Internationale Wertpapiermärkte
Experten machen Hoffnung

Die turbulente Entwicklung an den Börsen hat viele Anleger verunsichert; die internationalen Wertpapiermärkte müssen nach den kräftigen Turbulenzen in der vergangenen Woche mit weiteren deutlichen Schwankungen rechnen. Doch allen Rezessionsgefahren zum Trotz bleiben Aktien attraktiv - Fachleute sehen mehr Chancen als Risiken.

FRANKFURT. Das ist der Tenor eines "Frankfurter Gesprächs" des Handelsblatts, zu dem am Freitag Vertreter von fünf führenden Banken zusammen gekommen sind. "Wir sind noch nicht ganz durch, aber wir sind ganz in der Nähe der Tiefs angelangt", prognostiziert Felix Adrian, Aktienchef bei Cominvest, der Investment-Gesellschaft der Commerzbank.

Zwar hatte das Gros der Banken ein schwieriges erstes Quartal vorausgesagt. Doch dass es zu solch extrem starken Einbrüchen kam - der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor beispielsweise am vergangenen Montag über sieben Prozent und am Mittwoch fast fünf Prozent, ehe es bis zum Wochenende zumindest teilweise zu einer Erholung kam -, schockierte die gesamte Finanzwelt. "Der deutsche Aktienmarkt wurde von den Verkäufen stark betroffen, da dessen Abrechnung innerhalb von zwei Tagen und damit sehr schnell erfolgt. Außerdem zählt die heimische Börse zu den liquidesten weltweit und viele Anleger hatten angesichts der Boomphase in den vergangenen Jahren viel Speck auf den Rippen ihrer Aktieninvestments in Deutschland", begründet Jörg Prüßmeier, Head of Equities bei JP Morgan in Frankfurt, den besonders starken Einbruch deutscher Werte.

In den nächsten Wochen und Monaten - voraussichtlich noch bis April oder Mai - dürfte es noch zu weiteren teilweise kräftigen Schwankungen kommen. "Kurzfristig bleiben die Märkte volatil. Wir haben eine Vertrauenskrise und werden nicht sofort wieder die alten Stände bei den Indizes erreichen", sagt Helmut Kaiser, Global Chief Investment Strategist bei der Deutschen Bank. Keinesfalls sind die Aktienmärkte nach Ansicht der Experten überbewertet, wie es zuletzt öfters zu hören war. "Die Nervosität wird solange anhalten, bis die Jahresabschlüsse der großen Banken vorliegen", sagt Klaus Holschuh, Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft bei der DZ Bank. Im zweiten Quartal sieht er die Zeichen für Aktien von Banken und Versicherern auf Erholungskurs. Auch dem zuletzt von vielen Seiten heraufbeschworenen Rezessions-Szenario in den USA messen die Experten keine allzu große Bedeutung bei. "Gegenwärtig erleben wir eine Geister-Rezession" hadert Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Dekabank, mit den Stimmen, die von der US-Konjunktur allzu große Gefahren auf die Märkte zukommen sehen. Tatsächlich ist seiner Ansicht nach erstens die Vertrauenskrise noch nicht vorbei und zweitens sei im Moment ein überschwappendes Misstrauen gegen die Konjunktur zu beobachten.

Das aktuelle Umfeld bietet deshalb in den Augen der Experten mehr Chancen als Risiken. "Stockpicker haben derzeit gute Chancen", sagt Cominvest -Mann Felix Adrian. Eine Reihe guter Banken wie zum Beispiel ING zählen hier ebenso dazu wie Industriewerte, Rohstoffe und der Megatrend der Infrastruktur-Investitionen.

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