Investitionen im ersten Quartal gesunken - Börsengänge fehlen
Beteiligungsmarkt erwischt nur schwachen Jahresstart

Trotz aller positiven Prognosen für das Gesamtjahr ist der deutsche Beteiligungsmarkt eher verhalten gestartet. Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) lagen die Private-Equity-Investitionen im ersten Vierteljahr mit 521,4 Mill. Euro um rund 15 Prozent unter dem Vergleichswert aus dem Vorjahresquartal.

FRANKFURT/M. „In der Regel sind die ersten drei Monate immer das schlechteste Quartal. Wir hoffen weiterhin, dass es im verbleibenden Jahresverlauf zaghaft vorwärts geht und wir insgesamt ein leichtes Plus erzielen werden“, sagte BVK-Geschäftsführer Holger Frommann gegenüber dem Handelsblatt.

Deutschland habe weiterhin starken Nachholbedarf bei Private Equity Investments, also der Bereitstellung von Beteiligungskapital an nicht börsennotierte Unternehmen, meint Jean-Bernard Schmidt, Chairman der European Venture Capital Association (EVCA) in Brüssel. In Deutschland liege der Anteil der Anlagen im Vergleich zum Sozialprodukt bei 0,119 Prozent. Um auf europäisches Niveau zu kommen, müsse sich die Quote mehr als verdoppeln. An der Spitze weltweit steht hingegen Großbritannien. Hier beträgt der Anteil 0,626%. Insgesamt wurden in Europa nach den Worten Schmidts im vergangenen Jahr 23,1 Mrd. Euro in Private Equity investiert.

Speziell den deutschen Beteiligungsmarkt plagen jetzt aber auch noch andere Probleme. So fällt es offenbar zunehmend schwerer, Gelder bei den institutionellen Anlegern einzusammeln. Laut BVK wurden im ersten Quartal nur 145 Mill. Euro aufgebracht, im Vorquartal waren es noch 512 Mill. Euro und in der Vergleichszeit des Vorjahres immerhin noch 205 Mill. Euro. Zu den Gründen hieß es, die Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen hätten sich noch nicht niedergeschlagen und das Vertrauen der Investoren sei noch nicht vollständig zurückgewonnen.

Vor allem in der Übertreibungsphase zwischen 1998 und 2001 haben sich viele Investoren am Beteiligungsmarkt die Finger verbrannt. In der Internet-Euphorie wurden auch für wenig durchdachte Geschäftsmodelle Millionen an Wagniskapital verbrannt, was bis heute nachwirkt.

Der verhaltene Nachschub an Mitteln von Versicherungen und Pensionsfonds trifft die Branche zu einem ungünstigen Zeitpunkt, weil derzeit gleich mehrere neue Fonds in Milliardengröße aufgelegt werden sollen. „Wer jetzt keine langjährige Erfolgsbilanz aus den Vorgängerfonds vorzeigen kann, hat es schwer im Markt“, sagt ein Beteiligungsmanager in Frankfurt.

Ein deutlicher Lichtblick für die Branche ist aber der Bereich Venture Capital, der Mittel für junge Technologiefirmen umfasst. Hier nahmen die Finanzierungen im ersten Quartal um gut 26 Prozent auf knapp 87 Mill. Euro zu. „In diesem Segment geht es seit fünf Quartalen aufwärts. Was hier noch fehlt, sind Börsengänge“, meint Frommann. Die Wagniskapitalbranche vermisse den Neuen Markt als Ausstiegsmöglichkeit für ihre Beteiligungsfirmen. Bisher, so der BVK-Geschäftsführer, habe sich noch kein Ersatz etabliert.

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