Interview mit Robert Halver
Experte: „Das Vertrauen kehrt zurück“

Der Deutsche Aktienindex kann bis Ende des Jahres auf 6 000 Punkte steigen, sagt Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Im Handelsblatt-Interview spricht er über die Ursachen und Grenzen der aktuellen Börsenrally, die langfristigen Aussichten für Aktien und den wahren Grund für die anziehenden Rohstoffimporte aus China.

Handelsblatt: Seit Anfang März sind die wichtigsten internationalen Aktienindizes um über 30 Prozent gestiegen. Wie ist diese plötzliche Gegenbewegung zu erklären?

Halver: Wir sehen eine liquiditätsgetriebene Rally, die vor allem die USA gewollt und mit dramatischen Finanzmitteln angestrebt haben. Anleger schichten momentan um: Rein in Aktien, raus aus risikoärmeren niedrig verzinsten Anlagen. Das Vertrauen kehrt wieder in den Markt zurück und es mussten die Investoren wieder einsteigen, die bislang die positive Marktentwicklung verpasst haben und jetzt unter Anlagenotstand leiden.

War das der Startschuss zur nächsten Hausse an den Aktienmärkten oder haben wir es mit einer Bärenmarkt-Rally im intakten Abwärtstrend zu tun?

Für eine anhaltende Erholung sind zwei Komponenten notwendig. Erstens: Die Rückkehr des Vertrauens in die grundsätzliche Überlebensfähigkeit der Finanzmärkte. Da zeichnet sich eine deutliche Stärkung ab. Vertrauen stellt das Fundament und eine Grundbedingung für eine langfristige und nachhaltige Erholung der Wirtschaft dar.

Die zweite notwendige Komponente ist die erfolgreiche Bekämpfung der globalen Rezession. Wichtigen Frühindikatoren, die Auskunft über die künftige Wirtschaftsentwicklung geben, zeichnen zunehmend ein positiveres Bild und lassen zumindest auf eine Stabilisierung der Lage schließen. Doch der Wirtschaftabschwung ist noch nicht beendet. So bestehen beispielsweise weltweit noch immer massive Überkapazitäten, die erst abgebaut werden müssen.

Wieviel Potenzial hat die aktuelle Erholungsbewegung noch?

Auf den Dax bezogen sind Notierungen oberhalb der 5 000er-Marke durchaus möglich. Spätestens dann aber dürfte der Aktienmarkt eine Unterfütterung des Vertrauensvorschusses mit harten konjunkturellen Fakten fordern, bevor es zu einer nachhaltigen Stabilisierung an den Börsen kommt. Im Zuge dieses Tests kann es noch einmal in den Bereich um 4 400 Punkte gehen.

In welcher Spannbreite wird sich der Dax bis Ende 2009 bewegen?

Das Marktrisiko von 4 100 Punkten sollte nicht mehr unterschritten werden. Schon deshalb, weil ein erneuter Ausverkauf angesichts der harten Liquiditäts- und Stimulierungsdrogen schwierig wird und auch politisch nicht gewollt ist. Allerdings wird die Volatilität hoch bleiben. Bis Ende des Jahres könnte sich der deutsche Leitindex sogar wieder bis zu 6 000 Punkten vorarbeiten und damit die bisherige eindeutige Tendenz, wonach ohne Ausnahme jedes Rezessionsjahr im Nachkriegs-Deutschland ein gutes Aktienjahr war, bestätigen.

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