Interview mit Jim O'Neill
„Anleger sollten jetzt Aktien kaufen“

2009 wird ein gutes Jahr für Aktien. Davon ist Jim O'Neill, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, überzeugt. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er, warum wir das Schlimmste hinter uns haben, welche Länder die Erholung anführen werden und weshalb die Schwellenländer gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Herr O'Neill, die etablierten Märkte sind gegenüber ihren Tiefständen um 30 Prozent gestiegen, und die Emerging Markets haben sich sogar noch besser entwickelt. Manche Leute sprechen bereits von "einer neuen Hausse", viele andere rechnen jedoch mit einem Rückschlag. Was ist Ihre Meinung zu den Märkten?

Meine Überzeugung war und ist, dass 2009 ein gutes Jahr für Aktien sein würde. Bis vor kurzem gehörte ich mit dieser Auffassung zu einer kleinen Minderheit. Ich denke, dass der S&P 500 in den USA weiter anziehen könnte. Außerdem denke ich, dass die großen Emerging Markets weiterhin eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erfahren werden.

Viele Anleger betrachten die Erholung an den Aktienmärkten mit Vorsicht. Gleichzeitig fragen sie sich aber, ob sie eine günstige Gelegenheit verpassen, wenn sie jetzt nicht investieren. Was sollten die Anleger tun?

Die Risikoprämien auf Aktien sind derzeit immer noch so hoch, dass sie mich zu der Überzeugung bringen, dass die Renditen auf Aktien in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich wirklich hoch sein werden. Deshalb sollten die Anleger investieren.

Wie weit hinkt die Wirtschaft hinter der Rallye am Aktienmarkt her?

Ungefähr ein Vierteljahr. Unser eigener weltweiter Frühindikator, der GLI, drehte vor zwei Monaten nach oben. Dies ist für mich ein Hinweis, dass wir bis zum dritten Quartal eine leichte konjunkturelle Erholung in den USA haben könnten und eine kräftige Erholung in China.

Wann rechnen Sie mit einer konjunkturellen Trendwende und wie schnell wird sich die Wirtschaft erholen?

Ich glaube, es wird sich zeigen, dass das vierte Quartal 2008 und das erste Quartal 2009 am schlimmsten waren. Bis Mitte 2010 werden wir uns alle fragen: "Wozu die ganze Aufregung?" Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird 2010 weltweit 3,2 Prozent betragen und damit so viel wie in den letzten 25 Jahren.

Welches sind die hauptsächlichen wirtschaftlichen Risiken?

Es gibt viele - aber die sind nicht nur nach unten gerichtet. Schließen Sie nicht das Risiko eines höheren Wachstums aus. Protektionismus und eine verfrühte Verschärfung der Geld- und Finanzpolitik sind offensichtliche Risiken.

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