Investment in umstrittenen Branchen
Waffengeschäfte für Anleger

Investments in moralisch umstrittene Aktien aus Branchen wie Tabak oder Waffen können hohe Erträge bringen. Was ist vertretbar und was nicht?
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Bevor Ben Bernanke als neuer Chef der US-Notenbank Fed nominiert wurde, hatte er nur eine Aktie in seinem Depot: Altria, die Mutter des Tabakkonzerns Philip Morris. Henry Blodget, zu Zeiten des Internetbooms Staranalyst der Investmentbank Merrill Lynch, wundert sich darüber in einem Beitrag für das US-Web-Magazin "Slate": "Warum Bernanke eine Zigarettenaktie hält und was das bedeutet, bleibt ein Geheimnis."

Vermutlich besaß Bernanke das Marlboro-Papier, weil er damit gerade auch in schweren Börsenzeiten Geld verdienen konnte. Verdienen, nicht verlieren – wie mit Blodgets einstigen Lieblingen: Von Anfang 2000 bis heute legte der Aktienkurs von Altria 270 Prozent zu. Der Internethändler Amazon verlor im gleichen Zeitraum 50 Prozent, die Suchmaschine Yahoo gar 70 Prozent.

"Aktien aus den Branchen Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Rüstung haben in guten wie in schlechten Börsenzeiten stetige Erträge gebracht", sagt Charles Norton, Fondsmanager des nur in den USA verkauften Vice Fund (Lasterfonds), der sich auf diese vier Branchen konzentriert. "Diese Industrien sind von Natur aus defensiv und schneiden vor allem dann besser ab, wenn die Konjunktur schwächelt und die Börse herumkrebst." Wenn Bernankes Vorgänger Alan Greenspan mit seiner düsteren Warnung vor einer Rezession in den USA recht behält, dürften die sündigen Branchen in neuem Glanz erstrahlen, hofft Norton.

Klar. Geraucht wird immer, gesoffen wird gerade in schlechten Zeiten, und die Glücksspiel- und Wettbranche ist von jeher konjunkturunabhängig. Im Prinzip gilt dies auch für die Sexindustrie, doch hier gibt es für den Geschmack der Sündenmanager einfach zu wenig solide Aktien (siehe Tabelle).

Eine Studie der Eastern New Mexico University über 55 Aktien aus den Branchen Tabak, Alkohol und Glücksspiel ergab, dass diese zwischen 1992 und Ende 2002 deutlich besser abschnitten als die Börse insgesamt. Der US-Index S&P 500 schaffte in diesem Zeitraum durchschnittlich 12,4 Prozent Zuwachs – Tabak- und Alkoholaktien stiegen doppelt so stark, und die Papiere der großen Casinobetreiber legten gar mehr als 40 Prozent zu. Auch der erst gegen Ende der Baisse 2002 aufgelegte Vice Fund schlug den S&P 500 deutlich.

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