Investment
Die Anleger kehren zurück

Drei Jahre geht das jetzt schon so, dass Anleger sich gegenseitig überbieten, um deutsche Aktien kaufen zu können. Aktienfieber ist freilich noch nicht ausgebrochen.

HB DÜSSELDORF. "Die Aktie müsste in breiten Bevölkerungskreisen intensiver genutzt werden", wünscht sich das Deutsche Aktieninstitut. Marktkenner sind beruhigt, die berüchtigte Milchmädchen-Hausse hat noch nicht begonnen. Vielmehr könnte das Motto lauten: "Stell dir vor, die Börse bringt Gewinne und keiner will sie haben." Privatanleger erleben jedenfalls den Aufschwung der deutschen Aktien mehrheitlich vor der Tagesschau bei der "Börse im Ersten". Tatsächlich sind nur 10,8 Mill. Deutsche als Aktionäre bei Bayer, Siemens und den anderen Aktiengesellschaften dabei. Das hat eine NFO-Infratest-Umfrage repräsentativ für das Jahr 2005 herausgefunden.

Diese Zahl dokumentiert - erstmals seit vier Jahren - wieder eine Steigerung der Aktien- und Aktienfondssparer, wenn auch nur um 300 000 Anleger. Im Vergleich zum Spitzenjahr 2001 fehlen freilich noch immer zwei Mill. treue Aktienjünger. 2001 hatte die gleiche Umfrage 12,8 Mill. Aktien- und Fondsbesitzer ermittelt. Damals hofften Optimisten offenbar, die Rückgänge der Kurse seit den Märzspitzen des Jahres 2000 seien nur eine kurzfristige Unterbrechung des Aufwärtstrends zu ganz neuen Bewertungsverhältnissen der New Economy.

Tatsächlich haben sich die Dinge anders entwickelt. Der Anstieg der Aktionärszahlen von 8,2 Mill. im Jahr 1999 auf 12,8 Mill. in 2001 ist der berüchtigten Milchmädchen-Hausse geschuldet. Die befeuern all jene Anleger, die erst in der Spätphase eines Aufschwungs einsteigen. Sie werden von einer allgemeinen Begeisterungswelle erfasst und kaufen letztlich jenen Strategen die Papiere ab, deren Analysen zu hohe Bewertungen feststellen. Viele von jenen Späteinsteigern sind vor drei Jahren zu Tiefstkursen wieder ausgestiegen. Die Zahl der Aktionäre sank jedenfalls bis 2003 um mehr als 2 Mill. Andere Investoren sind auch heute noch dabei. Sie warten darauf, dass die Kurse wiederkommen, die sie einst bezahlt haben. Der Spitzenwert des Deutschen Aktienindex liegt immer noch etwa 40 Prozent über den Durchschnittskursen, die der Börsencomputer heute für deutsche Standardwerte ausrechnet.

Der Rückstand liegt vor allen an den abgestürzten Aktien der Deutschen Telekom, Deutschen Bank, Siemens, Daimler-Chrysler - kurz: an der Creme der deutschen Wertpapiere. Dagegen haben die Aktionäre von Eon, BASF und MAN die Märzspitzen von 2000 längst hinter sich gelassen. Erst recht gilt das für Papiere aus der so genannten zweiten Reihe: für Solarworld, Salzgitter, Porsche oder Puma. Der MDax liegt seit zwei Jahren über dem Dax und auch über dem damaligen Allzeithoch von 2000. International sind einstige Überflieger wie Cisco, Intel oder Microsoft inzwischen zu Enttäuschungsträgern geworden, wohingegen die klassischen Werte der einst belächelten Old-Economy zurückgekommen sind: In den USA sind das beispielsweise der Mineralölkonzern Exxon oder Konsumgüterhersteller Altria.

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