Interview
„Mit Schmuck oder Autos das Hobby vergolden“

Eine Designeruhr am Handgelenk, ein Oldtimer in der Garage und im Tresor edler Schmuck und Briefmarken. Das klingt nach einem gut angelegten Vermögen. Doch ganz so einfach ist das Investment in alternative Anlagen nicht.
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Handelsblatt Online: In Zeiten volatiler Märkte vergeht vielen Anlegern die Lust an der Investition in Aktien. Steigt die Nachfrage nach Sachwerten wie Briefmarken, Oldtimern, Münzen oder Schmuck?
Michael Huber: Wir beobachten, dass das Geld für solche Investments lockerer sitzt. Bei vielen Kunden eint sich der Wunsch nach Risikostreuung und Werterhaltung mit dem Vergnügen an der Investition in schöne Dinge. Von einem Run auf solche Sachwerte würde ich aber noch nicht sprechen.

Was empfehlen Sie privaten Investoren, die ihr Geld nicht allein in Aktien und andere konventionelle Anlageformen investieren wollen?
Das Wichtigste bei alternativen Geldanlagen ist eine gute Beratung. Sachwerte wie Oldtimer, Schmuck, Briefmarken und Ähnliches haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Nur sehr hochwertige Stücke behalten auf Dauer ihren Wert. Deshalb sollten Neulinge immer den Rat eines Profis einholen und nie auf eigene Faust etwas kaufen.


Für welchen Anlagezeitraum sind alternative Investments geeignet?
Solche Sachwerte sind nichts für Anleger, die auf schnelles Geld aus sind. Es handelt sich dabei um mittel- oder langfristige Investitionen, bei denen man quasi nebenbei einen Teil seines Vermögens sichert oder beim Verkauf sogar eine ansehnliche Rendite erzielen kann. Wer zwischenzeitlich schnell Bares braucht, sollte aber lieber nicht auf diese alternativen Sachwerte setzen.


Was unterscheidet den Markt der alternativen Anlagen von Aktien und Co.?
Anders als bei Aktien oder auch Gold gibt es etwa für Uhren oder Briefmarken keine zentralen Handelsplätze. Bis sich ein Käufer findet, der einen angemessenen Preis zahlt, können schon mal Wochen oder Monate vergehen. Außerdem sind die Märkte sehr intransparent. Für den Anleger ist es kaum möglich, sich einen umfassenden Überblick über Angebot und Nachfrage zu verschaffen.

Wie groß darf der Anteil solcher Anlagen im Portfolio sein?
Maximal zehn Prozent.

Welche Risiken sind aus Ihrer Sicht mit der Investition verbunden?
Die Liste der Risiken fängt schon damit an, dass die Gegenstände irgendwo gelagert und vor Diebstahl geschützt werden müssen. Manche benötigen auch eine besondere Pflege. Oldtimer beispielsweise kann man nicht jahrelang einfach in der Garage wegschließen und teure Briefmarken sollte man nicht achtlos im Kleiderschrank lagern. Auch ein veränderter Modegeschmack kann zu Wertverlusten führen, beispielsweise bei Uhren.


Wem würden Sie die Investition in Schmuck, Uhren und Ähnliches dennoch empfehlen?
Wer sich ohnehin mit solchen Dingen beschäftigt, kann sein Hobby vergolden. Ich würde aber niemandem raten, aus Angst vor Kurseinbrüchen übereilt und ohne Vorkenntnisse in die benannten Sachwerte zu investieren.

Michael Huber ist Vermögensverwalter beim VZ Vermögenszentrum Frankfurt.


Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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