Interview mit Fredmund F. Malik: „Der Kapitalismus ist gescheitert“

Interview mit Fredmund F. Malik
„Der Kapitalismus ist gescheitert“

Der Managementexperte und Bestsellerautor Fredmund Malik über Konsequenzen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise - und warum sich niemand vorzeitig in Sicherheit wiegen sollte

Herr Malik, die Banken suchen erneut das Risiko, selbst dicke Boni werden wieder gezahlt. Haben Banker ein kurzes Gedächtnis und nichts aus der Finanzkrise gelernt?

Ja, aber nicht nur wegen des kurzen Gedächtnisses, sondern weil weiterhin mit althergebrachten Methoden gearbeitet wird, die ungeeignet sind, die Komplexität der Krise zu beherrschen. Es ist, als würden Sie ein Schiff weiter mit Hilfe eines Sextanten steuern, statt moderne Satelliten-Navigation zu verwenden.

Täuscht der Eindruck, dass auch den Staatschefs wenig Neues einfällt? Auf dem G8-Gipfel hielten sie sich erstaunlich bedeckt ...

Wahrscheinlich ist, dass der Gipfel von der allgemeinen Hilflosigkeit ablenken sollte. Die Versuchung ist groß, sich einer Politik zuzuwenden, die zwar populär, aber völlig ideenlos ist. Die bisherigen Maßnahmen greifen kaum.

Was läuft denn schief?

Ich denke zum Beispiel an die Frage nach der Haftung von Managern, aber auch an finanzielle Maßnahmen. Zum Teil verschlimmert man die Situation sogar, etwa durch Zinssenkungen. Niedrige Zinsen haben die Krise doch maßgeblich mitverursacht.

Rund um den Globus investieren die Staaten kräftig in Hilfsprogramme. Bringt das denn nichts?

Wir wiederholen genau jene Fehler, die die Japaner in den 90er-Jahren gemacht haben. Dort hat man seitdem etwa 15 große Pakete verabschiedet, um die Konjunktur anzukurbeln. Sie haben alle nichts genutzt. Das Geld kam in der Realwirtschaft nicht an. Und das zeigt sich jetzt auch. Höchstens fünf Prozent der beinahe 1 000 Mrd. Dollar, die die Amerikaner in Konjunkturpakete investieren, kommen in der Wirtschaft an; in Deutschland ist es weniger als ein Prozent.

Es gibt aber bereits Anzeichen für eine Erholung der Wirtschaft. Auch an der Börse sind die Kurse gestiegen.

Wer jetzt Entwarnung gibt, hat anscheinend nicht die Krise der 30er-Jahre studiert. Die aktuelle Erholung an der Börse ähnelt der von 1930, als auf den Crash im Oktober 1929 eine sensationelle Rally bis hinein in den April folgte. Zu diesem Zeitpunkt gaben alle Auguren der damaligen Zeit Entwarnung. Man glaubte auch an die Wirksamkeit der Fed-Maßnahmen. Dabei begann das Debakel erst. Am Ende stand der Dow Jones im Jahr 1932 bei 40 Punkten.

Seite 1:

„Der Kapitalismus ist gescheitert“

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%