Interview zur US-Geldpolitik: „Die Fed wird noch einmal Gas geben“

Interview zur US-Geldpolitik
„Die Fed wird noch einmal Gas geben“

Die US-Notenbank steht vor einer weiteren Runde massiver Wertpapierkäufen. Spekulationen über das Volumen reichen von 200 Milliarden bis zwei Billionen Dollar. Handelsblatt Online sprach mit Frank Hübner, Volkswirt und US-Experte beim Bankhaus Sal. Oppenheim, über die Wirksamkeit von Liquiditätshilfen, die Folgen der expanisiven Geldpolitik und die Perspektiven für die Märkte.
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Herr Hübner, an den Finanzmärkten schaut alles auf die US-Notenbank. Die Aussicht auf eine neue massive Geldspritze - Quantitative Easing 2 genannt - hält die Kurse hoch. Wird die Fed die Erwartungen erfüllen?

Ich gehe davon aus. Der breite Konsens ist, dass die Fed noch einmal Gas geben und ein neues Ankaufprogramm für Wertpapiere auflegen wird. Ben Bernanke hatte in den vergangenen Wochen die Möglichkeit, diese Erwartung zu dämpfen und hat das nicht getan. Das ist ein deutliches Signal.

Also wird die Fed heute ankündigen, dass sie für weitere Billionensummen Staatsanleihen kaufen wird, nachdem sie bereits im Frühjahr 1,7 Billionen Dollar auf diesem Weg in den Markt gepumpt hat.

Wie hoch die Summen sein werden, weiß ich nicht. Und ich habe auch meine Zweifel, dass die Fed wie beim QE1 ein abschließendes Gesamtpaket nennen wird. Ich hielte das für nicht unproblematisch.

Warum?

Zum einen besteht unter den Notenbankern Unsicherheit, über die Wirksamkeit von weiteren Wertpapierankäufen und damit auch über die notwendige Dimensionierung der quantitativen Lockerung. Zum anderen haben sich an den Märkten sehr unterschiedliche Erwartungen über das Ausmaß der Anleihenkäufe gebildet. Die Schätzungen reichen von 200 Milliarden Dollar in den kommenden drei Monaten bis zwei Billionen Dollar in den nächsten zwei Jahren. Die Gefahr ist, dass die Fed mit konkreten Aussagen zu Zeitraum und Umfang der Lockerung die Erwartungen verfehlt und damit eine nicht erwünschte Marktreaktion auslöst.

Die Fed gilt als sehr marktnah, sie sollte solche Reaktionen kalkulieren können...

Die Notenbanker haben sicher ihre Szenarioanalysen gemacht, wie verschiedene Maßnahmen aufgenommen werden könnten. Aber auch sie können nicht jedes Geräusch beeinflussen, das die Märkte machen. Mit einer unbestimmten Aussage würde sich die Fed zudem die Flexibilität bewahren. Niemand kann die Notenbank davon abhalten, den Stimulus anzukündigen, die Programme mit der Zeit aber dem wirtschaftlichen Umfeld anzupassen. Werden die Pläne jedoch konkretisiert, besteht die Gefahr von Missverständnissen und damit von Marktreaktionen, die der Notenbank das Leben noch schwerer machen.

Aber dürften nicht gerade schwammige Aussagen für Enttäuschung sorgen?

Die Gefahr ist da. Deswegen kommt es darauf an, dass die Fed das richtige Maß findet. Sie muss den Märkten unmissverständlich klar machen, dass sie bereitsteht und ausreichend Mittel hat, um angemessen auf die gesamtwirtschaftliche Situation zu reagieren und den Zielerreichungsgrad der Geldpolitik zu verbessern. Gleichzeitig darf sie nicht den Eindruck erwecken, dass akute Gefahr im Verzug ist und diese nur mit Mega-Programmen gestoppt werden kann.

Gibt es diese Gefahr tatsächlich? Man könnte meinen, den Marktteilnehmern kann die Unterstützung gar nicht groß genug sein.

Ich denke schon, dass die Fed aufpassen muss, dass sie nicht über das Ziel hinausschießt. Ein zusätzliches Ankaufprogramm im Volumen von zwei Billionen Dollar, wie es beispielsweise Goldman Sachs in den kommenden 18 bis 24 Monaten prognostiziert, hielte ich aus heutiger Sicht für überdimensioniert und gefährlich. Das wäre dann noch mehr Geld, als die Notenbank bei ihrem ersten Programm in die Hand genommen hat. Die Aussage, die dies impliziert, wäre entweder, dass die Fed die Effizienz ihrer Maßnahmen für gering hält und deswegen mehr Geld bereitstellt als von Ende 2008 bis März 2010 in der ersten quantitativen Lockerungsphase, oder dass die Situation sich noch einmal verschlechtert hat und deswegen höhere Summen vonnöten sind. Überdies sollte bedacht werden, dass eine allzu großzügig gestaltete Liquiditätsbereitstellung bzw. deren Rückabwicklung auch mit dem Risiko erratischer Schwankungen an den Finanzmärkten verbunden ist.

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  • Wo liegen die Zinssätze für z.b. amerik. Staatsanleihen, für Hypotheken, Sparguthaben ?
    Richtig ! (Heute schon) voll im Keller. Wer in den USA bei diesen Hypozinsen nicht baut, wird es mit den 0,1 % weniger, die QE2 bringt, auch nicht.
    Was soll der QE2 Quatsch denn dann eigentlich, wenn er der Realwirtschaft faktisch NiCHTS bringen wird ? Richtig geraten, es geht um die nach wie vor völlig bankrotte Finanzwirtschaft, in den USA und (praktisch) weltweit. Die braucht die weitere Subventionierung der Anleihenpreise, um ihr Zombiedasein weiter fristen zu können.

    Lustig auch: "...Rückabwicklung..."
    Die wird es nicht geben genauso wie es nennenswerte Zinserhöhungen durch die FED nicht geben wird. Denn dann verwandelt sich die aufgeblähte bilanz der FED in ein ein Meer von blut (=Defizit), für das der US Steuerzahler aufkommen müsste. Den "Dreck" will niemand mehr...weder heute noch morgen.
    QE ist die vorletzte Entwicklungsstufe einer sterbenden Notenbank und einer sterbenden Währung. Die letzte ist das Drucken und Ausgeben frisch gedruckter banknoten an die bevölkerung ohne jeglichen Vorbedingungen (=Simbabwe Syndrom). Dann gibts auch keine Assetblasen mehr und die banken sind dann nicht mehr systemrelevant und werden fallen gelassen. Vor allem aber gibt es dann "endlich" die heißersehnte inflation. Am Ende wird sich z.b. China für seine >2 billionen $ Devisenreserven gerade mal 1-2 Standardbriefmarken für US inlandsbriefe kaufen können. Das ist NiCHT übertrieben, in der Weimarer Republik war es auch so und DAS ist auch das eigentliche Ziel der FED.

  • Und ich dachte immer die große Masse an Geld wäre Schuld gewesen an der letzten Krise und auch an der Dot-Com blase... Anscheinend hat man nicht gelernt. Langläufige Anleihen kann man ja nun nicht schnell eindampfen, das Geld ist dann X Jahre auf dem Markt...

  • Ähh, also die Notenbank kauft Staatsanleihen - womöglich sogar in nicht definiertem Umfang über einen nicht definierten Zeitraum. Also unbegrenzt.

    Und der Herr Hübner findet das alles irgendwie ganz in Ordnung? Um nicht zu sagen, unproblematisch?

    ist der noch ganz knusper?

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