Interview mit Anlageexperte Harald Preißler „Das Störfeuer kommt, aber eben kein Flächenbrand“

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30 bis 40 Prozent Aktienquote
Hier bunkern die Deutschen ihr Geld
Vermögensbildung der Deutschen
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Der Aufwärtstrend der vergangenen drei Jahre setzt sich fort: Die Deutschen werden immer wohlhabender, geht aus der aktuellen Statistik der Bundesbank hervor. Zum Ende des dritten Quartals 2016 stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte auf rund 5.478 Milliarden Euro. Im dritten Quartal des Vorjahres belief es sich noch auf 5.219 Milliarden Euro, ein Plus von 259 Milliarden Euro oder knapp fünf Prozent. Die Bundesbank hat das steigende Geldvermögen der Deutschen umfassend analysiert – die wichtigsten Ergebnisse.

Reicher dank Aktien-Hausse
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Verantwortlich für das wachsende Geldvermögen (Sachvermögen und Immobilienbesitz wurden nicht betrachtet) ist vor allem ein höherer Bestand an Bargeld und Einlagen auf Giro- und Sparkonten, außerdem sogenannte Bewertungsgewinne. Diese entstehen etwa durch steigende Aktienkurse und höher bewertete Anteile an Immobilienfonds. Die Deutschen profitierten laut den Zahlen also 2016 von der Hausse am Aktien- und Häusermarkt.

Bargeld und Bankkonten weiter Nummer 1
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Die Deutschen sind bei der Geldanlage risikoscheu: Den größten Anteil am Gesamtvermögen machen auch nach der neuen Erhebung Bargeld und Einlagen aus, also Geld auf Giro-, Tagesgeld-, Festgeld- und Sparkonten. Der Zufluss war allerdings zuletzt geringer als in früheren Perioden – hier machen sich die Niedrig- bis Nullzinsen laut Bundesbank bemerkbar. Im dritten Quartal 2016 horteten die Deutschen in Bar und auf Bankkonten rund 2.149 Milliarden Euro, im dritten Quartal 2015 waren es noch 2.056 Milliarden Euro.

Das meiste Vermögen ist täglich verfügbar
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Laut der Statistik parken die Deutschen ihr Vermögen vorzugsweise in Bar, auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto, also als Einlage ohne lange Kündigungsfrist. Und dieser Dauertrend nahm 2016 sogar noch zu. Während im dritten Quartal 2015 der Gesamtbetrag von Bargeld und Sichteinlagen noch 1.196 Milliarden Euro lag, waren es 2016 schon 1.300 Milliarden Euro.

Abwärtstrend des Sparbuchs
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Weniger genutzt werden die einstmals klassischsten Produkte der langfristigen Geldanlage: Sparbuch und Sparbrief. Ihre Zinsen liegen nahe Null, die Deutschen parkten hier im dritten Quartal 2016 rund 599 Milliarden Euro, 2015 waren es noch 613 Milliarden Euro gewesen. Nur leicht zugenommen haben die Termineinlagen, also zum Beispiel Festgeldkonten: 249 Milliarden Euro schlummerten hier 2016, gegenüber 246 Milliarden Euro in 2015.

Versicherungs-Sparen bleibt beliebt
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Einer weiteren Vorliebe bleiben die Deutschen treu: Nach dem Sparen in Bar und auf dem Bankkonto vertrauen die Deutschen ihr Vermögen am zweitliebsten einer Versicherung an. Zuletzt stiegen die Ansprüche der privaten Haushalte an Versicherungs- und Alterssicherungssysteme. Das dortige Geldvermögen ist vom dritten Quartal 2015 (2.003 Milliarden Euro) zum dritten Quartal 2016 (2.097 Milliarden Euro) weiter leicht gewachsen. Angesichts immer niedrigerer Garantieverzinsungen ein weiterer Beleg für das risikoscheue Anlegeverhalten der Deutschen.

Aktien werden beliebter
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Eine leichte Trendwende beobachtet die Bundesbank beim lange verschmähten Investment an der Börse. Zwar entscheidet sich immer noch eine Minderheit für das Sparen in Aktien und Investmentfonds, aber diese Minderheit wächst angesichts der Niedrigzinsen auf dem Konto und der steigenden Börsenkurse. Im dritten Quartal 2016 hatten die Deutschen 1.068 Milliarden Euro an der Börse investiert, etwa hälftig in Einzelaktien sowie in Anteilen an primär Aktien- und Immobilienfonds. 2015 war hier noch ein Vermögen von 982 Milliarden Euro geparkt.

Den deutschen Sparer interessiert vor allem eines: Wann werden wir wieder Zinsen sehen?
Das dauert. In unserem Basisszenario rechnen wir damit, dass frühestens Ende 2018 eine erste Zinserhöhung kommen könnte.

Aber wahrscheinlich auch nur ein kleines „Schrittchen“, wie in den USA…
Genau, da reden wir wahrscheinlich von zehn Basispunkten, also von minus 0,40 auf minus 0,30 Prozent. Bis wir die Nulllinie wieder überschritten haben, wird es wahrscheinlich bis spät ins Jahr 2019 dauern. Wenn wir Konjunkturschwankungen einkalkulieren, dann kann es sogar bis 2020 dauern.

Die Nullzinsphase dauert also noch ein paar Jahre an. Könnte das Rückenwind für die deutsche Aktienkultur sein?
Davon gehe ich aus. Man darf nicht vergessen, dass in den kommenden Jahren sehr viel Geld vererbt wird. Die Erbengeneration, die vor einem Wiederanlage-Problem steht, hat ein anderes Anlageprofil als ihre Eltern oder Großeltern. Das ist sozusagen ein biologischer Faktor, der der Aktienkultur und den Aktienmärkten hilft. Und das Zinsniveau tut sein Übriges. Zudem horten viele Menschen hohe Bargeldbestände und warten auf die Korrektur für den Wiedereinstieg. Das ist ein weiterer Faktor, der mich dazu bringt, für die nächsten zwölf bis 18 Monate keinen Crash zu sehen.

Was empfehlen Sie sehr konservativen Anlegern, dem deutschen Sparer? Auch wenn das pauschal nur schwer zu beantworten ist…
Ein konservativer Mischfonds als Maßstab hat eine Aktienquote von 30 bis 40 Prozent. Das passt zu einem normalen Anleger. Damit kommt man auf ein Risiko von etwa zehn bis fünfzehn Prozent, gemessen am Maximum Drawdown, also dem maximalen Vermögensverlust, den man tolerieren muss. Man läuft also nicht Gefahr, plötzlich ein Viertel oder gar die Hälfte seines Vermögens zu verlieren, nur weil die Börsen stark schwanken. Wenn wir diese Aktienquote zugrunde legen, dann ist mit dem Ausblick auf das zweite Halbjahr nicht die Zeit, um Aktienquoten zu erhöhen. Jetzt ist eher die Zeit, um Gewinne mitzunehmen und die Aktienquote zu reduzieren, sie auf ein neutrales Niveau von 15 bis 20 Prozent zu halbieren und erst nach einem größeren Rücksetzer wieder zu erhöhen.

Für einen Privatanleger ist es aber psychologisch nicht so einfach, eine solche Strategie umzusetzen. Sie müssten verkaufen, wenn es super läuft, und kaufen, wenn es nicht mehr läuft.
Das funktioniert ohnehin nur dann, wenn man bereit ist – und jetzt wird es unangenehm – auch auf der Zinsseite entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Sie brauchen natürlich in einem Umfeld, wie wir es für das zweite Halbjahr erwarten, auch Bundesanleihen.

Da ist die Rendite aber doch minimal, bei kurzen Laufzeiten sogar negativ.
Langlaufende Bundesanleihen tragen aber über den Kurseffekt zu einer Risikominimierung im Depot bei. An dieser Wirkung, also Kursgewinne als Reaktion auf eine schwächere Konjunkturdynamik, hat sich auch in Zeiten ultraexpansiver Geldpolitik nichts geändert. Im Gegenteil. Die Ausschläge werden sogar eher größer, weil die EZB permanent Bundesanleihen kauft. Wenn dann auch noch die Profianleger und Privatanleger in Bundesanleihen investieren, sollte man eher am Anfang dabei sein, vor den zu erwartenden kräftigen Kursanstiegen. Das dämpft das Portfoliorisiko und verleiht eine gewisse Ruhe, um die Kursrückgänge am Aktienmarkt besser zu ertragen.

Das ist natürlich ein sehr aktives Portfolio-Management, das ohne professionelle Hilfe kaum funktioniert. Aber was ist denn mit „Buy and Hold“? Kann ich die Turbulenzen als langfristig orientierter Anleger nicht einfach aussitzen – Augen zu und durch?
Wenn Sie Ihre Anlage sehr langfristig sehen: definitiv. Es hängt natürlich davon ab, wie hoch Ihre Aktienquote ist und ob Sie größere Rücksetzer wirklich aushalten können. Und zwar ohne dass ihre mittlere Lebensplanung aus den Fugen gerät. Dann spricht nichts gegen „Augen zu und durch“. Wenn sie aber mithilfe aktiver Anlagestrategien ein paar Prozentpunkte mehr an Performance erzielen wollen, dann sind sie gezwungen, ab und an die Risiken zu erhöhen – und anschließend auch wieder zu reduzieren. Das ist wie im Straßenverkehr. Sie können einfach auf der mittleren Spur durchfahren oder Sie versuchen, sich rechts und links nach vorne durchzudrängeln.

Herr Preißler, vielen Dank für das Interview.

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1 Kommentar zu "Interview mit Anlageexperte Harald Preißler: „Das Störfeuer kommt, aber eben kein Flächenbrand“"

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  • Der Artikel bietet sehr viele gute und vernünftige Überlegungen und Einschätzungen. Eigentlich müßte man Beifall spenden und ich spende ihn auch.

    Aber leider gibt es auch ein Manko. Es fehlen die Worte "könnte", "vielleicht" und "möglicherweise". Die Darstellung ist somit apodiktisch und suggeriert, Herr Preißler würde die Zukunft ziemlich genau kennen. Warum sagt Herr Preißler nicht, dass er lediglich seine Visionen präsentiert und dass die Zukunft natürlich niemand kennt?

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