Interview
„Mir ist Griechenland egal“

Nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich sind die europäischen Börsen zwischenzeitlich in den Keller gerutscht. Fondsmanager Jürgen Meyer erklärt, warum er trotzdem langfristig mit steigenden Kursen rechnet.
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Herr Meyer, Griechenland hat bei der Wahl die Regierungsparteien abgestraft. Wie bewerten Sie das Risiko für die Märkte, wenn die aktuelle Reform-Koalition in Athen nicht weiterregiert?

Das Risiko halte ich für sehr überschaubar. Die Betroffenen sind primär das griechische Volk selbst und die Kreditgeber Griechenlands. Und die machen nur einen sehr kleinen Teil der Marktteilnehmer aus.

In den kommenden Wochen steht die nächste Milliarden-Kreditrate für Griechenland an. Was könnte passieren, wenn diese Rate an einen führungslosen Staat nicht ausbezahlt wird?

Das betrifft vor allem Personen und Institutionen, die griechische Staatsanleihen besitzen, die an diesem Tag zurückgezahlt werden sollen. Das ist primär ein Problem dieser Leute. Mir ist das – plakativ gesagt – egal.

Auch Frankreich hat gewählt. Sind die Wachstumspläne von Francois Hollande eine Gefahr für die Wirtschaft?

Im Wahlkampf hat er angekündigt, weniger sparen und stattdessen mehr investieren zu wollen. Wachstum heißt immer Geld ausgeben. Geld, das man nicht hat. Das heißt letztendlich Geld drucken und das bedeutet Inflation.

Was bedeutet die Inflation für die Anleger?

Inflation ist schlecht für Leute, die Anleihen besitzen, und für Sparer. Für Aktienbesitzer ist es eigentlich egal, denn wenn mehr Geld im Umlauf ist, können Unternehmen typischerweise die Preise erhöhen. Damit bleiben sie und ihre Aktionäre am Ende schadlos. Sie profitieren davon nicht, reichen die Inflation quasi weiter.

Nach den Wahlen hat ein Analyst geschrieben, er gehe von einer „stark schwankenden, eher abwärts gerichteten Börsenphase“ aus. Schließen Sie sich dem an?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, wenn wir mit mehr Inflation rechnen sollten, ist das letztendlich für Aktionäre ein Non-Event, während fast alle anderen Anlageklassen darunter leiden. Sie verlieren an Kaufkraft, wenn sie ihre Anleihen – sofern es nicht gerade griechische sind – zurückbezahlt bekommen.

Wenn der französische Präsident die Konjunktur stimulieren will und Geld ausgibt, geschieht das meistens über Investitionen in die Infrastruktur. Das ist dann gut für die Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind. Auch der Konsum profitiert davon, weil das für Beschäftigung sorgt.

Kommentare zu " Interview: „Mir ist Griechenland egal“"

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  • Mir gefallen die Ausführungen von Jürgen Meyer. Kompliment.

    Am Ende kam mir aber der "gute alte Kosto" in den Sinn, denn den Ausführungen zufolge wären 2+2=4 ... MfG, -rk-


  • ... welch ein Fond-Troll...
    wer hat dehn Herrn denn in die Berichterstattung platziert ?
    Unglaublich, nicht das geringste Verständnis für politisch Zusammenhänge....
    Meine Münzen bekommt er jedenfalls auf keinen Fall.

    Bei Hütchenspieler verlier ich lieber...

  • Sie klingen ein bißchen nationalistisch - aber das ist gar nicht nötig!
    Bedenken Sie bitte, welche Vorteile die anderen europäischen Nationen hätten - vor allem die im Süden - wenn Deutschland die Eurozone verließe. Diese Länder könnten den Euro abwerten, inflationieren und weiterhin Geld drucken und glücklich werden. Im Ernst: Ohne eine Schwachwährung werden es die anderen Länder nicht packen. Und für Deutschland ist der Euro viel zu weich!
    Also: Es so positiv formulieren, ist viel zielführender. Wir tun den anderen europäischen Nationen den größten Gefallen, wenn wir endlich die Eurozone verlassen! In diesem Punkt hat G. Sorros absolut Recht!

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