Interview
Verantwortung und Risikominderung in Einklang bringen

Clemens Quast, Leiter der Stabsstelle Eigengeschäfte der Sparda-Bank in München im Interview mit dem Handelsblatt. Gesprächsthema: Verantwortliches und nachhaltiges Wirtschaften.
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Warum haben Sie die UN PRI 2012 unterzeichnet?

Clemens Quast: Wir wollen sicherstellen, dass mit unseren Geschäftsaktivitäten kommenden Generationen und schutzloseren Bevölkerungsgruppen nicht die Lebensgrundlage entzogen wird – und wollen erst Recht nicht Geld damit verdienen. Wir tun dies auch als nachweislich sehr wirksame Maßnahme zur Risikominderung. Wir glauben, dass die Fähigkeit eines Asset Managers, ESG-Überlegungen in seine Erwägungen einzubeziehen, einen klaren Outperformancefaktor darstellt.

Was haben Sie zuvor für ein verantwortliches Geschäft getan?

Die Sparda Bank München hat sich 2007 von fast allen Eigengeschäftsaktivitäten verabschiedet, die gegen Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) verstoßen könnten. Wir veräußerten rund 50 Millionen Euro, davon die Hälfte im Euro Stoxx notierte Aktien, fast 16 Millionen Euro Rohstoffinvestments, sowie Fremdwährungsgeschäfte und Staatsanleihen.

Riskieren Sie damit keine Ertragseinbußen?

Die Finanzkrise hat uns bestärkt, nachhaltige Kriterien stets zu beachten. So hatten wir keine Griechenland-Anleihen im Portfolio und nicht unter deren Zusammenbruch gelitten. Seit das Portfolio auch keine Rohstoffe, Edelmetalle und Hochzinsanleihen mehr enthält, ist seine Volatilität um rund vier Prozent gesunken. Wir nehmen bewusst in Kauf, schlechter diversifiziert zu sein.

Was machen Sie mit Relikten wie dem „Futureshedge“ auf den Euro Stoxx 50?

Der Terminkontrakt sichert Eigenanlagen über 8 Millionen Euro im nachhaltigen Fonds MonegaFairInvest ab. Die Absicherung über den Index ist suboptimal, denn der enthält Aktien mit teils schlechten Nachhaltigkeitsnoten. Die Frage war: ‚Verkaufen wir die Fondsanteile, was die Absicherung überflüssig macht, oder behalten wir sie und müssen absichern?’ Weil auch unsere Kunden in den Fonds investiert haben und wir ihn weiter anbieten, halten wir es für richtig, selbst dort investiert zu bleiben. In dem Zielkonflikt mussten wir eine unbequeme Entscheidung treffen.

Wie setzen Sie die PRI-Prinzipien in allen Anlageklassen um?

Unsere Kernmaßnahme ist, ESG-Kriterien als Erfordernis bei der Limiteinräumung zu beachten. Ein Limit wird nur eingeräumt, wenn die Vorstandsvorlage dazu auf die Einhaltung der ESG-Kriterien dezidiert und ausreichend tiefgehend eingeht. Jede neu vorgeschlagene Assetklasse, wird in der monatlichen Dispositionssitzung intensiv diskutiert. Im Zweifel wird nicht investiert. Externe Manager erhalten nur noch Mandate mit ESG-konformen Weisungen. Bei Anlageklassen, die aktives Aktionärstum zulassen, sollen sie in Hauptversammlungen oder Analystengesprächen gemeinwohl-orientierte Fragen stellen. Wir beauftragen nur noch Fondsmanager, die dies sicherstellen.

Wie belegen Sie, ob Sie die PRI tatsächlich beachten?

Wir veröffentlichen unsere Eigenanlagen online auf unserer Homepage; ein nach wie vor nicht generell üblicher Schritt in der Branche. Und wir werden bis Ende März 2014 und dann jährlich einen PRI-Fortschrittsbericht veröffentlichen.

Clemens Quast ist Leiter der Stabsstelle Eigengeschäfte der Sparda-Bank München eG

Das Gespräch führte Susanne Bergius.

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