Interview mit Dominik Kremer
Pioneer Investments: „Wir sehen gewaltige Chancen bei Aktien“

Für breite Kreise der Bevölkerung wird die Finanzkrise jetzt erst sichtbar, sagt Dominik Kremer, Deutschland-Leiter bei Pioneer Investments. Eine Rezession wäre für alle spürbar, die Krise an den Aktienmärkten war es nur für wenige. Genau hier sieht Kremer aber die gute Nachricht für Aktionäre: Die harte Korrektur habe an der Börse schon stattgefunden. Jetzt locken historische Chancen.

Wir stehen an einem Wendepunkt. Eine solche Zäsur haben wir etwa bei dem Crash 1987 erlebt. Starke Einschnitte waren auch die Einbrüche in den Schwellenländern vor zehn Jahren oder die Hedge-Fonds-Pleite von LTCM, ebenso die Talfahrt von 2000 bis 2002. Die aktuelle Krise ist ausgelöst durch die Verbriefung von Forderungen aus US-Immobilien. Dazu kamen andere Probleme wie die am Geldmarkt. Durch den Vertrauensverlust ist die Liquidität am Geldmarkt ausgetrocknet. In diesem Umfeld werden jetzt auch Aktien und Anleihen ganz anders bewertet.

Ich sehe eine allgemeine Verunsicherung. Das kommt auch daher, dass das breite Publikum die Finanzmärkte vorher gar nicht so stark wahrgenommen hat, jetzt sind sie täglich in den Nachrichten präsent. Aus diesem Grund ist die Angst vor einer Rezession jetzt umso größer. Dann müssten wir kleinere Brötchen backen. Allerdings muss ich sagen: Eine Rezession würde alle betreffen, die Krise an den Aktienmärkten trifft nur wenige. Die gute Nachricht für Anleger ist: Wir haben schon eine harte Korrektur an den Börsen hinter uns.

Heute sehen wir gewaltige Chancen bei Aktien, aber auch bei Unternehmensanleihen und Hochzinstiteln. Sicherlich kann es noch einzelne Rückschläge geben. Aber auf der anderen Seite erkenne ich durchaus eine Chance, wie man sie vielleicht nur einmal in einer Generation bekommt. Interessant ist die unterschiedliche Wahrnehmung bei den verschiedenen Anlegergruppen. Die Privaten macht der Gedanke an die Rezession vorsichtiger im Umgang mit dem eigenen Geld. Sie sehen eher die Risiken und verkaufen im Zweifel Aktien und Aktienfonds. Die Institutionellen sehen dagegen eher die Chancen, das haben wir als Investmentgesellschaft besonders im Krisenmonat Oktober gespürt.

Wer jetzt Orientierung sucht, sollte die Regeln für langfristiges Investieren berücksichtigen und sein Vermögen breit streuen. Zugegeben, es gibt eine psychologische Hürde, weil alle Vermögenswerte stark gefallen sind. Aber wer jetzt Aktien verkauft, der verkauft wohl nahe am Tiefpunkt. Sicher kann es wie im Jahr 2002 vor einer Wende noch einmal abwärts gehen. Aber jetzt werden die Gewinner der Zukunft gekürt, und das heißt dabei bleiben oder einsteigen. Mein Rat: Nerven bewahren, nicht von möglicher Panik anstecken lassen.

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