Investieren in Zeiten des Niedrigzinses Dividendenstarke Aktien schlagen Hochzinsanleihen

Anleihen von Emittenten mit schwacher Bonität galten lange als Renditebringer. Doch das ist vorbei. Mittlerweile ist die Dividendenrendite europäischer Aktien attraktiver. Anleger sollten handeln.
7 Kommentare
Die größten Anleihe-Deals aller Zeiten
Platz 13: France Télécom - heute Orange
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Die Anleiheplatzierung über 16,4 Milliarden Euro von France Télécom liegt mehr als anderthalb Jahrzehnte zurück – der Bondverkauf vom 6. März 2001 ist aber bis dato der größte Deal am Anleihemarkt eines Unternehmens aus dem Euro-Raum. Seinerzeit war es sogar die weltweit größte Unternehmensanleihe. Grund für den Kapitalhunger der Franzosen war die Refinanzierung der teuren UMTS-Lizenzen und die Übernahme des Mobilfunkkonzerns Orange. Im Sommer 2013 hat sich France Télécom in Orange umbenannt. Wie alle Mega-Anleihen gab es dabei verschiedene Tranchen mit verschiedenen Laufzeiten. Dazu sammelten die Franzosen das Geld in verschiedenen Währungen – Dollar, Euro und Britischem Pfund – ein.

Quelle: Dealogic

Platz 12: Roche
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche begab acht Jahre nach France Télécom einen Mega-Bond und sammelte am 18. Februar 2009 16,5 Milliarden Dollar mit einer Anleihe ein. Damit refinanzierte Roche einen Teil der Komplettübernahme der US-Tochter Genentech.

Quelle: Dealogic

Platz 11: Amazon
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16 Milliarden Dollar hat sich der Online-Händler am 15. August 2017 geliehen. Das Geld braucht der Konzern, um den Brückenkredit für die Übernahme von Whole Foods Markets zu refinanzieren. Amazon teilte den Bond in sieben verschiedene Laufzeiten von drei bis 40 Jahren auf. Die Zinskupons variierten zwischen 1,9 für die drei- und 4,25 für die 40jährige Tranche.

Quelle: Bloomberg

Platz 10: AbbVie
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Am 5. Mai 2015 lieht sich der US-Pharmakonzern AbbVie auf einen Schlag 16,7 Milliarden Dollar bei Anleiheinvestoren. Zuvor hatte der Pharmakonzern 21 Milliarden Dollar gezahlt, um den Spezialanbieter Pharmacyclics zu übernehmen.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 1: Microsoft
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Der US-Konzern hat am 30. Januar die größte Anleihe des Jahres 2017 begeben. Der Softwaregigant begab Bonds in sieben verschiedenen Dollar-Tranchen über zusammen 17 Milliarden US-Dollar. In der Liste der Top-Ten der größten Bond-Emissionen taucht Microsoft damit gleich zweimal auf. Anleihen über 17 Milliarden Dollar haben aber auch noch zwei weitere US-Unternehmen begeben.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 2: Medtronic
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Der amerikanische Medizintechnikkonzern Medtronic hatte 2014 die irische Covidien für 43 Milliarden Dollar übernommen. Einen Teil davon refinanzierte Medtronic am 1. Dezember 2014 mit einer Mega-Anleiheplatzierung über insgesamt 17 Milliarden Dollar.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 3: Apple
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Auch Apple holte sich auf einen Schlag 17 Milliarden Dollar am Anleihemarkt, und zwar am 30. April 2014. Das war damals die größte Bond-Emission. Der iPhone und iPad Konzern brauchte das Geld aber nicht für eine Übernahme, sondern um die Dividende zu erhöhen und Aktien zurückzukaufen. Dabei diente die Bond-Emission als Steuersparmodell. Der Grund: Apple hatte Barreserven von 145 Milliarden Dollar, von denen 102 Milliarden Dollar außerhalb der USA kurzfristig geparkt waren. Bei einer Überweisung dieser Gelder in die USA wären Steuern fällig geworden.

Quelle: Dealogic

DüsseldorfDie Welt der Geldanlage hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Wie stark, das zeigt ein Chart der Deutschen Asset Management: Die Dividendenrendite europäischer Aktien schlägt mittlerweile die Rendite von Hochzinsanleihen. Während die sogenannten High Yields im Schnitt nur noch knapp drei Prozent abwerfen, werden Aktionäre mit fast vier Prozent belohnt. Dass Anleger mit den Hochzinsanleihen ein erhöhtes Risiko eingehen, zahlt sich also nicht mehr aus.

Experten verwundert diese Entwicklung nicht. „Aufgrund des Anlagenotstands und der damit vorhandenen Konkurrenzsituation der vermögensverwaltenden Anleiheinvestoren wird jedes Renditepünktchen gerne in Anspruch genommen“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Da würden auch Ausfallrisiken keine große Rolle spielen. „Denn man denkt, dass selbst riskante Emittenten die mittlerweile geringe Renditehöhe stemmen können.“

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise sah das ganz anders aus. Damals schoss die Rendite des Bank of America Merrill Lynch European High Yield Index kurzfristig auf mehr als 25 Prozent. Die Dividendenrendite im Aktienindex MSCI Europe war mit durchschnittlich etwa sechs Prozent zwar auch etwas höher als heute, doch der Abstand war immens.

Ähnlich war es auch, als zu Beginn des Jahrtausends die Internetblase an den Aktienmärkten platzte. Auch damals schossen die Renditen für Schrottanleihen kurzfristig auf mehr als 20 Prozent in die Höhe, während die Dividendenrenditen etwa auf heutigem Niveau lagen. Doch nicht nur in Krisenzeiten wurden Anleger, die das Risiko der High Yields einzugehen bereit waren, belohnt. Allerdings war der Vorsprung der Schrottanleihen in normalen Zeiten deutlich geringer.

Doch diese Gesetzmäßigkeiten scheinen ausgehebelt. Die ultraexpansive Geldpolitik der vergangenen Jahre hat die Risikoaufschläge zusammenschnurren lassen. „Der High-Yield-Markt ist im Vergleich zu anderen Anleihen-Segmenten bedeutend kleiner, so dass die Zentralbankpolitik zu einem Verdrängungs- und Verknappungseffekt führte“, sagt Gregor Taraszow, Senior Portfoliomanager des Assetmanagers Bantleon. Die Kurse stiegen dank der hohen Nachfrage stark, und die Renditen der Bonds fielen. Und mit ihnen die Risikoaufschläge.

Privatanleger sollten aber vorsichtig sein. „Die Bonität von Hochzinsanleihen ist nicht deshalb besser geworden, weil früher übliche Risikoaufschläge eingeebnet wurden“, warnt Halver. Eine Flut hebe eben alle Schiffe und die geldpolitische Schwemme auch die Kurse der besonders prekären Anleihen. „Gammelfleisch wird auch durch die schönste Verpackung nicht zu Premium-Rinderfilet“, wird Halver noch deutlicher. Nur weil etwas teuer sei, müsse es nicht auch gut sein. „Hochzinsanleihen sind etwas für Finanzprofis, die andere finanzanalytische Instrumente nutzen können als Privatanleger.“

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7 Kommentare zu "Investieren in Niedrigzinszeiten: Dividendenstarke Aktien schlagen Hochzinsanleihen"

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  • @Herr Christian Körner, 01.09.2017, 17:47 Uhr

    "Wer hat, dem wird gegeben" kann durchaus auch mit geistigen Vermögen oder Fähigkeiten interpretiert werden. Auch Sie würden einen guten Handwerker eher einen Auftrag erteilen, ähnliches gilt bei der Arztwahl."

    Natürlich. Und ist in diesem Fall - auf Fähigkeiten bezogen - auch in keinster Weise zu beanstanden. Deshalb habe ich mich ja auch so explizit auf die Finanzmärkte bzw. die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmensneugründungen bezogen. Für meine Begriffe dürfte dieses Sprichwort allerdings doch eher zynisch gemeint sein.

  • @Frau Edelgard Kah: Herr Halver ist nicht so zu verstehen, dass man nur alles auf die Dividende abstimmt. Aber 3-5% Dividende ist halt besser als wenig oder nichts. Zudem gibt es das Kurspotential, aber eben auch das Kursrisiko. Auch ist die Unternehmensstrategie, die Bilanzen, GuV - Gewinn! und vieles mehr bei einer vollständigen Analyse einzubeziehen.
    Zu meinen es ginge immer bergauf - nur weil die letzten Jahre es so gewesen sein - man sehe sich Apple an - kann aufgrund von Konkurrenten in Asien wie z.B. Huawei oder inzwischen auch Nokia - ein Fehler sein

  • @Sergio Puntila: Am Aktienmarkt von einer Blase zu sprechen - selbst in Amerika - ist nicht unbedingt gerechtfertigt: Betrachtet man den KGV von Rentenpapieren schaut es schlechter aus als im Aktienmarkt. Auch Immobilien rentieren aufgrund der hohen Immobilienpreise und der vergleichsweise niedrigen Mieten nicht wirklich gut. Von Blase zu sprechen ist insofern schwer möglich, da die Zentralbanken die am schlechtesten rentierende Anlageform, die Rentenpapiere, immer noch massiv stützt. Anleger können also nur in Immobilien oder in den besser rentierenden Aktien investieren. Nach meiner persönlichen Meinung erleben wir erst dann wieder eine Blase, wenn die Zentralbankzinsen stärker gestiegen sind - und sich die Zentralbanken weitgehend von den Rentenmärkten zurückgezogen haben - das kann aber sehr lange dauern.
    @Frau Annette Bollmohr: "Wer hat, dem wird gegeben" kann durchaus auch mit geistigen Vermögen oder Fähigkeiten interpretiert werden. Auch Sie würden einen guten Handwerker eher einen Auftrag erteilen, ähnliches gilt bei der Arztwahl.
    Aufgrund der sozialen Sicherungssysteme ist es in Deutschland doch so, dass jeder der hier ankommt und lebt bescheiden leben kann.

  • Die Rendite einer Aktienanlage besteht bekanntlich aus zwei Komponenten: Aus Dividenden und Kursgewinnen.

    Das bedeutet: Wenn ich in Aktien investiere, will ich möglichst "renditestarke" Papiere, die sowohl eine hohe Dividende ausschütten als auch Kurssteigerungen bringen. Allein auf eine möglichst hohe Dividende zu setzen, ist grober Unfug.

  • "Dass Anleger mit den Hochzinsanleihen ein erhöhtes Risiko eingehen, zahlt sich also nicht mehr aus." / "Die ultraexpansive Geldpolitik der vergangenen Jahre hat die Risikoaufschläge zusammenschnurren lassen. „Der High-Yield-Markt ist im Vergleich zu anderen Anleihen-Segmenten bedeutend kleiner, so dass die Zentralbankpolitik zu einem Verdrängungs- und Verknappungseffekt führte“,..."

    "Wer hat, dem wird gegeben", dieser Spruch trifft gerade auch auf die Finanzmärkte mehr denn je zu.

    Was dabei auf der Strecke bleibt, ist Fairness. Also der gerechte "Lohn" für gründliche Überlegung, nachhaltige (weil durchdachte) Konzepte, Initiative und Wagemut.

  • ...und nicht nur das: sollte hier eine Blase zum Platzen gebracht werden?

  • "ausschüttungsstarke Aktien die klar bessere Wahl"
    „Auch für Europas Aktien sieht es gut aus. Man sollte sich an Qualität halten.“
    Gute Gewinne, ein gutes Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV und eine gute Dividende zeichnen vor allem deutsche Aktien aus, die im Vergleich zu den europäischen Aktien unterbewertet sind und im Vergleich zu amerikanischen extrem günstig.
    Haben VW, Daimler, Lufthansa, Allianz und Uniper Aktien mit einem guten KGV, so zeichnen sich letzte 4 mit einer Dividende über 3% aus, Allianz über 4% und Daimler sogar über 5%. Natürlich ist auch das Risiko bei Aktienanlagen zu bedenken:
    Der DAX Index ist mit 12.100 Punkten recht hoch, doch ist zu bedenken, dass dieser ein Performance Index ist, es werden also Dividenden mit eingerechnet. Der DAX Kursindex ist laut comdirect bei 5.755 Punkten.
    (Die großen amerikanischen Indizes sind Kurs Indizes)

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