Interview
"Eine gesunde Anpassung"

Die derzeitige Entwicklung an den Finanz- und Aktienmärkten ist teilweise auch gesund, meint die Chefvolkswirtin und Leiterin Research der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud. Im Interwiew bewertet sie die Börsenkrise und die Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Frau Traud, vor wenigen Wochen war der Deutsche Aktienindex Dax so hoch wie nie zuvor, seither geht es bergab. Was hat sich seit dem Hoch geändert?

Die Investoren wollten unbedingt den Rekord sehen und haben bis dahin alle negativen Nachrichten ausgeblendet. Jetzt erkennen sie die Belastungsfaktoren. Die Krise bei faulen Krediten am US-Hypothekenmarkt sorgt für Unruhe und auch dass Öl ist teuer wie selten. Anleger achten wieder auf diese Risiken, Gott sei Dank muss man sagen.

Erwarten Sie ein Ende der Hausse oder steigen die Kurse bald wieder?

Wir erwarten, dass es in der nächsten Zeit erst noch einmal zu Rückgängen kommen wird. Panik ist zwar nicht angesagt. Allerdings dürfte der Dax bis auf 7 000 Punkte zurückfallen und dann zwischen 7 000 und gut 8 000 Punkten pendeln.

Zuletzt kam auch der Euro gegenüber dem Dollar und vor allem dem Yen unter Druck. Eigentlich ist das doch gut für den exportlastigen Dax.

Wir haben gesehen, dass sich viele Investoren billig in Yen verschuldet haben, um europäische Aktien zu kaufen. Diese sogenannten Carry Trades werden nun teilweise aufgelöst, was den Dax zusätzlich belastet. Auch hier reagieren die Anleger auf die Risiken, das wird sich fortsetzen. Der Yen dürfte also weiter zulegen. Der Dollar wiederum leidet unter der US-Hypothekenkrise – davon könnte der Euro zumindest sehr kurzfristig noch profitieren.

Die Pleite zweier US-Hedgefonds, die sich mit faulen US-Immobilienkrediten verspekulierten, hat Anleger etwa 20 Milliarden Dollar gekostet. Skeptiker erwarten Belastungen von mehreren Hundert Milliarden Dollar. Sind solche astronomisch anmutenden Ausfallzahlen realistisch und könnten das die Märkte verkraften?

Niemand kann wirklich sagen, wie hoch die Verluste sind. Steigt die Skepsis der Investoren weiter, wovon wir ausgehen, könnten die Bestände der Hedgefonds in solchen riskanten Anlagen schon nächste Woche weniger wert sein als heute. Die Entwicklung verdeutlicht, dass hohe Chancen auch hohe Risiken bergen. Es ist wichtig, dass der Anleger dies wieder erkennt.

Wegen der Immobilienkrise können die US-Verbraucher nicht mehr so einfach Geld lockermachen, indem sie umschulden oder Häuser verkaufen. Belastet dies die Konjunktur?

Es gibt ganz klar ein Überangebot an Immobilien in den USA. Das belastet das Wachstum, besonders auf der Investitionsseite. Schon seit einem Jahr sinken die Bauinvestitionen in den USA deutlich, das ist schlecht für die Konjunktur. Der Konsum war bislang aufgrund des robusten Arbeitsmarktes jedoch sehr stark. Der hohe Rohölpreis ist derzeit ein größerer Belastungsfaktor als die Immobilienkrise. Die durchschnittlichen Häuserpreise sinken nicht, sondern steigen nur weniger stark an. Sollte der Ölpreis noch weiter steigen, dürfte dies den Konsum belasten. Ein Zusammenbruch ist aber unwahrscheinlich.

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