Interview mit Friedrich von Metzler
„Wir stehen vor fünf bis zehn Jahren Wirtschaftswunder“

Friedrich von Metzler zählt zu den wenigen Bankern, denen in der Finanzkrise Vertrauen geschenkt wurde. Auch Kanzlerin Angela Merkel hört auf seinen Rat. Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußert sich der Privatbankier über die Schuldenkrise, rosige Konjunkturaussichten und das Jahr der Aktie.
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Herr von Metzler, Ihre Bank ist seit 336 Jahren im Bankgeschäft. Hat es überhaupt schon einmal so eine Finanzkrise gegeben, wie wir sie jetzt erleben?

Oh, ja, sogar noch viel schlimmere. Denken Sie an den Beginn des letzten Jahrhunderts Die 20iger Jahre, die 30iger Jahre, die Hyperinflation.

Also waren Vermögen schon immer gefährdet?

Ja, denken Sie nur an den Ersten Weltkrieg, da haben wir und unsere Kunden viel Geld verloren, weil Auslandsvermögen enteignet wurden. 1923/24 war die Hyperinflation, viele Stiftungen, die damals nicht in Aktien und Immobilien investiert waren, haben mit vermeintlich mündelsicheren Anleihen ihr komplettes Vermögen verloren. Dann gab es die Weltwirtschaftkrise 1931/32, da wurden die meisten Banken vom Staat gestützt, wir übrigens nicht. Dann kam die Währungsreform 1948, durch die klar wurde, dass die Nominalvermögen vorher schon durch Inflation verloren gegangen sind.

Hätte man sich schützen können?

Aktien haben überlebt, die fielen zwar im Wert, haben in den 50iger Jahren ihren Wert wieder aufgeholt und dann deutlich steigern können.

Das passt zur Diskussion um die Schuldenkrise in Europa und um die Beteiligung der Anleihegläubiger an der Haushaltssanierung. Aktien wären dann ja auch heute die sicherere Anlage?

Wir sind der Ansicht, dass Aktien heute sicherer sind als manche Staatsanleihen und mehr Perspektive bieten. Bundespapiere sind natürlich sicher, aber manche Staatsanleihen sind es nicht.

Was halten Sie von Euro-Bonds?

Also, Deutschland ist, seit es die EWG gibt, immer Hauptszahler gewesen, das war auch gut für uns. Und wir werden auch Hauptzahler bleiben, weil wir wirtschaftlich stark sind und am meisten vom Euro profitieren. Die Entwicklung in den letzten Monaten hat der Öffentlichkeit erst bewusst gemacht, wie stark die einzelnen Länder verschuldet sind. Daher wollen wir keine Euroanleihen, weil der disziplinierende Effekt der Märkte künftig nicht mehr existieren würde. Da hat unsere Regierung unter Merkel und Schäuble durchaus Recht.

Aber fehlen nicht die Sanktionen für Verstöße?

Verstöße gegen den Stabilitätspakt bleiben ein Problem. Die jüngsten Maßnahmen der Europäischen Einrichtungen im Zusammenhang mit der Griechenlandhilfe setzt die Regierung in konkreten Sparmaßnahmen um. Da wurden Gehälter gesenkt, Pensionen gekürzt, da ist ein Maßnahmenkatalog entstanden, der ohne den Druck der Märkte undenkbar wäre.

Und die Euroanleihe würde alle Bonitäten einebnen …

Aber natürlich, den Regierungen würde das Heft aus der Hand genommen, große Strukturreformen könnten die Staatschefs nicht mehr verlangen. Die Disziplin, den Haushalt in Ordnung zu bringen, würde schlagartig wegfallen.

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