Interview mit Stefan Angele
„Wir werden große Überraschungen erleben“

Staaten türmen riesige Schuldenberge auf, Notenbanken überschwemmen die Welt mit billigem Geld. Was sind die Folgen? Höhere Inflation und niedriges Wachstum, befürchtet Stefan Angele, Chefanlagestratege der Vermögensverwaltung Swiss & Global. Im Interview erklärt er, warum an der Börse trotzdem noch etwas zu holen ist und wo er jetzt Geld für seine Kinder anlegen würde.
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Herr Angele, die drohende Zahlungsunfähigkeit von Dubai hat die Märkte geschockt, die Börsen brechen ein. Folgt dem langen Aufschwung jetzt ein längerer Rückschlag oder nutzen die Anleger die Gelegenheit lediglich für Gewinnmitnahmen?

Tatsächlich kam die Nachricht aus Dubai ziemlich überraschend, wie man an der Reaktion der Märkte gut erkennen kann. Es handelt sich jedoch nicht um die Zahlungsunfähigkeit von Dubai, sondern es geht lediglich um den Wunsch eines Zahlungsaufschubes einer staatsnahen Holding-Gesellschaft in Dubai. Das Problem scheint mir auch eher die unzureichende Kommunikation über die Gründe als die Schulden-Restrukturierung selber zu sein. Die Märkte dürften sich daher wohl rasch wieder beruhigen, auch wenn verschiedene Investoren nun ihre Gewinne ins Trockene zu bringen versuchen.

Wie groß schätzen Sie die Gefahren ein, die von Dubai ausgehen? Sind die Finanzverstrickungen so eng, dass ein Flächenbrand droht?

Ich verstehe die Nervosität der Anleger und die Sorgen, dass dies der Anfang einer neuen Finanzkrise sein kann, erwarte jedoch keinen Flächenbrand. Da hätten schon eher die Probleme um die amerikanische CIT vor einigen Wochen Anlass zu gegeben. Wie wir wissen, wurde dies jedoch von den Märkten gut verdaut.

Drohen weitere ähnliche Fälle bis hin zu einem Neuaufflammen der Finanzkrise?

Die Situation in Dubai führt uns einmal mehr vor Augen, dass auch Anleihen keine risikolosen Anlagen sind. Mich würde es jedoch sehr wundern, wenn daraus ein Neuaufflammen der Finanzkrise entstehen würde. Umstrukturierungen von Krediten sind an sich nichts Ungewöhnliches und kommen oft vor, manchmal auch etwas überraschend. Das wird auch in Zukunft so sein und bestätigt unsere Meinung, dass auch Anleihenportfolios von Spezialisten aktiv verwaltet und eng überwacht werden sollten.

Der jüngste Rückschlag an den Aktienmärkten folgte auf eine beispiellose Rally. Sind die Börsen zu weit vorausgelaufen?

Sie sind voraus gelaufen, aber nicht zu weit. Die Aktienmärkte hatten recht. Wenn man aus der ganzen Informationsflut die entscheidenden Fundamentaldaten, Stimmungsindikatoren, aber auch die Wachstumszahlen herausfiltert, wird man feststellen, dass sich die Lage deutlich verbessert hat. Ich würde sagen, Aktien sind momentan fair bewertet.

Warum haben so viele Investoren die Rally verpasst, darunter auch Profis?

Die Hemmschwelle nach den riesigen Verlusten im letzten Jahr in Aktien zu investieren, war sehr hoch. Dass viele Anleger jetzt immer noch auf Cash sitzen, ist bedauerlich. Es wird für sie natürlich immer schwieriger, den richtigen Zeitpunkt zu finden und den Mut zum Einstieg aufzubringen.

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  • sehr informativ !!

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