Interview mit Conrad Mattern
„Ich glaube an japanische Verhältnisse“

Der Boom an den Aktienmärkten ist vorbei, dem Dax droht ein empfindlicher Rückschlag, meint Conrad Mattern, Vorstand der Investmentberatung Conquest. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum die Notenbanken die Konjunktur nicht schützen können, welche Puts auf den Dax attraktiv sind und warum Bundesanleihen trotz Niedrigstrenditen kaufenswert sind.
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Herr Mattern, werden die Aktien-Optimisten recht behalten?

Das haben Sie schon, jedenfalls vom Frühjahr letzten Jahres bis etwa in den Oktober hinein. In der Zeit stiegen die Kurse sehr stark. Seitdem ist es eher seitwärts gegangen. Wahrscheinlich war dieser Boom ein Aufschwung, der von Liquiditätsschüben der Notenbanken initiiert war, ein sogenannter Crack-up-Boom.

Sie sagen, es war ein Boom?

Ja, weil er wahrscheinlich schon im Oktober 2009 vorbei war. Jetzt fällt es irgendwann zusammen. Man kann es psychologisch sehen. Es gibt die Phase der Erkenntnis, dann die der Hoffnung, zuletzt die der Anpassung. Ein Beispiel: Als unmittelbarer Effekt der Anschläge auf das World Trade Center 2001 fielen die Aktienkurse, dann keimte schnell Hoffnung auf, so dass die Kurse wieder stiegen, anschließend sackten die Börsen 2002 auf ein neues Tief.

Steht jetzt dieser zweite Abwärtsschub bevor?

Ich nehme es an. Für Anleger sollte das heißen: Dax-Puts mit langer Laufzeit kaufen, die Basispreise können bei der ersten Ziffer eine Vier tragen. Diese Puts kommen noch gut ins Geld.

Ziel wäre also ein Dax unter 4000 Punkten?

Genau, also ein Indexrückgang von über einem Drittel. Am Ende würden Panikverkäufe stehen wie im Frühjahr 2009, wie damals gefolgt von einer scharfen Erholung. Ich glaube an japanische Verhältnisse mit schwacher Konjunktur und deflationärem Umfeld. Das werden die Notenbanken nicht verhindern können. Mit der schlechten Konjunktur werden auch einige Rohstoffe nach unten gezogen, insbesondere Öl. Der Trend bei landwirtschaftlichen Produkten und beim Gold zeigt dagegen weiter nach oben.

Japanische Verhältnisse würden bedeuten, dass Anleger bei Anleihen trotz der schon stark gestiegenen Kurse immer noch gut aufgehoben sind?

Deutsche Bundesanleihen kann man weiter kaufen. Die Politik der Bundesregierung mit ihrem Schwerpunkt auf Haushaltskonsolidierung halte ich für gar nicht so schlecht. Aber allgemein habe ich bei Staatstiteln Bedenken.

Wegen der Krise im Euroraum

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Auch deswegen. Diese Krise ist längst nicht ausgestanden. Daher sollte auch der Euro weiter leiden. Ich kann mir vorstellen, dass er auf 1,10 Dollar fällt.

Conrad Mattern ist Vorstand der Investmentberatungsgesellschaft Conquest Investment Advisory mit Fokus auf Behavioral-Finance-Theorie. Er berätet und verwaltet mehrere Fonds.

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