich eine große Nachricht wäre. Zumal dort unter anderem Vorstandschef Jürgen Hambrecht zugegriffen hat. Käufe von Dax-Vorständen verdienen besondere Aufmerksamkeit, ist diese Gruppe doch durch Aktienoptionsprogramme meist mit Papieren des eigenen Unternehmens bestens versorgt. Doch Hambrecht und Aufsichtsrat Robert Oswald haben zusammen lediglich Aktien im Wert von knapp über 52 000 Euro gekauft, kein besonders spektakuläres Engagement. Dennoch bestätigt der Kauf die Meinung der meisten Analysten. „BASF ist ein hervorragend aufgestelltes und geführtes Unternehmen“, so die Einschätzung von Commerzbank Private Banking.

Der auffälligste Verkauf kam in den letzten Wochen vom SAP-Vorstand Leo Apotheker, der sich von Aktien im Wert von über 4,6 Mill. Euro trennte. Analysten sehen in diesem Deal jedoch keinen Anlass zur Beunruhigung . Die gerade vorgelegten Quartalszahlen fielen besser als erwartet aus, zudem liegt die SAP-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18 auf Basis der Schätzungen für 2008 weiter am unteren Rand der historischen Bandbreite. „Nach den Erstquartalszahlen und der starken operativen Entwicklung dürfte das Vertrauen der Anleger in die Aktie des Software-Unternehmens wieder steigen“, sagt Gary Rollo von Morgan Stanley in London.

Weitaus skeptischer interpretieren Analysten den zweitgrößten Insider-Verkauf der letzten beiden Wochen. Beim Mode-Unternehmen Escada hat sich Aufsichtsrat Clemens Haindl von Papieren im Wert von über 700 000 Euro getrennt. Lars Lusebrink von Independent Research hat sein Urteil vor kurzem auf „reduzieren“ heruntergestuft, zumal sich der Kurs der Escada-Aktie seit dem vergangenen Sommer verdoppelt hat.

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