Interview mit Ulrich Kater: „Der Dax wird die 8.000er-Marke überschreiten“

Interview mit Ulrich Kater
„Der Dax wird die 8.000er-Marke überschreiten“

Das Ende der Krise ist noch nicht erreicht, ist Ulrich Kater überzeugt. Trotzdem sieht der Chefvolkswirt der Deka-Bank gute Chancen für Anleger. Nicht nur der Dax könnte weiter durchstarten.
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Herr Kater, alles sehnt sich nach dem Ende der Krise. Sind wir wirklich durch?
Vorsicht! Wir sind einen guten Schritt bei der Bewältigung der Krise vorangekommen, aber das Ende ist sicherlich noch nicht erreicht. Die Finanzkrise ist jetzt eingedämmt und damit auch die wichtigsten Panik-Faktoren. Für die gesamte Bewältigung der Krise dürfte man in etwa zehn Jahre brauchen. Fünf Jahre sind vorüber, also haben wir immerhin schon einmal die Hälfte des Weges hinter uns gebracht. Man kann dabei auch die Politik loben: Mit ihren Eingriffen hat sie es geschafft, eine Wiederholung der Abwärtsspirale aus den 30er-Jahren zu verhindern.

Die Banken sind für Sie das eigentliche Problem?
Unser Finanzsystem ist weiterhin überschuldet, darum dreht sich alles. Zudem gibt es kein klares Bild darüber, wie gut oder schlecht die Qualität der Kreditbestände bei den Banken ist. Wir stehen unverändert vor der Aufgabe, dass die Explosion der Kreditvergabe seit den 70er-Jahren korrigiert werden muss.

Aber wie wollen Sie das erreichen?
Nachdem zu freie Märkte im Finanzbereich zu große Nebenwirkungen anrichten, bleibt hier nur die Regulierung. Klare Grenzen schaffen neues Vertrauen, das wir auf den Finanzmärkten so dringend brauchen. Die Banken werden davon in erster Linie betroffen sein, die Welt der Kreditinstitute wird deshalb komplett umgekrempelt. Sogar die ansonsten sehr Banken-freundlichen Briten setzen jetzt harte Regeln durch.

Für Sie ist der Euro demnach nur eine Randerscheinung in der Finanzkrise?
Ich würde den Euro als ein Baustein der Krise sehen, weil er den Südländern in der EU eine hohe Verschuldung erlaubt hat. Aber letztlich war der Euro nur eine Art Begleiter. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Faktoren, die zur Finanzkrise geführt haben.

Was genau?
Die Deregulierung der Finanzsysteme ist sicherlich zu weit gegangen. Dann haben die Zentralbanken mit ihren niedrigen Zinsen auch einen großen Beitrag geleistet. Schließlich ist dann noch die systemische Aufsicht über die Bankenwelt verlorengegangen.

Kommentare zu " Interview mit Ulrich Kater: „Der Dax wird die 8.000er-Marke überschreiten“"

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  • Danke für Ihre Berichtigung und den Informationen. Zeigt es doch wieder einmal dass die Medien händeringend versuchen schön Wetter zu machen und die Menschen in dem Glauben zu wiegen dass alles besstens ist. Hat freilich mit der Realität herzlich wenig zu tun.

  • Der DAX wurde schon immer Dividenden indiziert berechnet.Das meiste Geld der deutschen Kleinsparer,sofern überhaupt noch an der Börse engagiert, liegt aber in Aktienfonds und die wenigsten dieser Fonds können ihren Vergleichsindex über die Zeit outperformen.Richtig ist deshalb die Meinung eines anderen Mitforisten, z.B. bei einer DAX-indizierten Fondsanlage( als Einmalanlage zu verstehen) seit dem z.B. dem Jahre 2000, die Inflationsrate,den Ausgabeaufschlag,die Depotkosten sowie Management- und Verwaltungsgebühren in die Berechnung der Performance einzubeziehen und diese einer risikolosen Gelanlage mit langer Laufzeit im gleichen Zeitraum gegenüber zu stellen(Sharpe-Ratio).Für diese gab es übrigends im Jahre 2000 zwischen 6-8 Prozent per anno,je nach Gusto.
    Daraus ergibt sich bei einer Anlagesumme von 8000 Euro(entspricht in etwa den DAX Punkten im März des Jahres 2000)bei 13 Jahren Laufzeit und 6 % Zins und dem ensprechendem Zineszins den Betrag von 17063 Euro.
    Dieses Ergebnis einer risikolosen Geldanlage, zum Beispiel einer Landesschuldverschreibung des Bundeslandes Hessen Laufzeit bis 2014, übrigends zu Recht mit Tripple A bewertet ,ist nun dem heutigen DAX stand von 7630 Punkten entgegen zu stellen.Allerdings müssen bei einer Aktienfondsanlage ja noch oben erwähnte Kosten ihre Berücksichtigung finden.

  • @azaziel

    Sie sehen vieles richtig, aber nein, "Sparen" führt nicht in die Depression, Sparen ist eine Konsequenz der Depression bzw. des vorhergehenden Booms. Also genau umgekehrt, es ist die notwendige Folge.
    In der Depression werden nämlich die während des vorhergehenden Booms gemachten Fehlinvestitionen von Kapital (nicht mit Fiatgeld verwechseln!) realisiert, dh. "bezahlt". Kapital wurde vernichtet (z.B. man schaue sich die Bauruinen eines Immobilienbooms an) und dieses muß jetzt "verbucht" werden, jemand muß die Verluste tragen und für die Sünden büßen, dh. sparen. Die Frage ist: wer?

    Leider ist in unserem inzwischen komplett verlotterterten Finanz- und Wirtschaftssystem (von der Politik gar nicht zu reden), das mit Marktwirtschaft nichts zu tun hat, es nicht notwendigerweise der Schuldige an den Fehlinvestitionen, der am Ende das vernichtete Kapital wieder hereinsparen muß. Wie wir die letzten Jahre gesehen haben, werden vielmehr alle Register gezogen, um diese Last vorwiegend auf die kleinen Steuerzahler und Sparer "umzuverteilen".

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