Interview Peter Bernholz

„Die Rolle der EZB ist absolut gefährlich“

Der Euro ist nur gefährdet, weil Politiker die Europäische Zentralbank in der Schuldenkrise zu Hilfsmaßnahmen drängen, sagt der Baseler Professor Peter Bernholz. Eine höhere Inflation werde die Folge sein, warnt er.
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Peter Bernholz. Quelle: Pressefoto

Peter Bernholz.

(Foto: Pressefoto)

FrankfurtHerr Bernholz, welche Vermutungen über den weiteren Fortgang der Schuldenkrise lässt der Rückblick in die Geschichte zu?

Peter Bernholz: Man hätte die Griechen im Frühjahr 2010 nicht auffangen sollen. Ein Staatsbankrott wäre besser gewesen, da eine Rettung von systemrelevanten Banken billiger gekommen wäre. Jetzt ist die Lage viel schwieriger. Auf dem Papier haben die anderen Euro-Länder zwar nur Garantien übernommen da aber Griechenland und Portugal und vielleicht auch andere Länder ihre Schulden  nie werden zurückzahlen können, handelt es sich um eine Schuldenübernahme durch die stärkeren Länder. Dies erklärt auch die jüngste Drohung von Standard & Poor's, das Rating selbst von Deutschland herab zu setzen.

Was bedeutet das?

Ein  Staatsbankrott lässt sich also nicht vermeiden, obwohl im griechischen Fall von „freiwilligem Verzicht“ der privaten Gläubiger die Rede ist, um den Begriff Bankrott und die Rating-Einstufung „Default“ zu vermeiden. Jetzt sind auch andere Staaten gefährdet. Wenn die Finanzakteure Angst haben, breitet sich die Krise weiter aus. Der gefährlichste Vorschlag der Politiker ist jetzt: Die EZB soll unbegrenzt die Schulden aufkaufen. Das würde die Schulden monetisieren und die Unabhängigkeit der Notenbank endgültig beseitigen.

Sollten wir vom Ansatz „Schulden bekämpfen mit noch mehr Schulden“ abgehen?

Die Schulden werden bisher nur verlagert, deshalb halte ich nichts davon. Genauer gesagt: Es ist eine reine Schuldenverlagerung, wenn die Krisenländer nicht mehr zurückzahlen können – was eher wahrscheinlich ist. Dann greifen die gegebenen Garantien. Andere Länder geraten in den Strudel. Damit steigt auch die deutsche Verschuldung. Die sogenannten Target 2-Verrechnungssalden zwischen den nationalen Notenbanken sind übrigens auch eine Schuldenverlagerung zur Bundesbank, die Probleme für die Bundesbank und damit Deutschland signalisiert. Ich sehe enorme Gefahren vor uns.

Gibt es eine Alternative zu diesem Weg in die Haftungs-/ Transferunion?

Auch in diesem Fall werden die Schulden verlagert. Sie bleiben an den Steuerzahlern der soliden Länder hängen. Ein EU-Finanzministerium müsste Konsolidierungsmaßnahmen in den weniger soliden Ländern durchsetzen können. Die Ursache der ganzen Probleme liegt in unsolidem Wirtschaften. Es begann mit den Zinssenkungen nach dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends. Billige Kredite erzeugten die Immobilienblase in den USA und anderen Ländern. Diese Politik wurde von Notenbanken und Politikern gefördert. Jetzt sind wir praktisch sogar bei einer Null-Zins-Politik angekommen. Wir sind auf dem gleichen Weg wie Anfang des Jahrtausends, aber einen ganzen Schritt weiter.

Wie bewerten Sie die Rolle der EZB als Monetisierer der Staatsschulden?

Eine solche Rolle ist absolut gefährlich. Die Zentralbanken sind dann von der Politik abhängig, machen eine expansive Geldpolitik mit letztlich höherer Inflation. Das kann man gut aus der Historie belegen. Nach dem 2. Weltkrieg hatten die USA, Deutschland und die Schweiz unabhängige Notenbanken und geringere Inflationsraten. Die Zentralbanken Frankreichs, Großbritanniens und Italiens waren dagegen abhängig von den Finanzministerien. Es ist sicher kein Zufall, dass in diesen Ländern die Geldentwertungen seit 1973 höher ausfielen.

„Gefährdet wurde der Euro nur durch die Politiker“
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18 Kommentare zu "Interview Peter Bernholz: „Die Rolle der EZB ist absolut gefährlich“"

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  • Da ist eines zu bedenken: im alten Rom kostete die Toga eines Senators ungefähr den Wert einer Unze Gold. Eine Familie konnte damals von der gleichen Unze Gold bequem einen Monat lang leben, die Sklaven im Haushalt eingeschlossen.
    Und heute: dieselbe Unze Gold bezahlen Sie für einen Maßanzug und damit halten Sie auch Ihre Familie bequem einen Monat über Wasser.
    Wo ist der Unterschied? Das schließt natürlich nicht aus, daß der Goldpreis zwischendurch wild schwankt, aber das haben alle Marktpreise so an sich, auch die für alte Edelkarossen.
    Gold physisch zu besitzen ist kein "deal", sondern eine Anlage, die man macht, um sie dann zu halten, womöglich zu vererben. Aber dazu muß man es vergraben oder einmauern.
    Das große Problem ist heute und in Zukunft wohl eher, wie man Gold wieder in den Markt zurückschleust, ohne aufzufallen. Man muß es da schon eher klein raspeln und als altes Zahngold verhökern.

  • Habe 2000 Hühner gekauft. Kann deswegen kaum noch schlafen. Nicht der Deflation der Eierpreise wegen, sondern weil sie in der Scheiße, in der sie sitzen, auch noch laut und so viel gackern! :-)

  • Nach dem 2. Weltkrieg hatten die USA, Deutschland und die Schweiz unabhängige Notenbanken und geringere Inflationsraten. Die Zentralbanken Frankreichs, Großbritanniens und Italiens waren dagegen abhängig von den Finanzministerien. Es ist sicher kein Zufall, dass in diesen Ländern die Geldentwertungen seit 1973 höher ausfielen.(Zitat)

    Die EZB ist nun aber eine stark von Frankreich und jetzt von Italien beeinflusste Notenbank. Also hat Deutschland den verkehrten deal gemacht. Die deutsche Notenbank ist praktisch „still“ gelegt. Jede deutsche Einflussnahme auf die EZB wird dazu noch von anderen Euroländer stets argwöhnisch beobachtet . Die EZB ist bereits zu einem politischen Instrument geworden- aber die darauf „spielen“ - wissen nicht wie. Also wie kommen wir aber aus dem Kreis :Mitgegangen – mitgehangen wieder heraus ? Das ist hier die Frage!

  • Die Frage, werter Herr Bernholz, muss doch wohl eher lauten, ob man die zweitwichtigste und -bedeutendste globale Weltwährung, den Euro, der momentan mit kleinen Pubertätsproblemen zu kämpfen hat riskieren will, statt dafür für ein paar Jahre ein bissel Inflation zulässt.
    Mir ist aber schon klar, dass Sie das nicht verstehen werden, mit Ihrer unbedeutenden exotischen Mini-Währung !

  • Hyperinflation kommt immer als letzte Konsequenz. Vorher kommt es, durch immer höhere Steuern (zur Finanzierung der Schulden) zu erzwungenen Konsumverzicht, dann zum Wirtschaftszusammenbruch, darauf folgend logischerweise zur Deflation. Erst in letzter Instanz greift das Volk zu seinem Ersparten um es, gegen den Hunger, für den Konsum aufzuwenden. Nur dann gibt es keine Produkte mehr und daher kommt es dann zur Hyperinflation. Man sollte sich nie an der Momentaufnahme orientieren und seine Schlüsse daraus ziehen, sondern immer die Gesamtdynamik betrachten. Auch einem Tsunami geht immer das Zurückziehen des Meeres voraus.

  • Wow, während ich es hier erwähnt und mich mit dieser Seite beschäftigt habe, ist es online gestellt worden - fast zeitgleich! Hier nachzulesen:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/die-staaten-verpfaenden-die-luft-und-banken-atmen-tief-durch/5968680.html

  • Sehe ich genauso. Im " Crashfalle " bei einem deflationären Umfeld, fällt auch Gold / Silber ins bodenlose, und / oder der Staat kauft das Zeug nur noch zu einem bestimmten, selbstverständlich niedrigen Kurs an. Hatten wir alles schon mal ...
    Ich bevorzuge daher lieber Edel-Karossen, wie z.B. Veyron, den ich mir aus dem Verkauf meiner vor über 5 Jahren gekauften und dieses Jahr bei 1.900 $ wieder verkauften " Gold-Klumpen ", gekauft habe.
    Btw, der beste Deal meines Lebens, denn damit hat man(n) sogar Fun, während das blöde Metall ja zu nix zu gebrauchen ist !!!

  • @ Goldgegner – Soviel dazu:

    "Nichts liebt der Mensch mehr, als den Selbstbetrug! Das ist auch der Grund dafür, Gold als Inflationsschutz zu sehen, anstatt den Preisanstieg selbst als Inflation zu deuten. Aber wer jagt nicht lieber nominalen Zahlen hinterher, anstatt daran zu denken, dass eben genau dieses Gold die meistmanipulierte Ware der Welt ist? Immer dann, wenn alle anderen Veranlagungen unsicher geworden sind, entsteht erneut eine Goldblase.

    Und die Banken mischen mit: Ist der Preis hoch und wird ein plötzlicher Mehrverkauf angekündigt, fällt er unaufhaltsam.

    Teuer gekauft, zu spät ausgestiegen, das ist die Differenz, die nicht nur dazu führt, dass das Gold wieder in den National- oder Zentralbanktresoren verschwindet, sondern sie hilft auch (auf Kosten der Normalbürger, die in solcher Anlage Schutz suchen), die überschüssige Geldmenge zu reduzieren – zugunsten derer wohlgemerkt, die sie zuvor vergrößert haben." (Dez. 2009 | trend12 - Leserbriefe)

  • Als Pflichtlektüre würde ich das achtseitige Interview mit dem Philosophen Peter Sloterdijk der HB-Ausgabe G0 2531 Nr.244 von Freitag/Samstag, 16. und 17. Dez. 2011, geführt von den Redakteuren Torsten Riecke und Gabor Steingart vorschlagen.

  • Durch Regionalwährungen schließlich müsste die Wertschöpfung wieder bürgernah gestaltet werden. Andererseits müsste Zins und Inflation total abgeschafft werden und verliehenes Geld dürfte nur gegen eine abschätzbare Gebühr erlaubt werden, die nicht von Banken bestimmt werden dürfte, sondern von den Vertragspartnern ausgehandelt werden müsste. Auch über ein Verbot für die Spekulation mit Rohstoffen für Personen und Institutionen, die diese nicht weiterverarbeiten, müsste nachgedacht werden. Gleichzeitig dürften sich Banken aber nicht in das produzierende Gewerbe einkaufen, weil dies eine Umgehung der Anti-Rohstoff-Spekulations-Regel zur Folge hätte …

    Der Beginn eines Traumes zu neuer Freiheit, der in unserer unaufgeklärten Gesellschaft immer nur ein Traum bleiben wird.

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