Investment-Experte Jeremy Grantham
„Heute zählen nur die Profite“

Er glaubt nicht an eine „Valley“-Revolution, er lästert über die Fed: Jeremy Grantham. Die Legende des Investments warnt vor Blasen in manipulierten Märkten und spricht über die große Korrektur. Und den Weg dahin.
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ChicagoDer 76-Jährige, der schon häufiger rechtzeitig vor Blasen gewarnt hat, ist eine Legende unter den US-Investoren: Jeremy Grantham. Jetzt warnt er wieder – und man spürt seine unterdrückte Wut darüber, dass vor allem in den USA der Kapitalismus nicht mehr so funktioniert, wie er es aus besseren Zeiten gewohnt ist. „Anleihen sind stärker überbewertet als je zuvor in der Geschichte.“ US-Aktien sind nach Berechnung der Fondsgesellschaft GMO, die Grantham gegründet hat, allein durch die laxe Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) rund ein Drittel zu teuer.

Die Fed sorgt dafür, dass die Gewinne der Unternehmen aufgeblasen werden und zusätzlich die Bewertungen der Aktien in Relation zu den Gewinnen. „Alle drei, Greenspan, Bernanke und Yellen, haben sich damit gebrüstet, dass sie die Aktienmärkte unterstützt haben. Und damit haben sie zugegeben, dass sie die Kurse manipulieren“, schimpft der alte Mann über Fed-Chefin Janet Yellen und ihre beiden Vorgänger.

Die Aktien im S&P 500, dem wichtigsten US-Aktienindex, sind heute mit dem 21fachen der Gewinne bewertet, im historischen Mittel war es nur das 16-fache. Grantham zufolge stürzen Märkte nach einer Blase fast immer auf das Niveau ab, das sie vor deren Entstehen hatten.

Was den Märkten jetzt fehlt zur großen Korrektur, ist nur noch ein Auslöser. Die anstehende Zinserhöhung der Fed wird dazu nicht ausreichen, sagt Grantham. Aber er rät zur Vorsicht, wenn die US-Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr näher rücken. Oder wenn private Investoren stärker in den Aktienmarkt einsteigen und wild spekulieren, wie es für Endphasen eines Bullenmarktes typisch ist. Auf längere Sicht kommt es auf seine Sicht darauf an, ob die Fed weiter bei ihrer lockeren Geldpolitik seit Greenspan bleibt oder zu dem alten, härteren Regime der Jahrzehnte zuvor zurückkehrt.

Im ersten Fall werden die Kurse hoch und Renditen niedrig bleiben, im zweiten Fall ist nach einer Korrektur wieder mehr Rendite möglich. „Wenn Sie jung sind, sollten sie auf einen Schwenk der Geldpolitik hoffen, wenn sie älter sind, auf die Fortdauer der heutigen Politik“, ruft er seinen Zuhörern bei einer Konferenz der Research-Firma Morningstar in Chicago zu.

Aus seiner Sicht verzerren nicht nur die Geldpolitiker die Märkte. Hinzu kommt die „Aktienoptionen-Kultur“. Grantham kritisiert: „Heute bestehen die Gehälter zu 80 Prozent aus Aktienoptionen, früher zu 20 Prozent. Mit diesem Optionen ist es für Manager viel lohnender und risikoloser, in den Rückkauf von Aktien statt in neue Fabriken zu investieren.“

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