Interview
„25 Prozent Vertriebskosten sind keine Seltenheit“

Die üppigen Provisionen gefährden die Rentabilität vieler Anlagen, sagt Rechtsanwalt Mathias Nittel. Welche Produkten für Berater besonders attraktiv sind und wie viel die Kunden zahlen müssen.
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Herr Nittel, in welchen Bereichen liegen die höchsten vereinnahmten Provisionen, die Sie kennen?

Bei Private Placements von Aktien sind mir schon Provisionen von bis zu 40 Prozent zu Ohren gekommen. Im Bereich der geschlossenen Fonds verdient der Vertrieb aber auch viel Geld. 25 Prozent der Anlegergelder als Vertriebskosten sind bei Schiffsfonds keine Seltenheit. Der Berater oder die beratende Bank oder Sparkasse erhält davon in der Regel zwischen 10 Prozent und 15 Prozent.

An wen fließt das Geld?

Bei geschlossenen Fonds fließen die für die Anwerbung der Anleger vorgesehenen Gelder meist an eine zur Initiatorengruppe gehörende Gesellschaft, die offiziell Vertriebsbeauftragte ist. Diese teilt die Provisionen mit den eigentlichen Vermittlern, den Banken, Sparkassen und sonstigen als Berater auftretenden Vertrieben.

Welche Banken kommen Ihnen besonders "geschäftstüchtig" vor?

Ich kann nur sagen, welche Banken besonders häufig als Berater unserer Mandanten in Erscheinung treten. Da fällt mir spontan die Commerzbank ein, aber auch zahlreiche Volksbanken und Sparkassen.

Wann fallen Provisionen eher bescheiden aus?

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Höhe der Provisionen die Höhe des Risikos des Anlageprodukts wiederspiegelt. Für wenig riskante Produkte fließen daher niedrigere Provisionen.

Welche Fälle erscheinen Ihnen besonders krass?

Die Provisionshöhe für Schiffsfonds finde ich persönlich sehr erschreckend. Denn es geht hier ja zu allererst auch um das Vertrauen der Kunden von Banken und Sparkassen, die diese Institute als objektive Berater wahrgenommen haben. Sieht man dann, dass für eine halbstündige qualitativ schlechte „Beratung“ zur Anlage von 20.000 Euro locker 2.000 bis 3.000 Euro an Provisionen hinter dem Rücken der arglosen Kunden an die Bank fließen, habe ich damit persönlich ein Problem.

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"Vertrauen Sie Ihren Beratern nicht!"

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  • "Vertrauen Sie ihren Beratern nicht, zeichnen Sie nicht gleich im ersten Beratungsgespräch, lassen Sie Anlageangebote von dritter Seite, beispielsweise von einem Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht prüfen." Klar, der macht das dann natürlich völlig uneigennützig kostenlos und prüft nicht nur das Produkt selber sondern auch, ob es in das Gesamtvermögen hinsichtlich Laufzeit, Assetklasse, Risikoprofil usw. passt....Nebenbei legt er natürlich seine Margen dem Klienten noch offen... Is klar.... Nacht zusammen.

  • Problematisch ist nicht eine Gefährdung des zukünftigen Ertrags,sind doch die als "Weichkosten" bezeichneten Kosten für Marketing und Vertrieb in den Beteiligungsprospekten offen ausgewiesen.Der Anlageinteressent weis deshalb,dass sein Anlagebertrag nicht zu 100% in die zu erwerbende "Hardware" eingeht.
    Vielmehr ist eine erhebliche Störung oder Verletzung des persönlichen Vertrauensverhälnisses des Bankkunden zu seinem Bankberater zu besorgen,wenn der Bankkunde im Beratungsgespräch vor seiner Beteiligungsentscheidung nicht darauf hingewiesen wird,dass Im Falle der Beteiligung des Bankkunden ein Teil der prospektierten Marketing/Vertriebsgebühren an die beratende(oder die Anlage vermittelnde)Bank fliessen,sozusagen hinter dem Rücken des Anlegers/Bankkunden.

  • da muss ich den bisherigen Kommentaren Recht geben! Sicher werden gerade auch von "den Banken ihres Vertrauens" horrende Kosten verursacht. Z.B. wird gerne alle 6 Monate ein Fonds mit einem kleinen Ausgabeaufschlag von nur 3 Prozent umgedeckt, weil der Fonds doch nicht so läuft "wie zuerwarten war"! Um dann überhaupt noch eine Rendite für den Anleger zu erwirtschaften, müsste die Anlage eine Wertentwicklung von über 6% bringen! Sehr selten in der heutigen Zeit! Und dann geht man zum Anwalt, der dies ja alles sehr uneigennützig prüft!!!! und schon ist noch mehr Geld verbrannt. Wer ist denn eigentlich dran Schuld, dass jeder Vorgang nur noch mit Hilfe eines Anwalts getätigt werden kann/ soll? Wer steckt denn da dahinter? Hat schon mal jemand daran gedacht, die Anwaltskosten zu überprüfen?
    Wo ist hier die EU????? Dort sitzen aber zu viele Anwälte in den entscheidenden Gremien, die BRD läßt grüßen! Armer Anleger!

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