Interview mit Daniel Just
„Mit realistischen Renditen zufriedengeben“

60 Milliarden Euro aus den Altersversorgungswerken soll Daniel Just gewinnbringend anlegen. Wie er das macht und warum dabei ein langer Atem wichtig ist, erklärt der Chef der Bayerischen Versorgungskammer im Interview.
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Herr Just, die Zahl von vier Prozent hat auch für Sie eine besondere Bedeutung.

Das ist richtig. Die von der Bayerischen Versorgungskammer verwalteten Versorgungswerke haben ein durchschnittliches Mindestrenditeziel von derzeit rund 3,8 Prozent. Aber um dieses Ziel auch bei Schwankungen am Kapitalmarkt zu erreichen und um die Längerlebigkeit auf Dauer zu finanzieren, muss man einen Puffer einplanen. Deswegen muss man noch ein Prozent drauflegen und sich eher an 4,8 Prozent orientieren. Wenn man risikoavers handeln will, kann man dies aber in unserer heutigen Zeit kurzfristig nicht erreichen.

Ist es also unmöglich, eine Rendite von vier Prozent zu erzielen?

Momentan schafft man das nicht, nur im langfristigen Mittel.

Wie gehen Sie dann derzeit vor?

Man muss langfristig denken. Wir haben eine hohe Immobilienquote und haben diese in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut. Auch haben wir in Wald in den USA, Ozeanien und Lateinamerika investiert, in Private Equity, in Infrastruktur- und Erneuerbare-Energien-Projekte, die langfristig Cash-Flow generieren. Das sind illiquide Investitionen, aber das stört uns nicht. Wir achten darauf, dass wir ausreichend liquide Mittel haben, um nicht zu ungünstigen Zeiten Investitionen abstoßen zu müssen. In Immobilien in Deutschland haben wir zuletzt nicht mehr so viel investieren können, wie wir wollten, weil wir merken, dass es dort Preisblasen gibt. Auch in Aktien und Anleihen von Schwellenländern sind wir investiert. Wir haben aber auch einen großen Teil in langweilige, risikolose festverzinsliche Renten gesteckt. Nur mit einer ausgewogenen Mischung kann man sein Renditeziel erreichen. Allerdings: Man muss sich mit realistischen Renditen zufriedengeben. Sonst geht man Risiken ein, die man später bereut.

Was kann der Privatanleger tun?

Für den Privatanleger gilt das Gleiche wie für uns: Mit einem langfristigen Horizont kann man Krisen aussitzen. Wenn man nur auf Rendite achtet, kann man sehr wohl über vier Prozent kommen: Wenn Sie sich spanische Staatsanleihen kaufen, kommen Sie über sechs Prozent. Aber dann müssen Sie auch mit einem hohen Risiko leben. Rendite ohne Risiko gibt es eben nicht. Sie müssen sich entsprechend entscheiden. Letztlich kommt es auf eine gute Mischung im Portfolio an - und dass man mittel- bis langfristig denkt. Dann kann man auch Krisen gelassen aussitzen.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin

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