Investieren in Aktien Der richtige Umgang mit Gewinnen und Verlusten

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Diversifikation, aber keine wahllose Streuung

Einig sind sich die Experten, dass Risikostreuung – Diversifikation im Börsendeutsch – extrem wichtig ist. „Dem Dilemma, dass man irgendwann auch falsch liegt, kann man auch als erfahrener Anleger nicht entgehen“, sagt Galler. „Aber durch Diversifikation lassen sich die finanziellen Folgen von falschen Entscheidungen deutlich mindern.“ Aus diesem Grund ist es wichtig, die Größenordnungen der einzelnen Investmententscheidungen auch hinsichtlich des potentiellen Verlustrisikos zu überprüfen. Damit vermeiden Anleger die unglückliche Situation, dass im Investmentportfolio zwar sehr viele richtige Entscheidungen bei kleinen Positionen getroffen wurden, aber es eben die eine große Entscheidung war, die schiefgelaufen ist und die Portfoliorendite ruiniert hat. Bei aller Risikostreuung: Einen kompletten Schutz vor dem „falsch liegen“ erreichen Anleger aber leider nicht.

Leuchtner gibt zu bedenken, dass Diversifikation zwar sehr wichtig sei, aber sie sollte nicht in wahllose Streuung ausarten. „Entscheidend ist vielmehr, Werttreiber und Risikoquellen zu streuen“, sagt er. „Das ist auch mit deutlich weniger Investments möglich, als in der Regel unter Diversifikation verstanden wird.“ Gerade unterschiedliche Nischenbereiche würden sich oft sehr marktunabhängig und zudem unkorreliert zueinander verhalten. „Ein breit diversifiziertes Aktienportfolio setzt den Investor dagegen dennoch dem vollen Marktrisiko aus.“

Für ihn ist Soros‘ Aussage deshalb auch kein Plädoyer dafür, Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen. Jedes einzelne Investment müsse individuell betrachtet werden. „Wird die Sicherheitsmarge, also die Differenz von aktuellem Kurs zu fairem Wert, durch steigende Kurse zu gering, so sollte man auch Gewinne mitnehmen“, sagt Leuchtner. „Fällt die Aktie, so kann dies auch eine neue Kaufgelegenheit bieten, je nachdem ob sich der faire Wert verändert hat.“ Soros‘ Aussage sei deshalb eher ein Plädoyer dafür, sich durch tiefgehende Analyse und Querdenken einen Wissensvorsprung zu erarbeiten und damit Investmentchancen aufzudecken, mit denen man viel gewinnen, aber nur wenig verlieren kann.

Fidelity-Experte Telschow sieht in dieser Börsenweisheit sehr wohl ein Plädoyer dafür, Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen. „Und das ist ein Erfolgsrezept an der Börse, das allerdings auch Disziplin und Weitsicht erfordert“, sagt er. So sieht es auch Galler. Anleger sollten sich mit ihren Gewinnern und Verlierern beschäftigen und nicht aus dem Bauch heraus entscheiden. „Eines der gängigen Verhaltensmuster von Anlegern ist, dass wenn man die Wahl zwischen zwei Aktien hat, dann lieber die Aktie mit einem Kursgewinn verkauft als die Aktien mit einem Verlust“, weiß Galler. Dies widerspreche jedoch der Beobachtung, dass Aktienkurse von Unternehmen mit erfolgreichen Geschäftsmodellen sich nachhaltig besser entwickeln.

Deshalb mache es in der Tat Sinn, diese Aktien weiter im Portfolio zu halten, während auf der anderen Seite es sinnvoll ist Verluste bei Verlierer-Aktien zu begrenzen, wenn es eine Reflektion des geschäftlichen Misserfolgs ist und sich die ursprüngliche Annahme über das Geschäftsmodell als falsch erwiesen hat. Oder um es mit Soros zu sagen: „Entscheidend ist, wie viel man verdient, wenn man richtig liegt, und wie viel man verliert, wenn man falsch liegt.“

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1 Kommentar zu "Investieren in Aktien: Der richtige Umgang mit Gewinnen und Verlusten"

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  • Liebes Handelsblatt, dem oben Dargestellten stimme ich zu. Ich finde es aber für den interessierten Kleinanleger ein wenig zu kompliziert. Überall im Leben muss man die Chancen und das Risiko kennen, abschätzen: Das gilt schon beim Abschluss eines Handyvertrags und sonstigen Verträgen. Für das freie Geld verschiedene Anlageformen auch nach verschiedenen Risikoklassen wählen ist wichtig: Sich auch mit einem Teil, den man im Notfall verschmerzen kann, an Aktien, vor allem in Index-Fonds wagen ebenso. Was oben nicht zum Ausdruck kam ist aber genauso entscheidend: Sich eine eigene Meinung bilden, sich nicht auf Berater und den Mainstream verlassen. Zu sich selbst stehen, realistisch sein (dann schmerzen Verluste nicht so sehr, da die Welt im Fluss ist) und seinem Bauchgefühl vertrauen, hilft ungemein. Herzliche Grüße nach Düsseldorf

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