Interview zum Aktienmarkt
„Die Rally könnte bald auslaufen“

Euphorisch haben Anleger auf die Ergebnisse des Euro-Gipfels reagiert, doch für eine Entwarnung ist es zu früh, sagt Johannes Müller, Chefvolkswirt der DWS. Im Interview erklärt er, warum die Krise nicht vorbei ist.
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Herr Müller, die Märkte feiern die Beschlüsse des Euro-Gipfels. Haben wir die Euro-Krise bereits bewältigt?

Nein, es war nur ein Schritt zur Bewältigung, wenn auch ein wichtiger und der bisher mutigste. Ich hätte mir aber zumindest die Andeutung einer strategischen Lösung gewünscht, die zeigt, wie man die Währungsunion brandsicher macht. Genau das wollen auch die Investoren wissen. Im Ausland gibt es oft ein Missverständnis: Dort glauben die Investoren, die Politiker in der Euro-Zone kommen nicht zusammen, weil sie das Interesse am Projekt Europa verloren haben – was nicht stimmt. Aber für einen Investor beispielsweise in Asien ist das natürlich fatal. Der wird dann vielleicht gar nicht investieren.

Waren die starken Kursgewinne die Trendwende nach den vorherigen Verlusten?
Wir sehen die Indexgewinne als Erleichterungsrally, so nennen wir das im Finanzjargon. Anders gesagt: Die meisten Anleger waren vorher zurückhaltend oder sogar negativ eingestellt, hatten keine großen Erwartungen an den Gipfel. Aber dann kam es doch anders. Doch diese Rally könnte bald auslaufen. Es beginnen jetzt die Diskussionen um die Details der Beschlüsse. Außerdem drängen jetzt wieder die wirtschaftlichen Fragen nach vorne. Und für die Konjunktur sieht es teilweise nicht gut aus. Die Schwankungen an den Aktienmärkten werden hoch bleiben.

Besonders kräftig gestiegen sind die Bankaktien. Was empfehlen Sie hier?

Man denkt jetzt über Hilfsprogramme nach, die die langfristige Refinanzierung der Institute sichern sollen. Solche nationalen Programme gab es bereits 2008. Aber aus Anlegersicht würden wir jetzt Bankanleihen vorziehen. Solche Papiere rentieren jetzt im Schnitt mit zwei bis vier Prozentpunkten Renditeaufschlag.

Und Ihre Meinung zu Staatsanleihen?
Auch hier gibt es keinen Grund, jetzt groß ins Risiko zu gehen. Wir haben zwar eine positive Meinung zu Anleihen aus Irland, Spanien und Italien. Aber wir würden hier nur kurze Laufzeiten wählen. Die als erstklassig geltenden Papiere wie Bundesanleihen sind nicht besonders attraktiv. Hier sind die Renditen so niedrig, weil den Anlegern die Sicherheit so wichtig war. Aber Renditen von knapp über zwei Prozent für Zehnjährige sind nicht üppig, verglichen zum Beispiel mit der aktuellen Inflationsrate von 2,8 Prozent. Wenn wir die Euro-Krise nicht hätten, würde die Rendite bei 3,5 bis vier Prozent liegen. Bei Anleihen favorisieren wir Unternehmensanleihen. Hier gibt es attraktive Renditen, und die Politik wird einem Konjunkturabschwung, der Unternehmen gefährden könnte, entgegenwirken.

Wie geht es weiter mit dem Euro?
Auch da haben wir eine kurzfristige Rally gesehen. Viel weiter wird das kaum gehen, weil die Krise eben noch nicht gelöst ist.

Ein Wort zu den Kreditausfallversicherungen, den CDS. Rechnen Sie hier mit Änderungen im Markt?
Es gibt Diskussionen, ob diese Instrumente überhaupt sinnvoll sind oder nicht. Auf jeden Fall haben wir gesehen: Das Instrument hat seine Grenzen.

Kommentare zu " Interview zum Aktienmarkt: „Die Rally könnte bald auslaufen“"

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  • @bastian: Sorry, das ist Unsinn. Es gibt viel einfachere Arten (die auch mehr benutzt wurden), um bzgl. Staatsanleihen zu zocken, wenn man das überhaupt will. Das Zockermärchen gehört zu den netten Desinformationen durch die Politik, das (weil kaum einer was davon versteht) gerne von der Presse und einigen Pseudo-Experten nachgebetet wird, weil es einfach angenehmer ist, irgendwelche anonymen Zocker verantwortlich zu machen. Die Mehrzahl der CDS wurden tatsächlich von Besitzern von Anleihen gekauft, um diese abzusichern, nachdem man sie vor längerer Zeit gekauft hatte (zum Beispiel, weil man in einem Rentenfonds eben nur Anleihen haben darf oder in einem Kundendepot 30% Staatsanleihen halten soll - nach alten Vorsichtsregeln, die jetzt halt falsch waren/sind)

  • Das die Krise nicht zu Ende ist wissen wir selbst. Der Herr Johannes Müller, Chefvolkswirt der DWS, braucht da sein Scheinwissen zur schaustellen. Was da von den Achsenmächte und von den restlichen 15 Komparsen beschlossen wurde ist doch nur für die Galerie. Die Clowns Merkozy haben jeden Sinn für Sinnvolle Entscheidung vollkommen verloren.

  • CDS wurden von jeher nur als Zockerinstrument verwendet und nie wirklich zur Absicherung benötigt. Das Risko wurde schon immer über den Preis geregelt ...

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