Interview zur Schuldenkrise
„Italien ist noch beherrschbar“

Italien droht in den europäischen Schuldensumpf zu sinken. Doch eine Wende ist noch möglich, sagt Michael Reuss, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Huber, Reuss und Kollegen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, wie die Euro-Zone gerettet werden kann, warum die Kritik an Ratingagenturen verfehlt ist und wieso Anleger den Herbst fürchten müssen.
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Herr Reuss, die Sommerrally an den Aktienmärkten hat sich in eine Sommerpanik umgedreht. Die Märkte zittern vor einem Zusammenbruch Italiens. Zu Recht?

Im Grunde genommen hat sich an den Fakten zu Italien wenig geändert, deswegen hat bis vergangene Woche auch niemand wirklich über das Land gesprochen. Was wir gesehen haben, war ein cleverer Schachzug von ein paar spekulativen Investoren. Sie haben gesehen, dass sich die Anleihenrenditen Italiens der kritischen Fünf-Prozent-Marke nähern und haben die Gelegenheit genutzt, um mit großen Positionen gegen den Markt zu wetten. Diese Spekulanten verdienen gerade kräftig und andere springen auf den Zug auf, was die Bewegung verschärft.

Aber wie steht Italien in Wirklichkeit da?

Italien ist nicht ohne. Das Land ist extrem verschuldet und die Wirtschaft wächst kaum. Italien hat eine Schuldenquote von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – bereits ein Verhältnis von 90 Prozent gilt als kritisch. Man muss sagen, dass die Politik bisher sehr wenig getan hat, um die Schuldenmisere zu bekämpfen. Jetzt ist die Situation sehr ernst, da Italien in diesem und im nächsten Jahr sehr hohe Summen am Kapitalmarkt refinanzieren muss.

Kann das bei den aktuellen Zinsen überhaupt gelingen?

Nein, Zinsen von mehr als sechs Prozent sind eindeutig zu hoch. Aber der Vorteil ist, dass die italienische Politik jetzt alarmiert ist. Die Verantwortlichen tun erst etwas, wenn die Not sehr groß ist und diese Situation ist jetzt erreicht. Die gute Nachricht ist, dass es noch nicht zu spät ist. Anders als in Griechenland ist die Lage in Italien noch beherrschbar.

Inwiefern?

Italien verfügt über sehr wettbewerbsfähige Firmen, die Bürger haben eine sehr hohe Sparquote und die Haushalte sind relativ gering verschuldet. Der Staat könnte sich also Geld holen, wenn er es braucht.

Ein erstes Sparpaket ist geschnürt, aber noch nicht verabschiedet worden.

Die schwierige politische Situation in Italien erschwert eine Lösung. Aber dass das Paket aufgelegt wurde, zeigt, dass hier etwas verstanden wurde. Selbst bei Silvio Berlusconi dürfte die Botschaft angekommen sein. Die Entscheidung, dass er 2013 nicht noch einmal antritt, dürfte damit zusammenhängen, dass er weiß, was auf das Land zukommt und kein Lust hat, diesen schmerzhaften Prozess anzuführen. Ich gehe davon aus, dass auch in Italien die politischen Kräfte in der Not zusammenrücken werden.

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  • Die Politiker haben es so einfach, weil es so viele dumme Menschen gibt wie die vorstehenden Kommentarverfasser. Reuss hat gesagt, dass Italien noch beherrschbar wäre und da hat er recht. Im Gegensatz zu Spanien oder Griechenland haben Italiens Bürger die geringste Verschuldung in Europa und mit 12% die höchste Sparquote. Hier kann sich der Staat theoretisch noch was holen. Erst informieren und dann Kommentar schreiben!

  • Mit einem hat Herr Reuss wohl recht und das die Aufteilung der Euro-Zone in einen stabilitätsorientierten Kern Euro
    und in einen weicheren abwertungsfähigen Peripherie-Euro oder Süd-Euro obwohl nicht nur die Mittelmeerangrenzer dazugehören werden. Nur mit einer abgewerteten eigenen Währung werden die beteiligten Volkswitschaften wieder wettbewebsfähiger. Das wird natürlich alles mit großen Verwerfungen einhergehen, ist aber letzlich unvermeidlich.

  • Wenn Sie schon kritisieren, sollten Sie wenigstens genau lesen, was Sie kritisieren wollen. Sieht sonst ganz schön dumm aus....

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