Interview
„Wir wollen vier Prozent Rendite“

Seit Jahren kämpfen die Kommunen mit Rekorddefiziten. Dirk Tolkemitt, Kämmerer der Hansestadt Lemgo, erklärt worauf es bei der Auswahl des Vermögensverwalters ankommt und wovon er lieber die Finger lässt.
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KölnHerr Tolkemitt, was macht einen guten Kämmerer aus?

Er braucht Zukunftsstrategien, sollte also weniger oberster Rechnungsprüfer denn Stratege sein.

Wie helfen Vermögensverwalter?

Wir besorgen uns bei ihnen Know-how. Weil wir fremdes Geld anlegen, sind Auswahl und Kontrolle der Geldmanager durch einen unabhängigen Berater zentral. Dieser prüft, ob unsere Vorgaben erfüllt werden, und haftet für seine Prüfungsaussagen. Und er berichtet unserem Finanzausschuss und macht unsere Strategien im Stadtrat transparent.

Worauf kommt es Ihnen an in der Vermögensverwaltung?

An oberster Stelle steht der Erhalt des Vermögens. Allerdings soll der Fondsmanager sein Handeln auf einen Zuwachs ausrichten, damit wir künftig unsere Beamtenpensionen zahlen können.

Das heißt konkret?

Wir erwarten im langfristigen Durchschnitt eine Rendite von vier Prozent pro Jahr. Der Vermögensverwalter soll ticken wie wir. Unsere Planung, Philosophie und Strategien des Fondsmanagers müssen zusammenpassen.

Können Sie Ihre Vermögensverwalter frei wählen?

Ja. Nur Ausschreibungen, die ein Dritter durchführt, schaffen echte Transparenz und bringen die Bewerber dazu, ihre Leistungsfähigkeit nachzuweisen.

Und die Nähe zur Sparkasse?

Wir sind mit der Sparkasse stärker verbunden als mit anderen Finanzhäusern. Aber man versucht nicht mehr, uns deren Vermögensverwaltung aufzudrängen. Und da wir unseren Auswahlprozess protokollieren, würde auch jeder Politiker, der Einfluss nehmen wollte, dokumentiert.

Was lehrt die Finanzkrise?

Es geht nicht nur nach oben - und Produkte mit besonderen Renditeversprechen sind besonders anfällig. Nicht für kommunale Depots geeignet sind strukturierte Produkte wie Derivate, abgesehen von Absicherungsgeschäften, und Währungen fernab des Euros.

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