Investment-Idee
Nestlé profitiert von teuren Tässchen

Am Anfang sah alles nach einem Reinfall aus. Kaffee aus der Kapsel – damit konnte kaum einer etwas anfangen, als Nespresso in den achtziger Jahren in der Schweiz auf den Markt kam. Zwei Jahrzehnte und viele Marketingmillionen später ist der portionierte Kaffee zu einem der wichtigsten Wachstumstreiber für Nestlé geworden.

FRANKFURT. Dass ein Tässchen Nespresso mit 31 Cent teurer ist als eine selbstgebrühte Kanne voll mit Filterkaffee, scheint die Kunden nicht zu stören.

„Nestlé setzt stark auf Premium-Produkte“, sagt Analyst Arnaud Langlois von JP Morgan. Diese seien zwar teurer, aber durch ihre bequeme Handhabung gerade bei gehobenen Käuferschichten beliebt. „Dem Unternehmen gelingt es, gestiegene Kosten für Rohstoffe wie Mehl, Milch oder Kakao an den Kunden weiter zu geben“, sagt Urs Diethelm, Analyst von Sal. Oppenheim. Dagegen kämpfen Konkurrenten, die stärker im Massengeschäft engagiert sind, mit schmalen Margen und Kostendruck.

„Nestlé ist besser aufgestellt als seine Mitbewerber“, sagt Arnaud Langlois. Auch die Aktie des Unternehmens hält er – im Vergleich zur Konkurrenz – für unterbewertet. Dabei hatte sie erst Ende des vergangenen Jahres ihr Allzeithoch bei 550,50 Schweizer Franken erreicht. Anschließend fiel der Kurs um fast hundert Franken, kletterte nun aber wieder auf rund 510 Franken. Aufgrund der starken Steigerungen in den letzten Jahren dürften größere Kursgewinne vorerst ausbleiben. Doch von 16 Analysten, die die Nestlé-Aktie im vergangenen Monat beobachtet haben, raten zwölf zum Kauf. Vier empfehlen, das Papier zu halten.

Dass die Analysten langfristig Potenzial sehen, machen sie besonders an der strategischen Ausrichtung fest: Der bisherige Konzernchef Peter Brabeck hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren auf das Kerngeschäft reduziert, es zum Anbieter von Wellness- und Lifestyleprodukten umgebaut. Da passt ins Bild, dass Nestlé in der vergangenen Woche den Verkauf seiner Beteiligung an Alcon, einem Unternehmen für Augenheilkunde, angekündigt hat. Der Pharmakonzern Novartis bezahlt dafür in zwei Schritten insgesamt 39 Mrd. Franken. Und Nestlé verfügt künftig wieder über finanzielle Schlagkraft.

Branchenkenner spekulieren darüber, ob Nestlé den französischen Kosmetikkonzern L'Oreal übernehmen wird. Dieser kommt auf einem Börsenwert von etwa 50 Mrd. Euro. Rund 30 Prozent von L'Oreal gehören Nestlé bereits, weitere 30 Prozent sind im Besitz einer französischen Familie. Bis April 2009 wird das auch so bleiben. Weder Nestlé noch die Familienmitglieder dürfen nach einer Vereinbarung bis dahin ihre Beteiligung verkaufen. Analyst Diethelm rechnet kurzfristig nur mit kleineren Zukäufen in Schwellenländern oder im Bereich der Spezial- und Gesundheitsnahrung. Für die Aktie des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns setzt Diethelm ein Kursziel von 570 Franken an, Langlois geht von 580 Franken aus.

Für das zweite Halbjahr hat der Schweizer Konzern den Rückkauf von Aktien im Wert von 25 Mrd. Franken angekündigt. Zudem korrigierte Nestlé-Chef Brabeck kürzlich das Wachstumsziel für 2008 nach oben. Weil das Jahr so gut angelaufen sei, werde das organische Wachstum nicht wie erwartet bei fünf Prozent, sondern eher bei sieben Prozent liegen. Brabeck hat seinen Posten in der vergangenen Woche an den bisherigen Amerika-Chef Paul Bulcke übergeben, bleibt aber Präsident des Verwaltungsrates. Bulcke hingegen will den Ausbau zur globalen Marke vorantreiben. Nespresso soll sich auch in den USA noch stärker etablieren.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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