Interview mit: Vermögensverwalter Marc Faber
„Starke Belastungen“

Marc Faber ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Marc Faber Limited in Hongkong. Mit dem Handelsblatt sprach er über neue geopolitische Spannungen und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte.

Herr Faber, Sie beobachten als Vermögensverwalter in Hongkong den Aufstieg Chinas zur Weltmacht des 21. Jahrhunderts. Welche geopolitischen Fragen wirft das auf?

China ist nach eigenem Empfinden von eher feindlichen Kräften umgeben: von Japan und den US-Militärbasen im Pazifik. Das Verhältnis zu Japan ist seit kurzem eingetrübt, weil Japan und die USA eine strategische Allianz bildeten mit dem Ziel, den Status quo in Taiwan aufrecht zu erhalten. Taiwan hat eine Schlüsselrolle, weil die wichtigen Tankerrouten für den Öltransport vom Mittleren Osten in die großen Verbraucherländer wie USA und Japan an der Südspitze der Insel vorbei laufen.

Spielt neben USA und Japan auch Russland eine Rolle?

Auf alle Fälle. Vor Jahren bildeten China und Russland eine Allianz, die die zentralasiatischen Staaten wie Kasachstan oder Usbekistan einbezieht. Diese Shanghai Corporation Organization verlangte von den USA einen Zeitplan für den Rückzug ihrer Militärs aus Zentralasien und Afghanistan. Iran, Indien, Pakistan und die Mongolei haben Beobachterstatus. Wenn sie der Organisation beitreten sollten, würde diese fast die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentieren. Der Punkt ist: Die stärkere Bindung der USA an Japan hat China näher an Russland rücken lassen.

Kommen wieder Rohstoffüberlegungen ins Spiel?

Sie sind ganz entscheidend. Die zentralasiatischen Staaten haben reiche Öl- und Gasvorkommen. Außerdem erhält China einen Teil seiner Ölimporte aus dem Iran – über Zentralasien. Darüber hinaus wollen Indien und Iran eine Pipeline durch Pakistan bauen. Die USA sind dagegen. Es ist klar, dass China, die USA und zunehmend Indien, mehr und mehr Öl brauchen. Wegen des begrenzten Angebotes werden die Spannungen steigen.

Gehen wir nach dem Ende des Kalten Krieges in eine neue Ära der Spannungen?

Historiker haben eine Kriegszyklustheorie, die auf Hegemonialstreben beruht. Heute sind die USA eine wirtschaftlich dominante Macht, Ende des 19. Jahrhunderts war es Großbritannien. Damals stellte das schnell wachsende Deutschland die Vorrangstellung der Briten in Frage, heute rütteln die Chinesen an der Dominanz der Amerikaner – in Zukunft werden auch die Inder mitmischen. Oft kommt es in solchen Phasen durch anziehende Rohstoffpreise zu steigenden Spannungen bis hin zu Kriegen – dann explodieren die Preise für Commodities.

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