Interview mit Martin Mack
„Die meisten Staaten gehen nicht Pleite – sie sind es schon“

Der Vermögensverwalter Martin Mack malt ein düsteres Szenario für die Märkte. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, wie die Notenbanken den Crash provozieren – und warum dieser bisher trotzdem ausgeblieben ist.
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FrankfurtHerr Mack, Sie prophezeien schon seit längerem einen Crash an den Finanzmärkten. Doch der ist bislang ausgeblieben. Wann ist es so weit?

Man kann Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten aufzeigen, wann diese allerdings eingepreist werden, ist selten klar abzusehen. So lange die Notenbanken die ultralockere Geldpolitik weiter verfolgen, kann das den Anstieg der Aktienmärkte sogar noch beschleunigen und eine Bereinigung verzögern.

Warum soll der Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik nicht gelingen?

Das grundsätzliche Problem ist, dass wir uns nahezu weltweit in einer Überschuldungssituation befinden. Über die vergangenen Jahrzehnte wurden soviel Schulden aufgeladen, dass diese selbst bei Null Prozent Zinsen kaum noch tragbar sind. Ein steigender Zinsaufwand, gemessen an den überschaubaren Staatseinnahmen  und gigantischen Staatsausgaben, wäre nicht verkraftbar, so dass die Fed wieder der Notenpresse einsetzen könnte. 

Welche Gefahren sehen Sie?

Jede Krise – vor allem seit der Pleite des US-Hedge-Fonds LTCM im Jahre 1998 – wird dadurch ‚gelöst’, indem noch mehr Geld gedruckt wird. Es ist absehbar, dass uns die Rechnung dafür präsentiert wird. Ein Weiter so, kann in einer Hyperinflation münden.  

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen bereits erhöht und der Inflation den Kampf angesagt.

Reine Kosmetik - nur um nicht noch einen weiteren Vertrauensverlust zu erleiden. Wer soll mit 25 Basispunkten Zinserhöhung denn ernsthaft beeindruckt werden, wenn sich die unter dem Begriff systemrelevant vollkaskoversicherten Banken gleichzeitig in unbegrenzter Menge Geld zum Spielen ausleihen dürfen? Ob EZB, Fed, Bank of England oder Bank of Japan – ich sehe keinen Einäugigen!

Was würden Sie anders machen?

Es ist mehr als überfällig darüber aufzuklären, dass unser bisheriges System der Aufschuldung so nicht weiter funktionieren kann. Wir befinden uns in einer Überschuldungskrise, die durch zusätzliche Verschuldung gelöst werden soll – absurd! Durch kreditfinanzierten Konsum ist noch nie jemand dauerhaft zu Wohlstand gekommen. Was wir benötigen ist eine solide Basis, auf der wir wieder vernünftig aufbauen, verlässlich planen und somit wirtschaften können. Die Frage ist nur, ob die Schmerzen der Anpassung früher kommen und noch verkraftbar sind oder von den Märkten durch massiven Vertrauensverlust unkontrollierbar erzwungen werden. Schmerzhafte Einschnitte sind unvermeidbar, doch es ist die einzige Möglichkeit.

Was meinen Sie mit Einschnitten?

Schauen Sie sich die Entwicklung der europäischen Schuldenkrise an. Mittlerweile wissen wir, dass alles nichts genützt hat und mit der Täuschung der Märkte bisher nur Zeit gewonnen beziehungsweise verloren worden ist. Die Garantien, Bürgschaften und avisierten Rettungsschirme konnten das absehbar Unvermeidliche bisher nicht verhindern. Nun wird offen über einen Schuldenschnitt im Falle Griechenlands diskutiert, aber das ist erst der Anfang. Was erforderlich ist, ist eine grundlegende Sanierung der Staatsfinanzen und wie auf Unternehmensebene muss dazu auch bei Überschuldung die Konsequenz einer Insolvenz gehören. Ich halte den Einstieg in die Transferunion für fatal!

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  • Etwas vom besten was ich seit langem gelesen habe.

    Den Zeitpunkt des Knalls kann niemand voraussagen; dass er kommen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

  • Realistische Einschätzung der Situation bis auf den Punkt dass das Deflationsgespenst immer noch akut ist. Oder aus welchem Grund drucken die Notenbank Geld aus dem Nichts. Ich denke, dass ist auch der Grund warum Herr Mack so vorsichtig agiert. Des Weiteren sollte man nicht außer Acht lassen (wie die meisten Ökonomen es gerne tun) dass noch in der Geschichte Zinseszinssysteme überlebt haben. Das Verfallsdatum kommt immer näher.

  • Mh? Scharlatan? Das ist wohl etwas heftig, finde ich. Der Herr Vermögensverwalter hat seine Strategie und solange er Mandanten findet die diese mit ihm teilen .... Nun die Kunst ist es in der Vermögensverwaltung frühzeitig Trends zu erkennen und für seine Mandanten zu Nutzen, egal ob es einen nun passt oder nicht. Sicherlich ist vieles von dem geäußerten richtig, nur wenn die Kurse steigen sollte man investieren. Er hat es schlicht verpasst und redet jetzt sehnsüchtig die Krise herbei - die ohne Zweifel auch kommen wird. Nur wann? Steht der Dax dann bei 8.000 oder 9.000? Kann ich als Verwalter wirklich solange zuschauen? NEIN! Solange wir diese Liquiditätshausse haben muss sie genutzt werden. An der Börse zählt das richtige Timing - und nur das! Und hier ist die Leistung einfach schlecht. MfG Kunze

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