Interview

„Mir ist Griechenland egal“

Nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich sind die europäischen Börsen zwischenzeitlich in den Keller gerutscht. Fondsmanager Jürgen Meyer erklärt, warum er trotzdem langfristig mit steigenden Kursen rechnet.
11 Kommentare
Jürgen Meyer ist Leiter Europäische Aktien bei der SEB Asset Management. Quelle: Pressefoto

Jürgen Meyer ist Leiter Europäische Aktien bei der SEB Asset Management.

(Foto: Pressefoto)

Herr Meyer, Griechenland hat bei der Wahl die Regierungsparteien abgestraft. Wie bewerten Sie das Risiko für die Märkte, wenn die aktuelle Reform-Koalition in Athen nicht weiterregiert?

Das Risiko halte ich für sehr überschaubar. Die Betroffenen sind primär das griechische Volk selbst und die Kreditgeber Griechenlands. Und die machen nur einen sehr kleinen Teil der Marktteilnehmer aus.

In den kommenden Wochen steht die nächste Milliarden-Kreditrate für Griechenland an. Was könnte passieren, wenn diese Rate an einen führungslosen Staat nicht ausbezahlt wird?

Das betrifft vor allem Personen und Institutionen, die griechische Staatsanleihen besitzen, die an diesem Tag zurückgezahlt werden sollen. Das ist primär ein Problem dieser Leute. Mir ist das – plakativ gesagt – egal.

Auch Frankreich hat gewählt. Sind die Wachstumspläne von Francois Hollande eine Gefahr für die Wirtschaft?

Im Wahlkampf hat er angekündigt, weniger sparen und stattdessen mehr investieren zu wollen. Wachstum heißt immer Geld ausgeben. Geld, das man nicht hat. Das heißt letztendlich Geld drucken und das bedeutet Inflation.

Was bedeutet die Inflation für die Anleger?

Inflation ist schlecht für Leute, die Anleihen besitzen, und für Sparer. Für Aktienbesitzer ist es eigentlich egal, denn wenn mehr Geld im Umlauf ist, können Unternehmen typischerweise die Preise erhöhen. Damit bleiben sie und ihre Aktionäre am Ende schadlos. Sie profitieren davon nicht, reichen die Inflation quasi weiter.

Nach den Wahlen hat ein Analyst geschrieben, er gehe von einer „stark schwankenden, eher abwärts gerichteten Börsenphase“ aus. Schließen Sie sich dem an?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, wenn wir mit mehr Inflation rechnen sollten, ist das letztendlich für Aktionäre ein Non-Event, während fast alle anderen Anlageklassen darunter leiden. Sie verlieren an Kaufkraft, wenn sie ihre Anleihen – sofern es nicht gerade griechische sind – zurückbezahlt bekommen.

Wenn der französische Präsident die Konjunktur stimulieren will und Geld ausgibt, geschieht das meistens über Investitionen in die Infrastruktur. Das ist dann gut für die Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind. Auch der Konsum profitiert davon, weil das für Beschäftigung sorgt.

„Für das Jahresende habe ich grundsätzlich keine Zielmarke“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

11 Kommentare zu "Interview: „Mir ist Griechenland egal“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mir gefallen die Ausführungen von Jürgen Meyer. Kompliment.

    Am Ende kam mir aber der "gute alte Kosto" in den Sinn, denn den Ausführungen zufolge wären 2+2=4 ... MfG, -rk-


  • ... welch ein Fond-Troll...
    wer hat dehn Herrn denn in die Berichterstattung platziert ?
    Unglaublich, nicht das geringste Verständnis für politisch Zusammenhänge....
    Meine Münzen bekommt er jedenfalls auf keinen Fall.

    Bei Hütchenspieler verlier ich lieber...

  • Sie klingen ein bißchen nationalistisch - aber das ist gar nicht nötig!
    Bedenken Sie bitte, welche Vorteile die anderen europäischen Nationen hätten - vor allem die im Süden - wenn Deutschland die Eurozone verließe. Diese Länder könnten den Euro abwerten, inflationieren und weiterhin Geld drucken und glücklich werden. Im Ernst: Ohne eine Schwachwährung werden es die anderen Länder nicht packen. Und für Deutschland ist der Euro viel zu weich!
    Also: Es so positiv formulieren, ist viel zielführender. Wir tun den anderen europäischen Nationen den größten Gefallen, wenn wir endlich die Eurozone verlassen! In diesem Punkt hat G. Sorros absolut Recht!

  • nein das war Bush, alles war Bush und ist Bush und ein bischen Kohl. Auch wenn Ihre Badewanne überläuft.

  • Alles das hat KOHL verursacht! Er wollte den EURO unbedingt in seiner Regierungszeit durchdrücken weil der Europessimist Schröder alles sicher zum Einsturz gebracht hätte. VERKOHLT alles, verKOHL-t den EURO, die Schweiz schafft es mit ihrem Franken auch im globalen Wettbewerb. Stichwort: Nestle, Novartis, Roche.........Ein KOHL hat, statt blühende Landschaften zu sehen, alles in Europa verKOHLt.

  • Wenn ich von einem Leiter Aktien lese dass Inflation für Aktien keine Bedeutung hat dann weiss ich warum ich mein Vermögen selbst verwalte. Der Herr Leiter sollte sich mal den Dow Jones in den 70er inflationsbereinigt anschauen und sein Gehalt von diesem tollen Anlageerfolg abhängig machen.

  • Schluss mit dem sozialistischen Geld-Ausgeben, das man nicht hat. Finden wir zu unseren guten deutschen Tugenden zurück: Sparsamkeit und Fleiß!

    Sollen die Griechen und Franzosen Drachmen und Fancs drucken, bis sie mit der Schubkarre voll Geld zum Bäcker fahren müssen!


  • Die Schuldenkrise wird nicht durch mehr Schulden gelost, sondern durch Konsumverzicht, Sparen, Mehrarbeit und Mehrproduktion!

  • Ganz genau! Deutschland muss sich selbst retten. Wer noch einigermasses schwimmen kann, muss sich jetzt freischwimmen, sonst wird es von den Ertrinkenden egosistisch mitheruntergezogen.

  • Sozialisten wissen nur eines vom Gelde: wie man das Geld anderer ausgibt! In Holland und Finnland weiss man, dass nun auch Frankreich das Geld der anderen will, nur die Deutschen tun so, als ob alles prima ist.

    Frankreich wird Deutschland in den finanziellen Abgrund und in den politischen Moloch der EUdSSR hinunterziehen, wenn Deutschland nicht endlich den Mut fasst, den Fehler Euro, EUdSSR und ESM zu beenden und sich mit einer neuen Deutschen-/Nordmark freizuschwimmen, der dann die anderen soliden Wirtschaften wie Osterreich, Skandinavien, die Niederlande und vielleicht die Schweiz beitreten wurden.

    Weg mit dem Euro, dem ESM und der EUdSSR und wieder hin zu einem Europa der Nationen und Vaterlander, die eigenverantwortlich wirtschaften und sich regieren konnen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%